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Schweizer Verein will «katholische Kirche von Homo-Netzwerken befreien»

Der papsttreue Verein Pro Ecclesia hat dazu eine Petition lanciert. Im Januar soll sie in Rom überreicht werden

Pro Ecclesia
Symbolbild (Foto: Pixabay/Yolanda)

Der Verein Pro Ecclesia hat eine Petition mit dem Titel «Die katholische Kirche von Homo-Netzwerken befreien!» gestartet. Im Januar, so berichten mehrere Medien, soll sie an den zuständigen Kardinal in Rom überreicht werden.

Anfang des Monats ist ein neues Interview-Buch von Papst Franziskus erschienen. «Die Kraft der Berufung» soll diese Woche auch auf Deutsch veröffentlicht werden. Darin bezeichnet er Homosexualität u. a. als Modeerscheinung.

«In unseren Gesellschaften scheint es gar, dass Homosexualität eine Mode ist, und diese Mentalität beeinflusst auf gewisse Weise auch die Kirche», heisst es darin. Zudem hält der 81-Jährige Pontifex Homosexuelle im Klerus und in Priesterseminaren für eine «sehr ernste Angelegenheit». Darum sollten seiner Meinung nach Menschen mit «dieser tiefverwurzelten Tendenz» nicht in Seminaren zugelassen werden

Eine erzkonservative Schweizer Gruppierung will nun Tatsachen schaffen: Der Verein Pro Ecclesia hat eine Petition mit dem Titel «Die katholische Kirche von Homo-Netzwerken befreien!» lanciert. Im Januar, so berichten mehrere Medien übereinstimmend, soll sie an den zuständigen Kardinal in Rom überreicht werden.

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Ihre Forderung an die Kirche: keine homosexuellen Männer mehr zum Priesteramt zulassen und so einen Teil zur Wiedergutmachung der jüngsten Missbrauchsfälle beitragen. Laut kath.ch werden die Unterschriften über die Katholische Wochenzeitung, die in Baden erscheint, gesammelt. Unterschriftenlisten könne man bei Pro Ecclesia bestellen. Wie viele Menschen schon unterzeichnet haben, will man dort nicht sagen.

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Die Organisation der kirchen- und papsttreuen Katholiken tritt «dem Wertezerfall in unserer Zeit konsequent entgegen», wie es in einer Eigenbeschreibung heisst – also u.a. gegen die Anerkennung homosexueller Ehen.

Pro Ecclesia steht Bischof Huonder nahe

Der Verein steht dem umstrittenen Churer Bischof ­Vitus Huonder nahe, der immer wieder gegen Homosexuelle hetzt. 2013 hatte er zum Tag der Menschenrechte erklärt, die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben zerstöre Ehe und Familie, und sie verursache bei Kindern «psychische Störungen».

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Man sei «in grosser Sorge» um die katholische Kirche, schreibt also Pro Ecclesia in der Petition, aus der u.a. kath.ch zitiert. Das «unselige Verhalten» von homosexuellen Priestern komme allmählich an die Öffentlichkeit. «Dies schädigt das Ansehen der Kirche und entfremdet die Menschen vom Glauben.» 80 Prozent der Missbrauchsopfer seien männlich. Das zeige, dass Homosexualität ein Problem darstelle.

Ich wehre mich als Opfer sexuellen Missbrauchs gegen einen solchen infamen Ablenkungsversuch

Die Petition, über die kath.ch auch bei Facebook berichtete, hat dort sehr heftige und unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Ein User schrieb:

«Ich wehre mich als Opfer sexuellen Missbrauchs gegen einen solchen infamen Ablenkungsversuch und gegen die Verbreitung unsäglicher Verschwörungstheorien. Solche «Vereine“ wie Pro Ecclesia verherrlichen letztlich ein System der Vertuschung, das massgeblich als Mutterboden für den Kindesmissbrauch gelten kann.“

Es gab aber auch Zuspruch zur Petition, wie von dieser Userin: «Danke tolle Initiative endlich jemanden hat die Mut in der Öffentlichkeit darüber zu sprechen.Alleluja.»

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Einen Vorschub zu dieser Debatte leistete bereits der Churer Weihbischof Marian Eleganti. Gegenüber dem katholischen Sender EWTN machte er im August schwule Priester für den Missbrauchsskandal im US-Bundesstaat Pennsylvania verantwortlich. Dort wurden im Sommer 300 Priester überführt, die mehr als 1000 Minderjährige verführt haben sollen, vor allem Jungen, aber auch viele Mädchen.

Homosexualität nicht als wertvolle Variante der Schöpfung anschauen
Eleganti forderte mit Verweis auf die vielen männlichen Opfer eine «neue Nüchternheit, bevor wir die Homosexualität als eine ebenso wertvolle Variante der Schöpfung anschauen wie die hetero­sexuelle Ehe». Pro-Ecclesia-Präsident Herbert Meier findet es seinerseits wichtig, «dass die Hauptursachen der Missbrauchsfälle benannt und unterbunden werden».

In der katholischen Kirche regt sich Widerstand gegen die Petition. So findet etwa Martin Stewen, Priester der Diözese Chur: «Genau in dieser Mischung von übelstem Konservatismus und unterdrückter Sexualität liegt die Motivation zu Machtdemonstration durch sexuelles Missbrauchsverhalten.» Pro Ecclesia fördere genau das, was der katholischen Kirche gerade eine ihrer schwersten Krisen bereite.

In einem Begleitbrief, aus dem kath.ch zitiert, bedauert Pro Ecclesia die öffentliche Auseinandersetzung zu diesem Thema. Die katholische Position sei längst bekannt.

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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