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Schwuler Imam aus Berlin schafft Anlaufstelle für LGBTIQ-Moslems

Vom neu gegründeten LGBTIQ-inklusiven Verein getragen werden soll eine muslimische Moscheegemeinde, die auch Räumlichkeiten unterhält

Schwuler Imam
Foto: privat

Christian Awhan Hermann ist der erste schwule Imam Deutschlands. Unter seine Initiative wurde am Montag in Berlin der Verein KALIMA gegründet. Er will diskriminierte Minderheiten wie LGBTIQ innerhalb der muslimischen Community Deutschlands vertreten. Vom Verein getragen werden soll eine muslimische Moscheegemeinde mit eigenen Räumen.

KALIMA wird eine Anlaufstelle sein für zeitgemäss lebende, inklusiv denkende Muslim*innen im Allgemeinen und für LGBTIQ*-Muslim*innen im Speziellen zwecks Beratung, Unterstützung, Seelsorge und religiöser Praxis. Dabei vertritt KALIMA eine islamische Religionsausübung in Deutschland, die konform geht mit dem deutschen Grundgesetz, der deutschen Rechtsprechung, internationalem Völker- und UN-Recht, den internationalen Menschenrechten, der Genfer Flüchtlingskonvention usw., wie es in einer Pressemitteilung vom Montag heisst.

schwuler Imam
Foto: Kriss Rudolph

Der Verein will perspektivisch deutsche, inklusiv ausgerichtete Imam*innen aus- und weiterbilden,  Jugend- und Erwachsenenbildung anbieten (speziell zu Themen wie »Frauen im Islam») und sowohl inner- wie auch interreligiöse Begegnungen fördern.

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Ein wichtiger Aspekt der Vereinsarbeit wird die konsequente Nutzung moderner Technologie sein, um die bundesweite Teilhabe von Muslim*innen und Anders- bzw. Nichtgläubigen an den KALIMA-Aktivitäten zu gewährleisten. So sollen nicht nur in Berlin, sondern auch online Gruppen- und Beratungsangebote durch den Einsatz von Online-Konferenz-Software entstehen.

Imam Christian Awhan Hermann wurde von den Gründungsmitgliedern zum Vorstandsvorsitzenden
gewählt. Er sagt zur Vereinsgründung:

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»Die Zeit ist reif für eine deutsche Organisation, in der benachteiligte Muslim*innen in  gemeinschaftlicher Selbstvertretung ihre Position innerhalb der muslimischen Community gestalten können. Aus meiner Sicht schliesst die Botschaft Gottes keinen Menschen aufgrund seiner geschlechtlichen oder sexuellen Identität aus. Die Religionsausübung des Islam in seiner eigentlichen – nämlich spirituellen, friedlichen und humanistischen Form – ist zu wichtig, um irgendjemanden zurückzulassen.» Deshalb sei KALIMA eine Chance, Vorurteile nach innen wie nach außen hin abzubauen und eine Versöhnung bzw. Heilung anzustossen angesichts der Auswirkungen von radikalem Religionsmissbrauchs, so Hermann.

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»In sehr vielen anderen Ländern (auch, aber nicht nur in westlichen Staaten) existieren bereits
umfangreiche LGBTIQ-muslimische Netzwerke, mit denen sich KALIMA verbinden und kooperieren wird. Die Diskriminierung von LGBTIQ-Muslim*innen und von Frauen innerhalb des Islams erzeugt weltweit enormes Leid und führt oft auch zu Gewalt und Tod. Mit KALIMA wollen wir innerhalb der muslimischen Gemeinschaft aus einer religiösen Position der bedingungslosen Zugewandtheit und des gegenseitigen Mitgefühls heraus zu einer Reduzierung dieser Dinge beitragen.

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Basierend auf unserem Verständnis werden wir uns daher nicht respektlos, provozierend oder pauschal kritisierend gegen unsere muslimischen Schwestern und Brüder wenden.»

Man werde nicht gegen die eigene Religionsgemeinschaft arbeiten, indem man etwa versuche, belehrend auf andere einzuwirken, oder gar eine Polarität »guter Muslim / schlechter Muslim» vertreten, so Hermann.

Ein Porträt über den schwulen Imam Christian Awhan Hermann ist in der Dezember-Ausgabe der MANNSCHAFT erschienen: hier abonnieren (Deutschland) – und hier auch (Schweiz)!

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