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Rassismus-Vorwurf gegen Schwules Museum – was ist da dran?

Der migrantische Verein GLADT beklagt sich über eine Info-Wand zur Verfolgung Homosexueller in aussereuropäischen Ländern

Die Wand zur Strafverfolgung Homosexueller in der Ausstellung «Tapetenwechsel», kuratiert von Wolfgang Theis (Foto: Chris Paxton / Schwules Museum)

Das Berliner Szenemagazin Siegessäule hat eine Erklärung des Vereins GLADT öffentlich gemacht, der sich seit 20 Jahren für migrantische LGBTIQ einsetzt. Darin geht es um eine Info-Wand im Schwulen Museum. Vorwurf: sie sei «rassistisch».

von Viktor Sowa

Auf der Wand in der Ausstellung «Tapetenwechsel» sieht man eine knappe und eindrückliche Übersicht zur gesetzlichen Verfolgung von Homosexuellen weltweit, zum Beispiel «Pakistan: Lebenslänglich, nur Männer», «Nigeria: 14 Jahre Haft, nur Männer oder Steinigung», «Malawi: 14 Jahre Haft für Männer, 5 Jahre Haft für Frauen».

In der Erklärung von GLADT wird behauptet, die Strafrechtswand würde «koloniale Wahrnehmungsmuster» reproduzieren und die Betroffenen in den jeweiligen Ländern nicht zu Wort kommen lassen. Diese kolonialen Wahrnehmungsmuster seien laut GLADT und Siegessäule-Titelzeile «rassistisch». Rafia Shahnaz Harzer von GLADT sagte auf Nachfrage der Siegessäule: «Im Iran beispielsweise gibt es große, aktive queere Communities. Nur zu sagen, dass Homosexualität im Iran illegal ist, greift daher viel zu kurz.»

Der Geschichtswissenschafter und Geschlechterforscher Till Randolf Amelung (Foto: Doris Belmont)

Um den Streit besser einordnen zu können, haben wir Till Randolf Amelung zum Interview gebeten. Er schrieb vor einem Jahr den ersten öffentlich-kritischen Artikel zur ideologischen Neuausrichtung des Schwulen Museum («Zu weiß, zu männlich, zu schwul?») und beantwortet für MANNSCHAFT einige der zentralen Knackpunkt in diesem Streit mit GLADT. Amelung war bis Ende 2018 in der Gesundheitsförderung tätig und kommentiert für verschiedene Medien seit Jahren das «LGBTIQ-Kriegsgebiet» an deutschen Universitäten und in der Queer Community, er ist auch Autor im Sammelband «Beißreflexe». Aktuell wohnt er in der niedersächsischen Provinz und hat vorher 11 Jahre in Göttingen gelebt, wo er Geschichtswissenschaften und Geschlechterforschung studierte.

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Till, was GLADT dem Schwulen Museum vorwirft und was die Siegessäule als Headline benutzt, ist ziemlich dramatisch, oder?
Ja, aber so dramatisch der Vorwurf auch klingt, so unzutreffend ist er. GLADT verwendet zur Begründung Argumentationsmuster aus der postkolonialen Theorie. Auf den Punkt gebracht lautet der in vielen Abwandlungen stets wiederholte Vorwurf, man würde sich im Westen als «fortschrittlich» darstellen, indem man Länder der sogenannten Dritten Welt als «barbarisch» in Bezug auf Menschenrechte erscheinen lässt. Gerne werden Menschenrechte dabei als «westliche» Idee verunglimpft, die es zu hinterfragen gelte.

Das Problem in Bezug auf Rassismusvorwürfe wie von GLADT ist, dass solche Betroffenenstimmen eher nicht «genehm» sind und geflissentlich ignoriert werden

Was die Sicht von Betroffenen angeht, so gibt es inzwischen viele gut zugängliche Berichte aus sehr unterschiedlichen Teilen des Erdballs. Mir ist nicht bekannt, dass insbesondere Betroffene aus Ländern, wo lange Haftstrafen oder Todesstrafe drohen, dies als zu vernachlässigende Bagatelle sehen würden. Fast immer schimmert neben dem Kampfgeist einiger eben auch die Angst durch, die man in solchen Verhältnissen zwangsläufig haben muss.

