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Bund Freier evangelischer Gemeinden empfiehlt «Homoheilung»

Der Bund hat 479 Gemeinden mit über 41.000 Mitgliedern – Kritik kommt u. a. vom LSVD

Homoheilung
Foto AdobeStock

In seiner Orientierungshilfe «Mit Spannungen umgehen. Zur Homosexualität in freien Evangelischen Gemeinden» fordert der Bund Freier evangelischer Gemeinden Schwule und Lesben zu Enthaltsamkeit auf und empfiehlt Therapien zur Veränderung der sexuellen Orientierung. Der LSVD spricht von gefährlichem Humbug.

Kritik an den Empfehlungen für Homosexuelle kommt vom deutschen Lesben- und Schwulenverband. Henny Engels, Mitglied im LSVD Vorstand erklärte: «Umpolungstherapien sind homophober und gefährlicher Humbug». In der Orientierungshilfe heisst es u. a.: «Aus Sicht des christlichen Glaubens ist die Bibel für das Verständnis und die Gestaltung der Sexualität wegweisend» und: «Die Sexualität ist wie alles Geschaffene vom Einbruch der Sünde und des Bösen in die Schöpfung nachhaltig betroffen und beeinflusst.» Und schliesslich: «Homosexuell geprägte Menschen, die den Versuch einer Veränderung ihrer sexuellen Orientierung anstreben, sollten sich einem professionell begleiteten therapeutischen Prozess stellen.»

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Homosexualität war nie eine Krankheit und bedürfe keiner Heilung, so Engels. «Das haben auch der Weltärztebund und die Weltgesundheitsorganisation bestätigt. Mit seiner Position zu Homosexualität stellt der Bund Freier evangelischer Gemeinde seinen Status als Freier Träger der Jugendhilfe in Frage.»

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Alle zuständigen Behörden müssen öffentlich vor solchen gefährlichen Pseudo-Therapien warnen

Für den LSVD sei klar: Es dürfe keinerlei öffentliche Förderung für Institutionen geben, die solche «Behandlungen» anbieten oder empfehlen. «Zum Schutz von jungen Menschen müssen Umpolungs- und Konversionstherapien an Minderjährigen gesetzlich verboten werden. Die Bundesregierung, die Landesregierungen und alle zuständigen Behörden müssen öffentlich vor solchen gefährlichen Pseudo-Therapien warnen.»

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Sogenannte „Umpolungs- und Konversionstherapien» werden vor allem von religiös-fundamentalistischen Organisationen angeboten. Sie zielen ausgehend von einer Abwertung von Homosexualität auf eine Änderung von Sexualverhalten und sexueller Orientierung ab.

Der Bund Freier evangelischer Gemeinden hat 479 Gemeinden mit über 41.000 Mitgliedern, noch mehr besuchen die Gottesdienste, darunter auch 10.000 Kinder. Knapp 350 seiner Gemeinden engagieren sich laut LSVD für Teenager und Jugendliche in Form von Gruppenangeboten. Sie erreichten damit über 8.000 Jugendliche. Etwa 1.800 Mitarbeitende seien dafür aktiv.

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Auch der LGBTIQ-politische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Jens Brandenburg, übt Kritik:

«Die Aufklärung ist an den Autoren der Broschüre offenbar spurlos vorübergegangen. Sie erkennen ihren Beitrag zur Diskriminierung homosexueller Menschen und bekräftigen im selben Atemzug ihr unverändert mittelalterliches Verständnis von Sexualität und Partnerschaft. Es wird Zeit, dass die gefährlichen und menschenverachtenden Konversionstherapien endlich europaweit verboten werden. Unsere Kinder sollten wir vor religiösem Fundamentalismus schützen und mit einer altersgerechten Sexualaufklärung an allen Schulen zu selbstbestimmten Entscheidungen befähigen.»

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