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Die Sparsholt-Affäre – ein schwules Mehrgenerationenbuch

Neues von Alan Hollinghurst: Während des Blitzkrieges treffen Evert Dax und David Sparsholt in Oxford an der Universität aufeinander …

Alan Hollinghurst
Bild: Blessing / Robert Taylor Photography

Alan Hollinghurst erhielt 2004 den Booker Preis für «The Line of Beauty». Roland Müller-Flashar aus der Berliner Buchhandlung Eisenherz hat das neue Buch von Hollinghurst für uns gelesen: «Die Sparsholt-Affäre».

Der erste Satz
Der Abend, an dem wir den Namen Sparsholt zum ersten Mal hörten, scheint mir der beste Einstieg in diese Erinnerungen. Wir waren in meinen Räumen und sprachen über den Club.

«Warum kriegt Armistead Maupin all die schwulen Männer?»

Das Genre
Ein Roman über einen Kreis von Freunden, die über mehrere Generationen miteinander verbunden bleiben. Es geht um Kunst, Literatur und Liebe und Veränderungen, die bis in die heutige Zeit ihre Auswirkungen haben.

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Die Handlung
Während des Blitzkrieges 1940 in England treffen Evert Dax und David Sparsholt in Oxford an der Universität aufeinander – zwei junge Männer mit sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Wurzeln. Der sportliche David ist sehr attraktiv, sich seiner Ausstrahlung aber zu Anfang nicht bewusst. Seine Kommilitonen sind alle von ihm fasziniert, besonders allerdings der schüchterne Evert Dax, Spross eines bekannten Romanautors. Die Kriegssituation bestimmt die Atmosphäre an der Universität, und den Studenten ist klar, dass ihnen nicht viel mehr als ein Jahr zum Studieren bleibt, bevor sie zum Militärdienst einberufen werden.

Warmherziger, witziger, weniger giftig

Es entsteht eine Gemengelage aus Leichtsinn und Fragen nach dem Sinn des Lebens. Nach Einbruch der Dämmerung geht es zum sprichwörtlichen Tanz auf dem Vulkan. Die jungen Männer spüren, dass sie nicht viel zu verlieren haben, und, was sonst zu dieser Zeit unmöglich wäre, Evert versucht David zu verführen (aber andere Studienkollegen versuchen es auch…). Dies ist Kapitel eins, es folgen weitere fünf, jeweils zehn bis zwanzig Jahre später, in denen Söhne und Enkel die Veränderungen der Gesellschaft erleben und mitgestalten, aber auch die Ereignisse von damals weitertragen.

Das Urteil
Ein weiterer Roman von Hollinghurst, in dem verschiedene Generationen schwuler Männer beschrieben werden. Im Vergleich zu seinen früheren Werken ist dieses Buch warmherziger, witziger, weniger giftig. Es scheint auch ein bisschen so, als ob Hollinghurst alle erfolgreichen Charaktere aus seinen früheren Romanen hier in eine Geschichte zusammenführen möchte. Kurz und gut: lesenswert!

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Alan Hollinghurst: «Die Sparsholt-Affäre», Roman, Blessing (544 Seiten). Den Roman kann hier bestellen.

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