Das Problem in Bezug auf hiesige Rassismusvorwürfe wie von GLADT ist aber oft, dass solche Betroffenenstimmen eher nicht «genehm» sind und geflissentlich ignoriert werden, wenn man auf sie verweist.

Die umstrittene Wand aus «Tapetenwechsel» im Kontext und in einer Gesamtansicht (Foto: Chris Paxton / Schwules Museum)

Ein berühmtes Beispiel war 2017 ein Interview mit den SMU-Kurator*innen zoya. und Hasan Aksyagin, die in ihrer Ausstellung «The Lightest Shade of Aflatoon» über die Geschichten von queeren Geflüchteten einem Mann namens Murtaza aus dem Iran untersagten, einen islamkritischen Beitrag auszustellen. Die Kuratoren sagten: «Als queere Menschen mit muslimischem Background, die schon eine Weile in der westlichen Welt leben, wissen wir, dass dieses Thema einem mehrheitlich weissen Publikum mit Vorsicht präsentiert werden muss, um nicht rassistische, islamophobe Ideologie zu reproduzieren.»

Statt Islamkritik durfte Murtaza eine Liebesgeschichte erzählen.

Blick in die Ausstellung «Aflatoon» im Schwulen Museum, 2017. Rechts sieht man Textzitate aus der Liebesgeschichte von Murtaza, auf Persisch (Foto: Privat)

GLADT meint, man müsse differenzieren zwischen der offiziellen Gesetzgebung und der tatsächlichen Durchsetzung des Rechts in den jeweiligen Ländern. Natürlich ist Nuancierung immer gut, aber wieso ist es «rassistisch», schlicht auf die gesetzlichen und überprüfbaren Fakten hinzuweisen?
Nach der zuvor skizzierten Logik ist dies deshalb «rassistisch», weil es ein Überlegenheitsgefühl von weissen Europäern gegenüber nicht-weissen Nicht-Europäern fördern würde. Dabei wird ausgeblendet, dass entsprechende Gesetze zur Strafbarkeit von gleichgeschlechtlicher Sexualität und Partnerschaft einen gesellschaftlichen Werterahmen schaffen. Selbst, wenn entsprechende Gesetze in einem Land aktuell nicht angewandt werden sollten, schwebt immer noch das Damoklesschwert über allen, wenn eine neue Regierung doch wieder Homosexualität real bestraft sehen will. Ebenso vermitteln entsprechende Gesetze selbst bei Nichtanwendung, dass es moralisch falsch sei, gleichgeschlechtlich zu lieben.

Das Schwule Museum in der Berliner Lützowstrasse 73 (Foto: Robert M Berlin)

Im Siegessäule-Artikel wird Iran als Beispiel genannt, dass es dort eine bedeutende LGBTIQ-Community gäbe. Dort gibt es allerdings auch die Todesstrafe für Homosexuelle, die tatsächlich vollstreckt wird. Es ist ja nichts Neues, dass Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transmenschen seit jeher auch in sehr repressiven Umgebungen Mittel und Wege suchen, um (über)leben zu können. Deswegen bleibt die Todesstrafe trotzdem ein Fakt im aktuellen iranischen Strafrecht, der zutiefst inhuman und abscheulich ist.

Ach guck mal, so schlimm ist es ja doch gar nicht, also muss Homo-, Bisexuell oder Trans-Sein nicht als Asylgrund anerkannt werden

Wenn wir das weiterführen, dann stellt sich mir die Frage, wie man sich glaubwürdig in den Debatten um Bedürfnisse und ggf. besondere Gefährdung von LGBTIQ-Geflüchteten einbringen kann, wenn man gleichzeitig die rechtliche und gesellschaftliche Situation in einigen Herkunftsländern von Geflüchteten von Vereinen wie GLADT glättet und beschönigen will, um hier erzieherisch gegen mögliche Vorurteile zu wirken? Am Ende bietet man noch den Rechten, die gegen Geflüchtete hetzen, eine Steilvorlage: «Ach guck mal, so schlimm ist es ja doch gar nicht, also muss Homo-, Bisexuell oder Trans-Sein nicht als Asylgrund anerkannt werden. Das sagen ja sogar entsprechende Vereine!»

