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Erster Stolperstein für schwules Nazi-Opfer in Thüringen

Heinrich Weidinger wurde am 27. Januar 1944 ermordet – angebliche Todesursache: «Herzschwäche bei Magen- und Darmkatarrh»

Stolperstein
Bei der Verlegung eines Stolpersteins: Gunter Demnig (Archivbild: Jürgen Wenke)

Am 14. Mai 2019 wird erstmals ein Stolperstein in Jena und auch im Bundesland Thüringen verlegt, der einen Mann würdigt, der als schwuler Mann zunächst nach §175 in der verschärften NS-Fassung zweimal verurteilt wurde und nach der Verbüssung der mehrjährigen Haftstrafen von den Nazis im KZ Buchenwald ermordet wurde.

Heinrich Weidinger, geboren am 9. Mai 1890 in Windischgarsten in Österreich, war von Beruf Vermessungsingenieur. Als letzter freiwilliger Wohnort ist in Jena, Thüringen das Hotel  «Weimarischer Hof» bekannt. Wie von Jürgen Wenke recherchiert, wurde er am 12. Juni 1939 von der Polizei Dachau verhaftet wegen homosexueller Kontakte. Ob es die erste oder zweite Verhaftung war, ist unbekannt. Fest steht, dass er insgesamt zweimal mittels §175 verurteilt wurde und insgesamt 3 Jahre und 5 Monate Gefängnishaft verbüssen musste wegen seiner Zuneigung zum gleichen Geschlecht. Einzelheiten der Gerichtsverfahren sind nicht bekannt.

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Am Ende der Verbüssung der zweiten Haftstrafe wurde sogenannte «Schutzhaft» angeordnet und am 18. März 1943 erfolgte Verhaftung in Jena durch die Polizei Weimar. Dann wurde er deportiert: zunächst in das KZ Dachau bei München; ab 12.11.1943 in das KZ Buchenwald bei Weimar. Als sogenannter «Berufsverbrecher» und Homosexueller stigmatisiert. Fluchtversuch. Ermordet am 27. Januar 1944, angebliche Todesursache «Herzschwäche bei Magen- und Darmkatarrh».

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Der 27. Januar ist der Todestag (1944) von Heinrich Weidinger. Der 27. Januar ist auch als Tag der Auschwitz-Befreiung (1945) im kollektiven Weltgedächtnis fest verankert.

Die Stadt Jena geht nun mit in Sachen Würdigung von homosexuellen Nazi-Opfern mit gutem Beispiel voran: Am Dienstag, den 14. Mai 2019 wird erstmals ein Stolperstein in Jena und auch in Bundesland Thüringen verlegt, der einen Mann würdigt, der als Schwuler zunächst nach §175 in der verschärften NS-Fassung (Reichsstrafgesetzbuch) zweimal verurteilt wurde und nach der Verbüssung der mehrjährigen Haftstrafen von den Nationalsozialisten im KZ Buchenwald (Weimar), etwa 20 km von Jena, ermordet wurde.

Keine «Verwässerung des Gedenkens» befürchtet
Der Kulturausschuss der Stadt Jena hatte dazu in seiner Sitzung vom 19. Juni 2018 einen einstimmigen Beschluss gefasst. Darin heisst es: „(…) Bisher wurden in Jena ausschließlich jüdische Opfer mit Stolpersteinen geehrt. Mit einem Stein für Herrn Weidinger erfolge erstmals die Ehrung für einen verfolgten Homosexuellen (…) Wolfgang Rug vom Jenaer Arbeitskreis «Sprechende Vergangenheit» ergänzt laut Wenke, dass er keine «Verwässerung des Gedenkens» befürchte, da die Zahl der Jenaer Opfer insgesamt überschaubar sei und einigen anderen Opfergruppen wie den Zwangsarbeitern oder, wie jetzt geplant, den Kranken und Behinderten, auf andere Weise gedacht werde. Diese kämen dann nicht für Stolpersteine infrage. Der Ausschuss stimmte mit 10 Ja-Stimmen zu, dass Heinrich Weidinger mit einem Stolperstein in Jena gedacht wird.

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Der Stolperstein wird durch den Künstler Gunter Demnig verlegt, und zwar am Dienstag, 14 Mai 2019, in Jena, in der Passage «Weimarischer Hof», dem ehemaligen Standort des durch Kriegseinwirkungen zerstörten Nobel-Hotels «Weimarischer Hof».

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