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«Albus Dumbledore ist ein komplexer, komplizierter Mann»

Die Autorin J. K. Rowling hat schon vor einiger Zeit zu Protokoll gegeben, dass sie die Figur stets als homosexuell gesehen hat

Harry Potter

Jude Law ist als Albus Dumble­dore neben Eddie Redmanye in «Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen» zu sehen. Der neuste Film aus der «Harry Potter»-­Welt läuft ab Donnerstag im Kino. Die MANNSCHAFT traf die beiden Schauspieler in London.

Mr. Law, bei «Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen» sind Sie der Neuling im Universum von J. K. Rowling. Haben Sie sich als Vater von fünf Kindern gedacht, Sie müssten mal einen Film drehen, den die auch alle gucken können?
Law: Oh nein, das war überhaupt nicht meine Überlegung. Schon allein, weil die ältesten drei ja eigentlich mehr oder weniger erwachsen sind. Ich hatte einfach grosse Lust, in diese Welt einzutauchen. Zumal die Geschichten von J. K. Rowling ja immer schon mehr waren als «nur» für Kinder.

Mr. Redmayne, Sie waren schon im ersten Film der Reihe als Newt Scamander dabei. Fühlt sich so eine Fortsetzung für einen Schauspieler nicht an wie kalter Kaffee?
REDMAYNE: Hm, ich könnte mir schon vorstellen, dass es Fälle gibt, in denen das zutrifft. Aber meine Erfahrung bei diesem Film war eine andere. Aus verschiedenen Gründen. Zum einen haben die Geschichten von J. K. Rowling einfach diese Magie, diesen Einfallsreichtum und die Verspieltheit, die Kinder lieben, die aber eben auch Erwachsene begeistert. Dem erliegt man natürlich auch als Schauspieler. Zum anderen ist dieser Film nicht einfach das Gleiche noch einmal, sondern geht nochmal einen Schritt weiter. Es steht für Newt Scamander und die anderen noch einmal deutlich mehr auf dem Spiel.

Wir erleben Dumbledore in einem Moment, in dem er sich recht isoliert fühlt

Sie haben es also nicht bereut, damals gleich einen Vertrag für mehrere Filme unterschrieben zu haben?
REDMAYNE: Kein bisschen (lacht). Es macht noch immer sehr viel Spass, Teil dieser fantasievollen Welt zu sein. Von den Technikerinnen hinter den Spezialeffekten über die Puppenspieler bis hin zu den Kostümdesignerinnen und Ausstattern haben alle in unserem Team so unglaublich viel Fantasie und Einfallsreichtum an den Tag gelegt. Von meinen Schauspielkollegen ganz zu schweigen, denn unser Regisseur David Yates hat wirklich eine fantastische Mannschaft zusammengestellt. Aber auch meiner Rolle selbst bin ich noch lange nicht überdrüssig. Ich liebe Newt!

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Warum genau?
REDMAYNE: Mir gefällt an ihm vor allem, dass er ganz er selbst ist. Ganz unabhängig davon, wie es dazu gekommen ist, ist er mit sich selbst komplett im Reinen. Und er begnügt sich mit dem, was das Leben ihm zu bieten hat. Beziehungsweise ändert sich das natürlich im ersten Film, als er auf eine Frau trifft, die in ihm eine Seite sieht, die bis dahin nur Professor Dumbledore wahrgenommen hatte. Und genau der ist es dann ja auch, der ihn in «Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen» dazu bringt, seine eigene Welt noch ein wenig mehr zu verlassen.

Und Sie, Mr. Law, was mögen Sie an Ihrer Figur?
Law: Wir erleben Dumbledore in einem Moment, in dem er sich recht isoliert fühlt, aber genau weiss, wem er vertrauen kann. Ausserdem muss er sich seiner Vergangenheit und begangenen Fehlern stellen. Er ist ein komplexer, komplizierter Mann. Aber natürlich, wie wir aus den Büchern und Filmen wissen, die ihn als alten Mann zeigten, auch ein echter Schelm, mit einem frechen Funkeln in den Augen.

Haben Sie sich nochmal angesehen, wie Richard Harris und Michael Gambon damals den alten Dumbledore gespielt haben?
Law: Das habe ich, auch wenn J.K. Rowling und unser Regisseur David Yates gleich gesagt haben, dass es dazu keinen Grund gibt. Denn ihr Dumbledore war damals 80 Jahre alt – und so weit bin ich nun in «Phantastische Tierwesen» natürlich noch lange nicht. Hat mich aber natürlich nicht abgehalten. Denn welche bessere Entschuldigung gibt es, ein ganzes Wochenende alle «Harry Potter»-Filme noch einmal zu gucken – als Recherche!