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Mit dem Vorwurf, «rassistisch» zu sein, wird aktuell in linken und queerfeministischen Kreisen häufig um sich geworfen. Getroffen werden meist nicht Menschen aus der rechten Ecke, sondern «Verbündete», die sich für linke und queere Anliegen einsetzen: in diesem Fall Kurator Wolfgang Theis, der auch Gründer des Schwulen Museum ist und deswegen mit dem «Verdienstkreuz am Bande» ausgezeichnet wurde. Ist «Rassismus» wirklich das passende Wort, aus deiner Sicht?
Entscheidend ist, welches Verständnis von «Rassismus» man zugrunde legt. Auf theoretischer Ebene liegt oft ein überdehntes Verständnis von «Diskriminierung» und «Gewalt» zugrunde. Ein in diesem Zusammenhang interessantes Schlagwort ist die sogenannte «epistemische Gewalt». Zugespitzt heisst es, dass Wissen und Wissensvermittlung selbst schon «gewaltvoll» seien, weil sie immer Metaerzählungen beinhalten würden, die «Unterdrückung» transportieren.

Kurator und Museumsgründer Wolfgang Theis bei der Arbeit mit Monne Kühne und Regina Krause an der Erfolgsausstellung zum Lesbischen Aktionszentrum West-Berlin (LAZ), 2018 (Foto: Privat)

Museumsarbeit steht somit unter einem gewissen Generalverdacht, durch Wissensvermittlung «gewaltvoll» zu sein. Natürlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass Wissensvermittlung in Museen auch immer vom Zeitgeist gerahmt wird. Vorherrschende Deutungen und Darstellungen von aussereuropäischer Geschichte und Menschen wurden durchaus zu Recht dafür kritisiert, in früheren Zeiten entwürdigende Sichtweisen verbreitet zu haben. Oder gar Exponate auf mindestens fragwürdige Weise nach Europa gebracht zu haben.

Einige queerfeministische und postkoloniale Aktivist*innen kippen jedoch das Kind mit dem Bade aus. Es geht dann nicht mehr darum, bessere Erzählungen zu gestalten, sondern lieber weitgehend darauf zu verzichten.

 

Till Randolf Amelung im Schwulen Museum bei der Präsentation des Buchs «Selbsthass & Emanzipation» (Foto: Alexander Heigl)

Der Rassismus-Vorwurf – der auch von Research Fellow Ashkan Sepahvand gegenüber SMU-Mitarbeiter*innen vielfach zu hören war, ebenso von Ex-Vorstand Aykan Safoğlu – löst gerade bei älteren schwulen weissen Männern Schockwirkung aus, während Rechte das vermutlich nicht weiter juckt. Was für Optionen haben denn schwule weisse Männer, deiner Meinung nach, sich zu «verhalten» in solchen Situationen?
Die Schockwirkung und das nachfolgende Unverständnis bei denen, die von solchen Vorwürfen getroffen werden, hat viel damit zu tun, dass gerade ältere schwule Aktivisten von den Grundsätzen der universellen Menschenrechte geprägt sind. Wie ich versucht habe zu erklären, wird das Prinzip solcher Menschenrechte von postkolonial argumentierenden Gruppen ja grundsätzlich angegriffen. Da prallen erstmal zwei Welten hart aufeinander. Gleichzeitig gelten die Positionen von «Betroffenen» als sakrosankt.

In so einem Konflikt kann man nur verlieren. Nachfragen und Kritik sorgen oft erst recht für eine Eskalation

In so einem Konflikt kann man nur verlieren, wenn man nicht bereit ist, die Vorwürfe und die andere Weltsicht unhinterfragt zu akzeptieren sowie umgehend Bussfertigkeit zu signalisieren. Nachfragen und Kritik sorgen oft erst recht für eine Eskalation.

