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Ermutigt durch schwulen Zwilling: US-Schwimmer outet sich

Der 22-jährige Jacob Upton berichtet, wie ihn sein Bruder Jesse zum Coming-out inspirierte

schwule Zwillinge
Jesse (li) und Jacob Upton (Foto: Instagram)

«Auch wenn ich es nicht immer so betrachtet habe, war es ein Segen, mit einem Zwillingsbruder aufzuwachsen» so schreibt der 22-jährige Jacob Upton aus Minnesota. Warum er jetzt sein Coming-out wagte, schreibt er in einem Beitrag für die Website Outsports und berichtet, wie ihn sein Bruder Jesse inspirierte.

Auch wenn sie sich nicht immer über ihre Sexualität ausgetauschten, so empfand es Jacob doch bestärkend zu wissen, dass sein Zwillingsbruder Jesse eine ähnliche Erfahrung wie er durchlebte. Jesse outete sich schliesslich im Jahr 2015 vor Familie und Freunden und obwohl er erklärt, er sei Stolz auf den Mut seines Bruders gewesen, so habe er selbst auch ein wenig Eifersucht über die Bestärkung empfunden, die sein Bruder nun erhielt. Da er Jesses Coming-out jedoch auch nicht überschatten wollte, schwieg er weiterhin über seine Sexualität.

Bild: Facbook/ Jacob Upton

In seiner frühen Jugend hatte sich Jacob dem Schwimmen zugewandt, das ihm als Anker in seinem sonst schnell verändernden Leben diente und ihm half, sich von seinen Sorgen abzulenken. Dem Schwimmteam schloss er sich folglich auch an, als er an der Saint John´s University in Minnesota sein Computerwissenschaften- und Mathematikstudium begann. Die allgemeine Furcht, nicht von seinem neuen Umfeld akzeptiert zu werden, gepaart mit dem Fakt, dass ausschliesslich männliche Studenten an der Universität studierten, hielten ihn auch hier davon ab, sich zu outen.

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Zum Ende seines ersten Jahres, so berichtet er, entschloss er sich jedoch, zwei seiner besten Freunde im Team zu erzählen, dass er schwul sei. «Nachdem ich ihnen erzählt hatte, dass ich schwul bin, war ich von ihrer Unterstützung überwältigt. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich akzeptiert» so schreibt Jacob auf der Website.

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2018 datete Jacob dann seinen ersten festen Freund, der ihm dabei half, sich selbst zu akzeptieren und zu verstehen, was ihn letztlich dazu motivierte, sich endlich vor seinen Eltern zu outen. Auch wenn sie für einen kurzen Moment geschockt waren, so sprachen sie schliesslich doch ihre Unterstützung aus, wie er berichtet. Die letzte Hürde seines Coming-outs stellte nun nur noch das Schwimmteam dar, für welches er auch an Turnieren teilnahm.

Von einem einfachen Facebook-Post oder einer «kitschigen ‹Ich-bin-schwul›-Rede» wollte er jedoch absehen und kam letztlich mit einer sehr simplen, aber effektiven Lösung daher:
 Er lud seinen festen Freund zu einem seiner Turniere ein und nachdem er den achten Platz im Finale ergattert hatte, sprang er ihm freudig in die Arme. Als er schliesslich zu seinem Team zurückkehrte, wurde ihm dann zu seiner sportlichen Leistung gratuliert und er wurde mit Fragen zu seinem Freund bombardiert. Zurückblickend, so schreibt er, wünscht er sich, er hätte sich vor seinem Team viel früher geoutet.

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Jacobs Geschichte zeigt, dass Taten letztlich oft mehr als Worte sagen können und man sich, auch wenn es einem mühsam erscheint, selbst akzeptieren und für sich selbst einstehen sollte. Veröffentlicht hat er seine Geschichte auf Outsports, einer globalen Plattform, die es LGBTIQ-Sportlern ermöglicht, die Umstände und häufigen Mühen ihres Coming-Outs innerhalb ihrer sportlichen Profession und ihres Umfeldes in Form von Blogeinträgen zu teilen.

Gerade innerhalb von Sportvereinen wird Homo- und Bisexualität häufig gänzlich tabuisiert, auch wenn es stetige Berichte von einer steigenden Akzeptanz gibt. So stellte ein englischer Fussballverein zum Beispiel vor kurzem sein neues Regenbogen-Trikot vor, das kurz darauf sein Debüt auf dem Rasen erlebte. Für die Aktion erntete das Team viral enormen Zuspruch.

Guido Maria Kretschmer

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