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Wiener Antidiskriminierungsstelle feiert 20. Geburtstag

Zum Empfang am Mittwoch kamen etwa 130 Weggefährt*innen ins Rathaus der Stadt

Wiener
Foto: Facebook/Jürgen Czernohorszky

Im Herbst 1998 nahm die Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen (WASt) ihre Arbeit auf. Die Bilanz, die man nun zieht, ist positiv.

«In den letzten 20 Jahren wurden die Rechte und die gesellschaftliche Teilhabe von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, transgender und inter*sex-Personen deutlich gestärkt», erklärte Stadtrat Jürgen Czernohorszky beim Empfang „Amtliche Buntmachung: 20 Jahre WASt“ am Mittwochabend im Wiener Rathaus. «Die Themen sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität sind vom Rand in die Mitte des Menschenrechtsdiskurses gerückt und ich bin stolz darauf, dass Wien in Österreich aber auch international eine Vorreiterrolle einnimmt.»

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Der Empfang versammelte etwa 130 Weggefährt*innen der vergangenen 20 –jährigen Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsarbeit. Neben Stadtrat Czernohorszky nahmen einer Pressemitteilung zufolge seine Vorgängerinnen im Amt Renate Brauner und Sandra Frauenberger, zahlreiche GemeinderätInnen, Vertreter*innen der Wiener Stadtverwaltung sowie VertreterInnen zahlreicher NGOs und KooperationspartnerInnen der WASt an dem Festempfang teil.

Das Thema LGBTIQ ist heute allgemein als wichtig anerkannt

Wolfgang Wilhelm, Leiter der WASt, der vor 20 Jahren gemeinsam mit Angela Schwarz die WASt aufzubauen begann und heute auch von Florian Wibmer und Susanne Böhm in seiner Arbeit unterstützt wird, blickt zurück: «Wir sind eine kleine aber besonders engagierte Stabstelle und schauen heute auf 20 sehr erfolgreiche Jahre zurück. Vor 20 Jahren mussten wir uns in viele Themen und Diskurse erst hineinreklamieren und das gelang oft nur durch persönliche Kontakte. Heute zeigt sich der Erfolg unseres Mainstreamings: Wir werden ganz selbstverständlich zu Projekten und Arbeitskreisen eingeladen, weil das Thema LGBTIQ heute allgemein als wichtig anerkannt ist und die Wiener Stadtverwaltung es im Kanon anderer Diversitätsthemen fest verankert hat.»

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War 1998 noch der Kampf gegen schwulenfeindliche Strafrechtsbestimmungen ein wichtiges Thema in der LGBTIQ-Community, kam 2004 die Antidiskriminierungsgesetzgebung und 2010 die Eingetragene Partnerschaft hinzu. Ganz aktuelle Themen seien die Öffnung der Ehe per 1.1.2019 und die Anerkennung einer dritten Geschlechtskategorie durch den Verfassungsgerichtshof.

«Österreich steht heute, was LGBTIQ-Rechte und -Gleichstellung betrifft, weltweit ausgezeichnet da und die Stadt Wien, die Regenbogenhauptstadt Österreichs, war in vielen Fragen hier Vorreiterin», so Wilhelm.

Vor genau zwanzig Jahren, im Herbst 1998, nahm die WASt ihre Arbeit auf und setzt sich seitdem gegen Diskriminierung und für die Gleichstellung von LGBTIQ-Personen ein. Die nach internationalen Vorbildern gegründete WASt war damals die erste und ist auch heute noch die einzige Stelle ihrer Art in einer kommunalen Verwaltung in Österreich.

In den letzten 20 Jahren hat die WASt unzählige persönliche Beratungen in Diskriminierungsfällen durchgeführt, circa 2.500 Schulungen und Seminare abgehalten und 11 internationale Fachkonferenzen veranstaltet.

Seit 2009 hat sie mit den Queeren Stadtgesprächen eine jährliche Veranstaltungsreihe etabliert und mehr als 250 öffentliche Veranstaltungen konzipiert und organisiert. Zudem wurden EU-Projekte konzipiert und durchgeführt, zahlreiche Publikationen, Handbücher und Broschüren erarbeitet und herausgegeben und gemeinsam mit dem Institut für höhere Studien (IHS) die Studie «Queer in Wien» durchgeführt. 2005 war die WASt Mitveranstalterin des First European Transgender Council im Wiener Rathaus.

2010 sicherte laut WASt das «Wiener Verpartnerungspaket» die würdevolle und gleichberechtigte Begründung der Eingetragenen Partnerschaften in den Wiener Trauungssälen und an Traumlocations. Das «Transgenderpaket» habe eine unbürokratische und einheitliche Vorgehensweise bei Geschlechtswechseln von Transgender-Personen sichergestellt und wurde in weiterer Folge als Modell für ganz Österreich festgeschrieben.

Ebenfalls 2010 wurde der Queere Kleinprojektetopf ins Leben gerufen, der alljährlich Förderungen für queere Vereinsprojekte in Wien ermöglicht. 2014 war die WASt Mitbegründerin des internationalen Rainbow City Netzwerks (RCN) und holte das erste Arbeitstreffen dieses internationalen Zusammenschlusses von Regenbogenstädten nach Wien. 2015 veranstaltete die WASt gemeinsam mit NGOs im Wiener Rathaus die Intersex Solidarity Days, 2017 die erste Wiener Intersex Konferenz im Wiener Rathaus.

Für 2019 stehen neben der Fortführung der genannten Aktivitäten vor allem die Europride 2019 in Wien und das Projekt eines Denkmals für die von den Nationalsozialisten wegen Homosexualität verfolgten Männer und Frauen auf der To-Do-Liste der WASt (zum Facebook-Profil).

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