Gleichzeitig ist aber jegliche Form der Busse nie ausreichend, denn weisse Männer – egal ob hetero oder schwul – stehen als sozial «Privilegierte» ohnehin unter Generalverdacht, nie empathisch mit anderen sein zu können. Patsy l’Amour laLove hat in ihrem Essay im Sammelband «Beissreflexe» anschaulich dargestellt, wie derartige Konflikte verlaufen. Nicht selten bleibt dann nur noch der soziale Rückzug aus den Krisengebieten.

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Wo stehen in dieser Situation eigentlich die weissen Trans-Männer, wie du? Sind die auch grundsätzlich suspekt und privilegiert?
Mir selbst wollte man auch schon den Mund verbieten, mit dem Hinweis, dass ich männlich und weiss und damit privilegiert sei. Interessanterweise weiss von denen niemand etwas über meine privaten Lebensumstände, aber darum geht es beim Vorwurf von vermeintlichen Privilegien auch nie. Aufgrund von Äusserlichkeiten werden Schablonen über einen selbst gelegt und mit Eigenschaften und biografischen Annahmen gefüllt. Überprüft werden diese Annahmen nicht.

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Diese Art von Umgang trifft allerdings nicht nur weisse Männer, sondern auch alle anderen, die weder mit solchen Theorien, noch solchem Aktivismus einverstanden sind. Es ist falsch zu glauben, dass alle Frauen, alle Schwarzen, alle Migrant*innen, alle Transpersonen hinter queerfeministischen und postkolonialen Ansätzen stehen würden. Es gibt auch viele kritische Stimmen, die sich davon distanzieren. Ein aktuelles Beispiel ist der Sammelband «Freiheit ist keine Metapher», den Vojin Saša Vukadinović herausgegeben hat.

«Freiheit ist keine Metapher: Antisemitismus, Migration, Rassismus, Religionskritik», herausgegeben von Vojin Saša Vukadinović, 2018 (Foto: Querverlag)

In sozialen Medien wurde u. a. auf einen Artikel in der Jungle World verwiesen, der die Nähe von GLADT zu den Muslimbrüdern beschreibt. Wieso sind solche Hintergründe wichtig – und inwiefern relativiert sie Rassismusvorwürfe und den Umgang mit ihnen?
Ich vermute, du spielst auf die Unterzeichner gegen das Bündnis «Ehrlos statt wehrlos» an? Zu diesen gehörte neben GLADT auch der im Jungle World-Artikel benannte Verein Inssan e.V., von dem seit 2008 bekannt ist, dass er Verbindungen zu deutschen Vertretungen der islamisch-fundamentalistischen Muslimbrüder hat. Kann man sich gleichzeitig glaubwürdig für LGBTIQ-Rechte einsetzen und sich mit einer Organisation zusammentun, die in letzter Konsequenz dagegen arbeiten wird, LGBTIQ als gleichwertig anzuerkennen?

In einem Gottesstaat nach den Idealen der Muslimbrüder wird nicht die sexuell befreite Gesellschaft warten.

In einem Gottesstaat nach den Idealen der Muslimbrüder wird nicht die sexuell befreite Gesellschaft warte

Nach Öffentlichwerden des Rassismusvorwurfs äusserten sich Birgit Bosold als Vorstandsmitglied des Museums und der Archiv- und Sammlungsleiter Peter Rehberg, beide «weisse privilegierte Personen», um es im Sprachgebrauch von Radical Queers zu formulieren. Sie äusserten «grosses Verständnis» für die Kritik. Sie stellten sich nicht schützend vor den Gründer ihrer Institution. Wird so elegant die «Erblast» der alten schwulen weissen Männer im Schwulen Museum entsorgt: einfach «Rassist» nennen und rausschmeissen?
Ich würde eher sagen, dass Birgit Bosold und Peter Rehberg in dieser Hinsicht keinen Spielraum hatten. Wenn man die Entwicklung des SMU verfolgt, ist ja die Hinwendung zu queerfeministischen und postkolonialen Ideen deutlich erkennbar. Dadurch erschliesst man sich auch neue potenzielle Kooperationspartner*innen und neues Publikum. Diese würde man aber sehr schnell wieder vergraulen, wenn man sich nicht gemäss des Busseprotokolls verhält. Da sind queerfeministische und postkoloniale Gruppen und Personen absolut konsequent.