Scamander und Dumbledore haben ein Mentor-­Schüler-Verhältnis. Haben Sie selbst einmal ähnliches erlebt?
REDMAYNE: Das nicht, aber ich hatte einen ganz wunderbaren Lehrer. Das war noch in der Schule, sein Name ist Simon Dormandy und er ist ein ehemaliger Schauspieler, der sich später aufs Unterrichten verlegt hat. Er behandelte uns Teenager im Internat damals wie Erwachsene, einfach weil er gar nichts anderes kannte. Dieser Respekt, mit dem er uns behandelte, hat mich sehr geprägt. Und überhaupt verdanke ich ihm in Sachen Ausbildung alles, denn ich habe danach ja nie eine Schauspielschule besucht. Noch heute suche ich manchmal Simons Rat, wenn ich mich einer neuen, grossen Herausforderung etwa am Theater stelle. Einfach weil ich mich bei niemandem so gut aufgehoben und sicher fühle wie bei ihm.

Law: Ich hatte auch ein paar tolle Lehrer, allerdings nie ein Verhältnis, das so lange gehalten hätte. Wenn man Glück hat, sind natürlich die eigenen Eltern die besten Mentoren, und tatsächlich haben meine Mutter und mein Vater bis heute einen grossen Einfluss auf mein Leben. Und ich hoffe, dass ich meinen eigenen Kindern das Gleiche bieten kann.

Mr. Law, J. K. Rowling hat schon vor einiger Zeit zu Protokoll gegeben, dass sie die Figur stets als homosexuell gesehen hat. Haben Sie darüber mal mit ihr gesprochen?
Law: Oh ja, wir haben einen ganzen Nachmittag zusammen verbracht, um über Dumbledore zu sprechen, und auch danach noch E-Mails ausgetauscht. Ein grosser Schwerpunkt lag dabei auf den Beziehungen in seinem Leben. Denn egal ob homo oder hetero: In wen wir uns verlieben und welche Art von Beziehungen wir führen, sagt mehr aus als das Geschlecht, die Hautfarbe oder irgendeine andere Eigenschaft der Person, mit der wir Sex haben. Sie hat mir deswegen sehr detailliert erzählt, welche Partnerschaften in Dumbledores Leben welche Rolle gespielt haben und vor allem, welche Spuren sie in seinem Kopf und vor allem seinem Herzen hinterlassen haben.

Bekommen wir davon in «Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen» irgendetwas zu sehen? Nach dem ersten Trailer wurde online schon geschimpft, dass Dumbledores sexuelle Identität womöglich unter den Teppich gekehrt wird…
Law: Das stimmt aber nicht, denn wer Dumbledore ist, spielt im Film sehr wohl eine grosse Rolle. Schon im zweiten Trailer war ja zu sehen, wie er in den Spiegel Nerhegeb blickt – und darin Grindelwald sieht. Und alle «Harry Potter»-Fans wissen natürlich, dass der Spiegel Nerhegeb das offenbart, was wir am meisten begehren. Das spricht doch schon mal für sich, oder? Details über das Verhältnis dieser beiden Männer darf ich nicht verraten, aber selbstverständlich wird da noch ein wenig mehr erklärt. Und da sind ja noch drei weitere Filme geplant, in denen in dieser Hinsicht noch sehr viel tiefer geschürft wird.

Das vollständige Interview steht in der November-Ausgabe der MANNSCHAFT. Hier geht’s zum Abo (Deutschland) – und hier auch (Schweiz).

«Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen»

Wer auf sexy Briten mit Zauberstab steht, hat Glück, denn ab dem 15. November läuft «Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen» in den Kinos. Im zweiten Teil der Filmreihe aus J. K. Rowlings grossem «Harry Potter»-Universum steht wieder Eddie Redmayne als Newt Scamander im Mittelpunkt. Sechs Monate nach den Geschehnissen des Vorgängerfilms «Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind» gelingt dem Schwarzen Magier Gellert Grindelwald (Johnny Depp) die Flucht. Nun möchte er im Namen der Zauberei die Macht an sich reissen, allerdings auf Kosten aller Nichtzauberer*innen. Sein ehemals engster Freund Albus Dumbledore (Jude Law) bittet seinen früheren Schüler Newt Scamander um Hilfe.

Noch ist nicht ganz klar, in welchem romantischen Verhältnis Gellert Grindelwald (Johnny Depp) zu Albus Dumbledore steht.

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