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21-Jähriger in Münchner U-Bahn als «Transe« beschimpft und geschlagen

Noah beklagt auf Facebook einen LGBTIQ-feindlichen Angriff durch Fussballfans und die fehlende Zivilcourage der anderen Fahrgäste

Hassgewalt in München
Fotos: privat

In der Münchner U-Bahn wurde am Sonntag ein 21-jähriger bisexueller Mann beleidigt und geschlagen. Auf Facebook klagt er die mangelnde Zivilcourage der anderen Fahrgäste an.

«Gestern Nachmittag wollte ich meine Familie in München besuchen und musste als Nicht-Fussball-Interessierter feststellen, dass ein Fussballspiel anstand«, schrieb Noah am Sonntag bei Facebook.

«Die U-Bahn war voll mit besoffenen, grölenden und Bier verschüttenden Fans. Ich stieg in eine Bahn ein und direkt neben mir fingen zwei 1. FC Nürnberg-Fans an, irgendeinen Fussballgesang zu grölen. Weil die beiden, vielleicht Mitte 20-Jährigen, mir direkt ins Ohr brüllten, hab ich mich umgedreht und sie darum gebeten, damit aufzuhören. Die beiden Typen meinten dann, ich solle mich doch verpissen und aussteigen, wenn es mich stören würde.«

Einer der Nürnberg-Fans fing an, den 21-Jährigen zu beleidigen. Er machte Sprüche über seinen Schmuck und bezeichnete ihn mehrmals als «Transe». Keiner der anderen Fahrgäste schritt ein. «Die U-Bahn war voll mit kräftigen, erwachsenen Männern. Sie haben zugesehen», schreibt Noah.

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Ich ging zu Boden, was die vier Fussball-Fans erstmal nicht davon abhielt, auf mich einzuprügeln

Es begann ein «Wortgefecht» mit vier Nürnberg-Fans, und plötzlich man schlug Noah Gesicht. Als er versuchte, den Angreifer wegzustossen, sollen alle vier Nürnberger gleichzeitig auf ihn los gegangen sein.

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«Sie schlugen mir mit ihren Fäusten gegen den Kopf, traten mich. Ich wusste nicht mehr, wo oben und unten ist, versuchte mich aber zu wehren. Und als ich dann gespürt habe, wie eine Bierflasche auf meinem Kopf zersprang (sie wurde zum Glück «nur» auf mich geworfen), wurde mir schwarz vor Augen. Ich ging zu Boden, was die vier Fussball-Fans erstmal nicht davon abhielt, auf mich einzuprügeln.»

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Als die U-Bahn-Türen aufgingen, hätten ihn zwei Männer im Alter von 17 oder 18 aus der U-Bahn gezogen und gerettet. Noah erklärte gegenüber MANNSCHAFT, er habe Anzeige gegen die Angreifer aus der Bahn erstattet.

Zahn abgebrochen, leichte Gehirnerschütterung
Im Krankenhaus habe ihm der Arzt gesagt, dass er grosses Glück gehabt hätte. Er sei mit dem Schrecken, einem abgebrochenen Zahn, ein paar Prellungen und vermutlich einer leichten Gehirnerschütterung davongekommen. «Ich hatte einfach Glück», folgert Noah. Was er aber nicht versteht: Dass niemand etwa tat, ausser Blicke auszutauschen.

Ein Land ohne Zivilcourage
«Ich kann hier nur von meinen persönlichen Erfahrungen sprechen, aber für mich ist Deutschland ein Land ohne Zivilcourage.» Am Ende seiner Posts appelliert er: «Wir müssen verstehen, dass wir in unserer Gesellschaft nicht nur eine Verantwortung für unsere Familien oder Freunde tragen, sondern für ALLE unsere Mitmenschen! Wir müssen uns darauf verlassen können, dass wir uns in der Not gegenseitig helfen und nicht tatenlos zusehen!»

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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