Blick in die Ausstellung «colony» im Schwulen Museum, die sich 2018 mit Kolonialismus und der LGBTIQ-Situation in einem muslimisch geprägten Land wie der Türkei auseinandersetzte. Arbeit von İyi Saatte Olsunlar, «Raskol’s Axe», Video von 2013, 4’03’’ (Foto: Coşkun Aşar / Schwules Museum)

Grundsätzlich steckt da natürlich eine Gefahr drin, wenn es die Regel wird, solche Vorwürfe unhinterfragt zu akzeptieren. Queerfeministisch und postkolonial geprägte Aktivist*innen beschäftigen sich nicht wirklich realistisch mit den Herausforderungen der Mikroebene, auf der sich subjektives Erleben und auch soziales Miteinander abspielen. Das Nicht-Hinterfragen solcher auch rufschädigenden Anschuldigungen öffnet mitunter den Raum für effektives Mobbing und damit eben auch fürs Loswerden von unliebsam gewordenen Personen.

Persönliche Beziehungen sind nie frei von Widersprüchen und Ambivalenzen. Es gibt keine reinen, unschuldigen Engel

Persönliche Beziehungen sind nie frei von Widersprüchen und Ambivalenzen. Es gibt keine reinen, unschuldigen Engel, denen man vorbehaltlos und unmittelbar Folge leisten kann, weil sie die subalternsten Wesen darstellen. Auch die Subalternen sind, wie alle anderen Menschen, konfrontiert mit Regungen, wie Neid, Liebe, Hass, Gier und sehr persönlichen Sehnsüchten und Bedürfnissen.

Wie es konkret im Falle Wolfgang Theis ist, lässt sich von aussen nur sehr schwer beurteilen, aber mir ist es wichtig, auf dieses grundsätzliche Problem hinzuweisen.

Welche Rollen spielen bei der Rufschädigung Medien wie die Siegessäule, die sich in dieser Debatte instrumentalisieren lässt und scheinbar im eigenen Artikel zu den GLADT-Vorwürfen nicht journalistisch-kritisch nachhakt?
Am Siegessäule-Artikel fällt auf, dass nicht erkennbar ist, ob sie sich bemüht haben, Wolfgang Theis zu den Vorwürfen direkt zu befragen, um seine Sichtweise ebenfalls darzustellen. (Also genau das, was GLADT andersrum fordert.) Das finde ich bei so einem Vorwurf schon sehr problematisch, denn so ein Artikel ist in Zeiten des Internets noch Jahre später leicht wiederzufinden. Dann bleibt vor allem in Erinnerung, dass Theis ein alter rassistischer Typ sei – und das auf der Basis von mindestens diskussionswürdigen Begriffsvorstellungen.

Blick in einer Abteilung der Ausstellung «Tapetenwechsel», wo es um die Verfolgung Homosexueller in Deutschland nach §175 geht (Foto: Juan Carlos Rosa / Schwules Museum)

Viele ältere weisse schwule Männer sorgen als Ehrenamtliche im Schwulen Museum seit Jahrzehnten dafür, dass der Laden läuft. Viele sind extrem irritiert über die ständigen Privilegien- und Rassismus-Vorwürfe. Kann man die wichtige Diskussion zwischen den Generationen und Gruppen auch anders führen? Gäbe es Beispiele?
Ja, man könnte die Diskussion natürlich anders führen. Mit gegenseitigem Respekt und mit der Bereitschaft, die eigenen Ansätze auch hinterfragen zu lassen, anstatt blinden Gehorsam vorauszusetzen. Hierzu muss aber auf allen Seiten der entsprechende Wille vorhanden sein, fair miteinander umzugehen.

Der Verein GLADT betont übrigens, dass er seine Kritik nicht als «Bashing» verstanden wissen möchte. Und: Er bietet dem SMU an, für die Zukunft «selbstverständlich als Kooperationspartner» zur Verfügung zu stehen. Man darf gespannt sein, wie harmonisch und/oder kreativ diese Zusammenarbeit verläuft.

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