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Umgang mit Homosexuellen: Katholischer Bischof fordert Umdenken

Peter Kohlgraf gilt als liberaler Vorreiter unter den deutschen Bischöfen

Bischof Peter Kohlgraf ist seit 2017 Bischof von Mainz. Foto: Bistum Mainz / Blum

Bei der am Montag beginnenden Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz geht es vor allem um den Missbrauchsskandal. Der liberale Bischof von Mainz, Peter Kohlgraf, stösst jedoch auch weitere Debatten an. Er fordert ein Umdenken der katholischen Kirche.

67 katholische Bischöfe aus Deutschland treffen sich von Montag an in Lingen zur Frühjahrsvollversammlung. Auf der Agenda der Geistlichen stehen vor allem Beratungen zum Missbrauchsskandal. Der Bischof von Mainz, Peter Kohlgraf (51), äusserte sich im Vorfeld auch zu weiteren Themen, bei denen er Reformbedarf sieht.

In einem internen Papier, das Die Zeit veröffentlicht hat, heisst es ungewöhnlich deutlich: «Die Kirche befindet sich in einer existenziellen Krise, die vom Missbrauchsskandal nicht ausgelöst ist, hierin wohl aber einen Brennpunkt finde.» Unterschrieben ist er von vier Bischöfen, unter anderem Peter Kohlgraf.

«Das ist ein Thema, über das müssen wir noch sprechen»

Der 51-Jährige wurde erst im August 2017 zum Bischof von Mainz geweiht. Doch er gilt bereits jetzt als Vorreiter: In seinem Bistum hat er eine Beratergruppe eingerichtet, die bei der Aufarbeitung von Missbrauch helfen soll.

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Auffällig sind vor allem Kohlgrafs liberale Positionen. So könne er sich mittelfristig ein Ende des Zölibats vorstellen. «Der Zölibat ist eine wertvolle Lebensform, weil es die Lebensform ist, in der Jesus gelebt hat», zitiert ihn tagesschau.de. «Ich lebe auch so. Ich kann mir trotzdem vorstellen, dass es so etwas gibt, wie ausserordentliche Wege ins Priesteramt.» Bereits heute gebe es Priester aus den unierten Ostkirchen, die verheiratet seien. «Es ist also keineswegs ausgeschlossen.»

Im Umgang seiner Kirche mit Schwulen und Lesben forderte er ein Umdenken: «Einerseits zu sagen: Wir wollen dich nicht diskriminieren, aber in deiner Lebensform erkennen wir nichts Gutes. Das ist ein Thema, über das müssen wir noch sprechen.»

Kohlgraf verteidigte Wucherpffenig

Das ist nicht das erste Mal, dass sich der Mainzer Bischof homosexuellenfreundlich äussert. Er bezog auch Stellung in der Debatte um Ansgar Wucherpfennig, Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Wucherpfennig war aufgrund seiner schwulenfreundlichen Äusserungen die Unbedenklichkeitserklärung des Vatikan verweigert worden.

Kohlgraf könne zwar nicht sagen, ob die liberale Bibeldeutung Wucherpfennigs korrekt sei. Die Debatte darüber sei jedoch wichtig, weil sie bei der «Reifung der Erkenntnis in der Kirche helfen» könne. Wenn dagegen jede Bibelstelle «direkt wörtlich geoffenbarte unveränderliche Wahrheit wäre, müssten wir aktuell Ehebrecher, Gotteslästerer, Wahrsager, ungehorsame Söhne und Töchter und Menschen, die am Sabbat ihr Auto waschen, steinigen».

Religiöse Bildung und theologische Forschung seien notwendig, «um das Verständnis der Heiligen Schrift zu retten und sie gegebenenfalls nicht der Lächerlichkeit preiszugeben», sagte Kohlgraf.

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Noch bis Donnerstag beraten die katholischen Bischöfe in Lingen. Den Vorsitz hat Kardinal Reinhard Marx. Im Februar wandten sich liberale Geistliche an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, um eine gerechte Bewertung von Homosexualität zu fordern.

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