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Beifall für Coming-out an katholischer Eliteschule

Der Schüler Finn Stannard hat sich vor 1500 Mitschülern geoutet – dafür gibt es Standing Ovations

Finn Stannard in der Aula seiner Schule. Foto: SBS

Vier Jahre lang hat der 17-jährige Finn Stannard an seiner Rede gearbeitet, sagt er vor 1500 Mitschülern. Dann folgt sein Coming-out. Anerkennung bekommt er auch von seinem Rektor.

Die ganze Aula des St. Ignatius College in einem Vorort des australischen Sydney steht auf. 1500 Schüler und Lehrer applaudieren. Finn Stannard hatte sein Coming-out als schwul – und erntet dafür tosenden Beifall.

«Sich vor der ganzen Welt zu outen, ist ziemlich beängstigend», beginnt der damals 17-Jährige seine emotionale Rede. «Was, wenn die Welt dich nicht mag? Ich habe beschlossen, dass es endlich an der Zeit war, jemandem die Wahrheit zu sagen. Es war nicht leicht, aber ich habe meiner Mum gesagt, dass ich glaube, dass ich schwul bin.»

In diesem Moment sei er so energiegeladen gewesen, erzählt der Absolvent dem australischen öffentlich-rechtlichen Sender SBS. «Das war das erste Mal, dass ich wirklich stolz auf mich gewesen bin.»

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Finn, der gerade seinen Schulabschluss gemacht hat und Lehrer werden möchte, will mit seinem Coming-out anderen in einer ähnlichen Situation helfen. «Ich glaube, das ist der Hauptgrund, warum ich auf die Bühne gegangen bin und die Rede gehalten habe. Ich finde, niemand sollte das durchmachen, was ich durchmachen musste.»

Die Eheöffnung hat Finn Mut gemacht

Denn als er selbst mit 13 an sich selbst und seiner sexuellen Orientierung gezweifelt habe, gab es niemanden an seiner Schule, der offen schwul war. Stattdessen gab es «unzählige Gerüchte und unangebrachte Witze», und das Wort «schwul» war eine Beleidigung.

«Es waren diese kleinen, aber gehäuften Vorfälle, weshalb ich geglaubt habe, dass ich nie akzeptiert werden würde.» Mut gemacht hat ihm die Eheöffnung in Australien: Im November 2017 hatte die Mehrheit bei einem Volksentscheid dafür gestimmt, woraufhin das Parlament die Ehe für Homosexuelle öffnete.

 

«Als ich die Ergebnisse vom Volksentscheid gesehen habe, wusste ich, dass ich die Rede halten kann, und dass es am Ende gut wird», erzählt der Absolvent. Seine Mutter Megan Stannard war trotzdem zunächst besorgt – und dann überwältigt von den Reaktionen. «Dass Finn so viel Unterstützung bekam, dass seine Message gehört wurde. Ich habe geweint», erinnert sie sich. «Ich war einfach so stolz.»

Finn hat seinen Freund zum Abschlussball mitgenommen

Und auch der Rektor der Jesuitenschule, Paul Hine, lobt den Mut seines Schülers: «Finn ist ein Risiko eingegangen. Ich glaube, das ist eine Zeitenwende. Wir hatten nie einen Jungen, der öffentlich über seine Sexualität gesprochen hat.»

Seit seinem Coming-out sind Mitschüler auf Finn zugegangen, die auch unsicher in ihrer Sexualität sind. Anfang November hat er seinen Freund Tom Moiso zum Abschlussball mitgenommen. «Ich glaube, das Schönste war, all die anderen mit ihren Partnern zu sehen und sich überhaupt nicht anders zu fühlen.»

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