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«Laut YouTube-Kommentaren bin ich der hässlichste Mensch»

Stefanie Heinzmann meldet sich mit dem Album «All we need is love» zurück

Stefanie Heinzmann
Stefanie Heinzmann (Foto: Promo)

Zu ihrem 30. Geburtstag macht Stefanie Heinzmann ihren Fans ein Geschenk – das neue Album «All we need is love». Das gilt auch für die Verfasser von Hasskommentaren, findet die Sängerin aus dem Wallis. Dass die Ehe in der Schweiz immer noch nicht geöffnet ist, kann sie beim besten Willen nicht verstehen.

Stefanie, Du bist jetzt 30 – war das unangenehm?
Gar nicht! 30 zu werden ist ja auch nichts anderes als 29 werden … Dachte ich jedenfalls lange. Tatsächlich aber ist es das. Es ist schon was Besonderes. Ich mag mich jetzt mit 30 mehr, als ich mich mit 20 gemocht habe. Jetzt gucke ich über die letzten Jahre nochmal anders, reflektierter. Ich durfte so viel lernen und wachsen, und das Leben wird so viel einfacher. Da macht es Spass, älter zu werden und erwachsener zu werden.

Stefanie Heinzmann
Stefanie Heinzmann (Foto: Promo)

Du entschuldigst dich gleich zu Anfang im ersten Track deiner neuen Platte: Sorry, dass Ihr so lange nichts von mir gehört habt …
Ach, das ist eher augenzwinkernd, der Song soll super Laune machen. Wir haben vor zwei Jahren angefangen, die Songs zu schreiben, ich habe mit sehr verschiedenen Teams gearbeitet, die verschiedene Facetten reingebracht haben. Ich bin superhappy mit dem Album, war aber auch froh, als es fertig war. Manchmal ist es schwer, ein Ende zu finden.

Dich hat vor ein paar Jahr mal ein schwuler Mann, der deine Musik toll findet, dem US-Markt empfohlen: Perez Hilton. Hat sich da was getan?
Nee, der Markt ist aber auch so gross. Und die warten halt echt nicht auf die Heinzmann. Meine Reaktion hätte damals sein müssen: Ich ziehe da hin und gebe Vollgas. Wenn ich es wollte, wäre das viel Arbeit. Der US-Markt ist nicht schnell erobert. Das ist mir auch zu weit weg. Ich will zu Hause sein am Wochenende! Bin aber auch happy, so wie es ist. Ich spiele dieses Jahr erstmals in Wien, auch in Luxemburg. Das ganz Jahr ist verplant. Und in der Zeit, die ich in Amerika bin, wäre ich nicht hier. Da verpasst man so viel!

Deine Backgroundsängerin Laurita tritt als eine Hälfte von S!isters für Deutschland beim ESC an.
Sie war vor drei, vier Jahren bei mir am Start. Gerade habe ich keine Backgroundsängerinnen, ich habe sie gegen Bläser eingetauscht. Man kann ja auf Tour nicht immer alles mitnehmen. Ich freue mich aber total für Laurita, sie ist eine grossartige Sängerin! Ich war ganz aufgeregt, als ich das mitbekommen habe. Hab ihr auch Daumen gedrückt und ihr gratuliert. Ich bin auf jeden Fall ihr Fan!

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Liest du die Kommentare zu deinen Songs auf YouTube oder bei Instagram?
Bei YouTube lese ich sie gar nicht. Das ist mir echt zu hart da. Ich habe es einmal gemacht mit 18 und hatte direkt die Schnauze voll: Den Kommentaren zufolge war ich der hässlichste Mensch der Welt mit den dicksten Armen und den kleinsten Brüsten … Heute ist es so: Konstruktive Kritik zur Musik kann man gerne loswerden. Aber negative Bemerkungen lösche ich, wenn mir z.B. jemand sagen will, dass mein Nasenring nicht schön ist. Ich unterbinde das sofort, ich fördere keine Negativität.

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Beim letzten Gespräch mit der MANNSCHAFT ging es auch um das Thema Eheöffnung, die war damals noch weit weg. Zumindest in Deutschland gibt es sie jetzt, und in der Schweiz scheint es deutlich voranzugehen. Glaubst Du, das klappt dieses Jahr noch?
Schwer zu sagen. Ich bin Optimist, ich will dran glauben. Auch wenn es dieses Jahr nicht klappt, wir sind auf dem Weg. Wie mit Menschenrechten, wie mit Frauenrechten … wir werden am Ziel ankommen, wenn es nicht mehr darum geht: Was möchtest du als Schwuler, was möchtest du als Frau, als Mutter oder Vater, sondern .. was möchtest du als Mensch? Das muss das Ziel sein. Aber es dauert halt lang, es könnte wirklich schneller gehen, für meinen Geschmack. Es ist 2019, da wird es echt ein bisschen lächerlich.

Das ausführliche Interview folgt im April-Heft der MANNSCHAFT. Hier geht es zum Abo Deutschland und hier zum Abo Schweiz.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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