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«Als weisser heterosexueller Mann muss man an sich arbeiten»

Henning May (27), Sänger der Kölner Band AnnenMayKantereit, im Interview

AnnenMayKantereit
Malte Huck, Severin Kantereit, Henning May und Christopher Annen (v.l.n.r../ Foto: Promo)

Henning May (27) kann nicht nur singen, dass sich die Nackenhaare aufstellen, sondern dazu noch Klavier, Melodica, Akkordeon, Ukulele und Gitarre spielen. Der Frontmann der Kölner Band AnnenMayKantereit macht einem aber mindestens so viel Gänsehaut als politisch denkender und handelnder Mensch.

von Olaf Neumann

Was haben Sie sich bei dem Song «Freitag» gedacht?
Ein Kumpel meinte, der Text sei ein bisschen rassistisch: «Am Anfang in der Innenstadt fahren junge Männer Autos, die ihnen nicht gehören. Sie werden heute Nacht so oft auf die Familie schwören.» Er wollte wissen, weshalb ich so über Türken reden würde. Da sagte ich zu ihm: «Sorry, aber das ist in deinem Kopf. Im Lied kommt es nicht vor. Ich denke dabei auch an Leute aus Bergheim mit meiner Hautfarbe, die viel ins Fitnessstudio gehen und Bock haben, mit einem dicken BMW durch die Innenstadt zu preschen, den sie sich nicht gekauft, sondern geleast haben. Wenn du dabei an junge Männer mit Migrationshintergrund denkst, dann ist das dein Rassismus in dir. Das hat nichts mit mir zu tun!»

Leben Sie in einer Blase oder kennen Sie auch AfD-Wähler persönlich?
Ich kenne Leute, die rechtes Gedankengut haben, persönlich, weil ich sehr fussballinteressiert bin. Ich habe Freunde, die aufgrund ihres Umfeldes und ihrer Sozialisation ein bisschen so denken. Es ist die Aufgabe des Freundeskreises, dieses Denken bei einem Kumpel Stück für Stück abzubauen, weil man ihn nicht fallen lassen will. Vielleicht ist er ja nur falsch gestartet. Natürlich lebe ich auch in einer Blase, aber da wir als Band uns in letzter Zeit über die sozialen Medien geäußert haben, schreiben uns viele Leute sehr negative Nachrichten.

In vielen YouTube-Kommentaren wird das Wort ‚schwul‘ in einem negativen Zusammenhang benutzt, um uns zu beschreiben

Was steht da drin?
Unsere Haltung wird kritisiert und wir werden persönlich angegriffen. Viele Leute sind auch der Auffassung, dass ich homosexuell sei und machen ihrem Unmut darüber Luft. Daran merke ich, dass meine Blase durchlässig wird. In vielen YouTube-Kommentaren wird das Wort «schwul» in einem negativen Zusammenhang benutzt, um uns zu beschreiben. Das ist krass.

«Niemand wäre auf die Idee gekommen, ich könnte hetero sein!»

Reagieren Sie darauf?
Einen Screenshot von den Hassnachrichten und -Posts zu machen, ist mir zu blöd. Damit gebe ich den Hatern eine Aufmerksamkeit, die sie gar nicht verdienen. Wir haben auf die letzte Seite unseres Albumbooklets vier Sätze geschrieben. Einer davon lautet: «Kein Platz für Homophobie und Sexismus!» Wir finden, dass man als weißer heterosexueller Mann an sich arbeiten und auch für andere Stellung beziehen muss.

Das vollständige Interview mit Henning May über Homophobie, Klischees und das Konzert von AnnenMayKantereit in der Türkei erscheint in der Januar/Februar-Ausgabe der MANNSCHAFT: hier abonnieren (Deutschland) – und hier auch (Schweiz)!

Am 7. Dezember erscheint das AnnenMayKantereit-Album «Schlagschatten». Die Band geht Anfang 2019 auf Tour:

31.1.2019 Mannheim, Alte Feuerwache (Ausverkauft)
1.2.2019 Ludwigsburg, Scala (Ausverkauft)
2.2.2019 Bern, Dachstock (Ausverkauft)

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