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Krefeld erhält zweiten Stolperstein für schwules Nazi-Opfer

Der Schneider Johannes Winkels starb 1943 im KZ Dachau bei München

schwules Nazi-Opfer
Der deutsche Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung eines Stolpersteins (Archivbild/Jürgen Wenke)

In Krefeld gibt es seit Februar 2018 den ersten und bisher einzigen Stolperstein für einen von den Nationalsozialisten ermordeten Homosexuellen. Der Schmied Peter Jöcken starb im KZ Sachsenhausen im Jahr 1942. Anfang Februar folgt nun der zweite Stolperstein.

Am Mittwochnachmittag, den 6. Februar 2019, wird der zweite Stolperstein verlegt, der einen schwulen Mann würdigt, der von den Nazis verfolgt wurde und im KZ Dachau am 17. Februar 1943 ermordet wurde. Es handelt sich um den Schneider Johannes Winkels, der in Grefrath geboren wurde und dessen letzter Wohnort in Krefeld war.

Johann Martin wurde nach § 175 wegen homosexueller Kontakte im März 1939 vom Landgericht in Krefeld zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, unter Anrechnung von 110 Tagen Untersuchungshaft im Gerichtsgefängnis Krefeld. Seine Haft trat er zunächst in Wuppertal an, ab 25. März 1939 sass er im Gefängnis Anrath. Ab 9. September 1939 musste er im Gefangenenlager Rodgau I in Hessen Zwangsarbeit leisten.

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Möglicherweise wurde Winkels am rechnerischen Ende der Haft am 18.11.1940 entlassen und war kurze Zeit auf freiem Fuss. Dann jedoch wurde er in polizeiliche Vorbeugehaft genommen und am 11. Februar 1941 in das KZ Sachsenhausen deportiert. Von dort wurde er am 21.5.1941 ins KZ Natzweiler im Elsass gebracht und von dort wiederum am 5.12.1942 ins KZ Dachau bei München, wo er am 17. Februar 1943 ermordet wurde.

Die angebliche Todesursache lautete «Versagen von Herz und Kreislauf bei Unterleibstyphus».

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Winkels‘ Schreibstubenkarte Dachau (Foto: Jürgen Wenke)

Manchmal recherchiert Jürgen Wenke über mehrere Jahre an einem Schicksal und liest hunderte Seiten Akten, bevor ein weiterer Stolperstein verlegt werden kann, der an die Verfolgung oder Vernichtung eines homosexuellen Mannes durch die Nazis erinnert. Auch in diesem Fall sind die Erkenntnisse über Winkels ihm und seiner Mühe zu verdanken.

Stolpern wider das Vergessen

Verfolgung ging nach 1945 weiter
Johannes Winkels war einer von mehreren Tausend Männern, die während der NS-Zeit wegen Homosexualität verfolgt wurden. Verhöre, Folterungen, Kastrationen (offiziell «freiwillig»), Gefängnis, Zuchthaus und KZ-Deportationen oder Verbringung in Euthanasie-Anstalten oder den sozialen Tod im beruflichen und privaten Umfeld durch ein Outing im Zusammenhang mit der juristischen Verfolgung überlebten die meisten nicht. Diejenigen Homosexuellen, die die NS-Zeit überlebten, sei es im KZ oder anderswo, wurden nach dem 8. Mai 1945 weiter verfolgt.

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Stefan Gruhner

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