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Filmtipp: «Die Kunst des toten Mannes» mit Jake Gyllenhaal

In der Gaga-Galerie des surrealistischen Schreckens

Toni Collette und Jake Gyllenhaal in «Die Kunst des toten Mannes». (Bild: Netflix)

Genial und abgehoben,  ruhm- und geldsüchtig: Im neuen Netflix-Streifen «Die Kunst des toten Mannes» führt uns Regisseur Dan Gilroy die kommerzialisierte Kunstwelt vor – als packender Thriller mit Horror-Twist. Mit dabei: Ein Spitzencast, darunter Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Toni Collette und John Malkovich.

Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich nahe beieinander, nicht zuletzt in der Welt der Kunst. Diesem stets spannendem Aspekt widmet sich die dritte Regiearbeit von Drehbuchautor Dan Gilroy, der nach dem tollen «Nightcrawler» erneut mit seiner Ehefrau Rene Russo und Jake Gyllenhaal zusammenspannt. Und ganz schön auf dem Putz haut.

Alles beginnt in Miami Beach, wo sich die Kunstszene an der Art Basel trifft. Darunter der einflussreiche Kritiker Morf (Jake Gyllenhaal), die abgezockte Agentin Rhodora (Rene Russo) und ihre ehrgeizige Assistentin Josephina (Zawe Ashton). Als diese unter seltsamen Umständen auf geheimnisvolle Gemälde stösst, geraten alle in den Bann des verstorbenen, zuvor unentdeckten Malers Ventryl Dease und wittern das grosse Geld. Morf schickt sogar seinen Lover zum Teufel, um mit Josephina anzubändeln.

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Tatsächlich schlagen die düsteren Bilder ein wie eine Bombe. Doch sie erwachen auch zum Leben, um alle zu holen, die von ihnen finanziell profitieren.

«Pinkfacing» – Die wollen doch nur spielen

Netflix hat schon einige durchgeknallte Filme präsentiert (erwähnt sei nur «The Night Comes for Us»), aber «Die Kunst des toten Mannes» übertrifft fast alle. Was dank der illustren Namen vor und hinter der Kamera eine so eigenwillige wie massenkompatible Prestige-Produktion suggeriert, ist in Wahrheit ein ungezügeltes Gaga-Theater irgendwo zwischen Arschlochparade, Trashgranate und surrealem Albtraum. Das ist grandios, denn Dan Gilroy gibt am Beispiel der kommerzialisierten Kunstszene allen kräftig Saures, die selbstherrlich für den eigenen Vorteil über Leichen gehen.

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Die Besetzung hat sichtlich Spass daran und schöpft aus dem Vollen. Allen voran Jake Gyllenhaal, der Morf als moralisches und sexuelles Chamäleon verkörpert, irgendwo zwischen Oscar Wilde und Vincent Prices Shakespeare-Mimen Edward Lionheart in «Theater des Grauens». Sowieso lässt sich «Die Kunst des toten Mannes» am ehesten mit der genialen Horrorkomödie von 1973 vergleichen, die die abgehobene Theaterwelt – dramaturgisch ganz anders – ebenso sarkastisch hochnimmt wie Gilroy den Kunstmarkt. Sympathische Figuren sucht man vergebens, ausser vielleicht John Malkovich als gestandener Maler in der kreativen Dauersinnkrise.

Was sich der Streifen vorwerfen lassen muss, ist, dass er manchmal etwas forciert wirkt. Womöglich sind da die Ambitionen mit Gilroy durchgegangen. Aber eben: Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich nahe beieinander.

«Die Kunst des toten Mannes», Originaltitel: Velvet Buzzsaw, USA 2019. Regie & Drehbuch: Dan Gilroy. Mit Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Zawe Ashton, Toni Collette, Tom Sturridge, John Malkovich, Natalia Dyer.

Patricks Bewertung: 4/5

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