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«Bei St. Pauli und HSV würde sich jeder schwule Spieler wohlfühlen»

Die Präsidenten der Hamburger Fussball-Clubs zur Frage, warum sich homosexuelle Kicker auch im Jahr 2019 nicht outen

FC St. Pauli
Foto: Twitter/St. Pauli

Der St. Pauli-Präsident Oke Göttlich (43) und der HSV-Präsident Marcell Jansen (33) äusserten sich im MOPO-Interview zur Frage, warum homosexuelle Fussballer sich auch im Jahr 2019 nicht outen.

Erst sprach Anfang des Monats der norwegische St. Pauli Mittelfeld-Spieler Mats Möller Daehli mit der Hamburger Morgenpost (MOPO) darüber, dass es in Deutschland keine aktiven Fussballspieler gäbe, die sich outen.

Es könne nicht sein, dass es keine schwulen Fussballer gibt, und er glaube auch, dass man durch die Gegebenheiten einige Talente auf dem Weg zu den Profis früh verliert. «Dagegen müssen wir etwas tun, wir brauchen Lösungen. Aber das muss von allen kommen.»

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Bei seinem Verein St. Pauli, dessen Präsident lange Jahre der schwule Theatermacher und LGBTIQ-Aktivist Corny Littmann gewesen ist, sei das Binnenklima gesund. Tatsächlich setzt sich das «Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus» bereits seit 2007 gemeinsam mit dem schwul-lesbischen Fanklub «Queerpass Sankt Pauli» in der Fanszene von St. Pauli und bei den Gästen für eine kontinuierliche Aufklärung und aktive Öffentlichkeitsarbeit ein. «Da würde es keine Probleme geben», so Möller Daehli. Aber: «Alle Kabinen sind anders, und ich habe von Fussballern in Norwegen gehört, dass sie es für schwierig halten, sich in diesem Klima zu outen.»

Nun wollte die Zeitung von den beiden Fussball-Präsidenten der Hansestadt wissen, warum es über fünf Jahre nach dem Coming-out von Thomas Hitzlsperger immer noch kein aktiver Spieler gewagt habe, sich zu outen.

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Den Fans nicht Unrecht tun!
HSV-Präsident Marcell Jansen findet es «verkehrt, dem Fussball da etwas anzudichten». Thomas Hitzlsperger habe seit seiner Erklärung nie mit öffentlichen Anfeindungen zu kämpfen gehabt. Der Fussball sei viel toleranter geworden. «Warum sich Fussballer nicht öffnen, weiss ich nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Stadien negative Reaktionen gäbe. Wir würden den Fans Unrecht tun, wenn wir sie in diese Schublade stecken würden.»

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St. Pauli-Präsident Oke Göttlich glaubt auch, «dass der Fussball hier für etwas problematisiert wird, was jedes Individuum für sich zu entscheiden hat». Der Fussball habe zwar viele konservative Züge, es gibt ja zum Beispiel kaum Frauen in Führungspositionen, aber man müsse damit aufhören, das immer wieder so zu thematisieren, dass es wirklich für die Leute ein Problem werden könnte.

«Gesellschaftlicher Wandel vollzieht sich nicht, wenn man immer wieder versucht, etwas zu problematisieren, sondern indem man sich öffnet. Beim FC St. Pauli würde sich jeder homosexuelle Spieler wohlfühlen, das gilt aber sicher auch für den HSV. Ich freue mich übrigens sehr, dass sich Mats Möller Daehli so geäussert hat. Der Fußball ist so eine wichtige gesellschaftliche Plattform, auf der ich Themen zum Ausdruck bringen kann.» Das werde viel zu selten genutzt.

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