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Coming-out – ein Problem, «das 2018 längst keins mehr sein sollte»

Engstirnigkeit wird zum Problem beim Coming-out in der SRF-Serie «Nr. 47»

Mit «Nr. 47» hat SRF ein Serienformat für Jugendliche und junge Erwachsene konzipiert. In der neuen Staffel geht es um den Studenten Dominic, gespielt von Gabriel Noah Maurer, der sich vor seinem Coming-out fürchtet.

Glänzende Schweissperlen im Mondlicht, ein rüttelndes Bett und zwei schwer atmende Männer. «Wir können uns noch was zum Essen bestellen», sagt der eine, als der Sex zu Ende ist. Der andere winkt ab, steht auf und zieht sich an. «Kann ich dir wieder einmal schreiben?», will der eine wissen. «Nein. Machs gut.» Der andere, das ist Dominic Pauli, gespielt von Gabriel Noah Maurer. Der junge Informatikstudent verabredet sich auf Grindr zu belanglosen Sexdates, versucht aber verzweifelt, sein Schwulsein vor den Eltern und seinem Freundeskreis geheim zu halten.

Ein Nachwuchsprojekt des SRF
«Nr. 47» steht für die Hausnummer des Wohnblocks in der Stadt Bern, in dem die jungen Hauptfiguren der Serie zuhause sind. In jeder Staffel wird jemand Neues vorgestellt. Nach Eveline (Elsa Langnäse) in der ersten Staffel steht nun Dominic Pauli im Fokus.

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Sein Studium läuft, mit der Nachbarschaft im Block versteht er sich gut und als Rapper in der Berner Hip-Hop-­Szene hat er sich Respekt verschafft. Waren es bei Eveline in der ersten Staffel das Ausziehen in die erste Wohnung, Stress mit Freund Yannik und eine überbesorgte Mutter, die das Handlungsgeschehen vorantrieben, ist es jetzt der ungeoutete Dominic, der seinem eigenen Glück im Weg steht. Vor allem bei seinen Rapperkollegen – der eine nimmt ihn wegen seinen «Pussy»-Texten hoch – fürchtet Dominic um seinen Ruf. Vielleicht bildet er sich alles nur ein?

Dominic ist sehr eng­stirnig, wenn es um sein Coming-out geht.

Angst vor Mobbing und Ausgrenzung
Gabriel Noah Maurer führte viele Gespräche mit schwulen Freunden, um sich auf seine Rolle als Dominic vorzubereiten. Auch mit Produzent Adrian Spring, der selber offen schwul ist, unterhielt er sich über die Ängste und Gefühle des Protagonisten. «Dominic hat eine riesige Schutzmauer um sich aufgebaut», sagt der 24-jährige Schauspieler gegenüber der Mannschaft. «Er lässt keinen an sich ran.»

Die Bewohner*innen von «Nr. 47» auf ihrer Dachterrasse in der Stadt Bern (Foto: SRF/ Naomi Salome)

«Es ist natürlich nicht so, dass sich das im Dorf oder auf dem Land immer so abspielt. Ich bin mir aber sicher, dass es viele Menschen gibt, die das genau so erlebt haben», sagt Maurer. «Dominic ist sehr eng­stirnig, wenn es um sein Coming-out geht. Er hat unglaubliche Angst und fürchtet ähnliche Folgen, wie sie seinem Schulfreund widerfuhren.»

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Von «Mario» zu «Nr. 47»
Maurer, der bereits im Film «Heimatland» zu sehen war, setzt sich schauspielerisch nicht zum ersten Mal mit den Themen Homosexualität und Homophobie auseinander. In Marcel Gislers Fussballdrama «Mario» versucht er als Mannschaftskapitän Simon die Wogen zu glätten, die durch die Liebesbeziehung zweier Fussballer ausgelöst wurden. Trotz ähnlicher Inhalte könne man die Rollen jedoch nicht miteinander vergleichen. «Bei ‹Mario› war es eine Nebenrolle und ich verbrachte nur zehn Tage auf Set», sagt er. «Es ist eher Zufall, dass beide Projekte die Inhalte Homosexualität und Homophobie behandeln.»

Um von niemandem erkannt zu werden, verlagern Dominic (links) und Tim ihr Date nach Spiez. (Foto: SRF/Naomi Salome)

In der Männerdomäne Profifussball geht es um die Gunst der Sponsoren und den Zusammenhalt in der Mannschaft, im Hip-Hop um eine antiquierte Auffassung von Ehre, Respekt und Bestätigung – Schauplätze einer heterosexuell geprägten Männlichkeit, die sich von der Homosexualität bedroht sieht. Marcel Gisler und Adrian Spring lassen mit «Mario» und «Nr. 47» Welten aufeinanderprallen, nicht zuletzt auch aus ihrer Sicht als schwule Geschichtenerzähler, und scheinen beim Publikum einen Nerv zu treffen.

Filmstart «Mario»: Homosexualität als Risikofaktor

«Es geht um Konflikte, die sich anhand der Beispiele Fussball und Hip-Hop gut illustrieren lassen», sagt Maurer. Und fügt hinzu: «Probleme, die 2018 längst keine mehr sein sollten.»

Der vollständige Artikel ist in der Schweizer Dezember-Ausgabe der MANNSCHAFT erschienen. Hier geht’s zum Abo Schweiz.

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