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Prominente Katholiken fordern gerechte Bewertung von Homosexualität

Diese Forderung findet sich in einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung veröffentlicht wurde

Foto: Pixabay

Acht prominente Katholiken haben die Deutsche Bischofskonferenz zu einem Neuanfang aufgerufen. Die katholische Kirche solle Homosexualität mit Verständnis begegnen, ihre geistlichen Ämter für Frauen öffnen und Priestern die Wahl ihrer Lebensform freistellen.

Diese Forderungen finden sich in einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der am heutigen Sonntag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung veröffentlicht wurde.

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«Wenn Sie sich an die Spitze der Reformbewegung setzen, haben Sie uns entschlossen hinter sich», steht in dem Appell, der auch an alle anderen Bischöfe gerichtet ist. «Schlagen Sie eine neue Seite auf, schreiben Sie ‚2019‘ darüber, und fangen Sie an.» Dazu gehört für die Unterzeichner auch ein «Neustart mit der Sexualmoral – eine verständige und gerechte Bewertung von Homosexualität inklusive».

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Fünf der acht Unterzeichner kommen aus Hessen, unter ihnen Ansgar Wucherpfennig. Dem Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt hatte der Vatikan im November vergangenen Jahres erst nach öffentlichen Appellen von Theologen die Zustimmung zu einer dritten Amtszeit gewährt.

Auch der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz und die Frankfurter Caritas-Direktorin Gaby Hagmans schlossen sich dem Appell an, ebenso wie der Jesuitenpater Klaus Mertes, der 2010 Missbrauchsfälle in der Kirche öffentlich gemacht hatte und nun das Kolleg Sankt Blasien im Südschwarzwald leitet. Mertes hatte erst im Dezember den Papst wegen seiner Aussagen zur Homosexualität kritisiert. Dessen Äusserung, im Ordens- und Priesterleben sei «kein Platz für eine solche Art von Zuneigung», sei laut Mertes «ein diskriminierender Akt».

Die Verfasser beziehen sich auf eine bevorstehende Reise von Kardinal Marx zu einer Konferenz im Vatikan über die Missbrauchsskandale der vergangenen Jahre. Sie sprechen auch von einer bedrückten Stimmung in den Pfarrgemeinden: «Die Sonne der Gerechtigkeit kommt nicht mehr durch. Unter einem bleiernen Himmel verkümmert die Freude am Glauben.»

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Homosexuelle sind «gescheiterte und zerbrochene Menschen»
Auf die Antwort des Kardinals darf man gespannt sein. Der hatte bei früheren Gelegenheiten Schwule und Lesben als «gescheiterte und zerbrochene Menschen» bezeichnet. Nach der Eheöffnung in Deutschland mahnte Marx «Respekt vor der Schöpfung» an. Gegenüber der Welt am Sonntag betonte der Erzbischof von München und Freising: «Die Ehe sollte auf die Beziehung zwischen Mann und Frau bezogen bleiben.» Vor einem Jahr sagte er in einem Radiointerview, eine Segnung von Homopaaren sei möglich – allerdings nur in Einzelfällen. Später dementierte er diese Aussage.

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