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Ägyptens Polizei filzt Konzertbesucher: Regenbogenfahnen verboten!

Fans der Red Hot Chili Peppers berichten, sie seien auf Flaggen hin kontrolliert worden

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Bild: iStockphoto

In Ägypten werden keine Regenbogenfahnen bei öffentlichen Veranstaltungen geduldet. Vor eineinhalb Jahren traf es die Band Mashrou‘ Leila, nun wurden auch die Fans der Red Hot Chili Peppers vor einem Konzert gefilzt.

Im Herbst 2017 hatten Besucher eines Konzertes in Kairo von Mashrou‘ Leila Probleme mit der Polizei, weil sie Regenbogenfahnen schwenkten. Jetzt traf es Fans der Red Hot Chili Peppers. Die Band spielte am Freitag vor den Pyramiden von Gizeh. Mehrere Fans berichteten daraufhin in den sozialen Netzwerken, sie seien vor dem Konzert kontrolliert worden.

Der Journalist Samer Al-Atrush twitterte zum Beispiel, er sei bei der Polizeikontrolle gefragt worden, ob er Flaggen bei sich trage. Was für Flaggen, fragt der Journalist. Darauf der Polizist: «Flaggen für Schwule – nicht erlaubt!» Er soll dem Journalisten gegenüber sogar noch etwas näher ausgeführt haben, wie die Flagge aussieht: «Drei Farben für Schwule.» Welche drei Farben auch immer das sein sollen …

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Ein anderer Twitter-User berichtet, die Polizisten hätten sogar Buntstifte eines Kindes konfisziert, damit es keine Regenbögen malen kann.

Das Vorgehen erinnert an die Vorfälle im September 2017: Die ägyptischen Behörden nahmen nach einem Konzert von Mashrou‘ Leila sieben Menschen fest, weil sie Regenbogenfahnen geschwenkt haben sollen. Mittels Aufnahmen von Überwachungskameras habe man die Besucher eines Konzerts der Band identifiziert, hiess es.

Die libanesische Band, die für Meinungsfreiheit kämpft und sich für sexuelle Vielfalt einsetzt, ist weit über die arabische Welt hinaus bekannt und spielt auch regelmässig in den USA und in Europa. Der Sänger Hamed Sinno ist offen schwul und den Behörden ein besonderer Dorn im Auge.

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Homosexualität ist in Ägypten zwar nicht gesetzlich verboten, aber ein gesellschaftliches Tabu. In der Vergangenheit wurden angeblich schwule Männer trotzdem unter anderem wegen Verachtung der Religion verurteilt. Vor über einem Jahr wurde im ägyptischen Parlament sogar über einen Gesetzentwurf diskutiert, der Homosexualität kriminalisieren sollte. Er sah Strafen von ein bis drei Jahren Haft für schwule «Ersttäter» vor – unabhängig davon, ob der gleichgeschlechtliche Sex in der Öffentlichkeit oder in Privaträumen stattgefunden hat. Für «Wiederholungstäter» war eine fünfjährige Gefängnisstrafe vorgesehen. Manche Medien sprachen sogar von bis zu 15 Jahren.

Im kürzlich veröffentlichen Spartacus Gay Travel Index landete Ägypten auf Platz 179, noch hinter Russland und Jamaika.

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