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5 Jahre nach Homophobie-Skandal – Barilla wirbt mit Lesbenpaar

CEO Guido Barilla wollte nie mit einer homosexuellen Familie werben – jetzt hat man sich immerhin für ein Frauenpaar entschieden

Barilla
Foto: Barilla/Olimpia Zagnoli

Eine Illustration eines lesbischen Paares ziert eine Sonderausgabe der unverkenn­baren Spaghetti-­Verpackung von Barilla. Wir erinnern uns: Noch 2013 versicherte CEO Guido Barilla, niemals mit Homosexuellen zu werben. Wie es jetzt trotzdem dazu kam.

Vor fünf Jahren sorgte Guido Barilla, Vorstandsvorsitzender und Mitinhaber der italienischen Pasta-Marke Barilla, mit einer ziemlich klaren Aussage für Aufruhr. Das Konzept der heiligen Familie sei ein fundamentaler Wert der Firma. «Ich würde nie mit einer homosexuellen Familie werben», sagte er in einem Radiointerview. Auf den Hinweis, dass auch lesbische Frauen und schwule Männer Teigwaren der Marke Barilla essen würden, meinte er: «Wenn ihnen unsere Pasta gefällt und unsere Botschaft, ok. Wenn nicht, sollen sie eben andere Pasta essen.»

Der Shitstorm liess nicht lange auf sich warten. Unter dem Hashtag #BoicottaBarilla wurde auf Twitter zu einem Boykott des weltweit grössten Pasta-Herstellers aufgerufen. Da half auch eine umgehende Entschuldigung der Firma Barilla nichts. «Wir nehmen seine Einladung an, seine Pasta nicht zu essen», sagte Aurelio Mancuso, LGBTIQ-Aktivist und Chef von «Equality Italia», gegenüber den Medien. Die Konkurrenten Bertolli und Garofalo nutzten die Gunst der Stunde und sprachen sich mit witzigen Posts in den sozialen Netzwerken für gleichgeschlechtliche Liebe aus, unter anderem mit Sprüchen wie: «Uns ist es egal, mit wem Sie es tun, solange es al dente ist!»

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Barilla gelobte Besserung
Einen Boykott gab es, wenn auch «keinen grossen», wie Guido Barilla 2016 – drei Jahre später – gegenüber der Schweiz am Sonntag sagte. Die Medien hätten seine persönliche Meinung aufgebauscht und als Meinung der Firma dargestellt. «Ich hatte nie ein Problem mit dem Thema. In dem Interview ging es um eine ganz spezifische Werbekampagne», sagte er. Trotzdem habe der Skandal der Firma die Möglichkeit gegeben, gewisse Themen, die man vorher oberflächlich betrachtet habe, sensibler anzugehen. Und Barilla versprach: «Irgendwann» werde es auch Werbung mit Homosexuellen geben.

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Ob dieser Moment nun gekommen ist? Im Rahmen der Pasta World Championship 2018, die Ende Oktober in Mailand stattgefunden haben, lancierte Barilla eine Sonderausgabe ihrer «Spaghetti N. 5». Auf der Packung ist die Illustration eines Frauenpaars zu sehen, das einen Teller Spaghetti ganz nach Susi-und-Strolch-Art geniesst. Hinter dem Design steckt Olimpia Zagnoli.

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Barilla
Olimpia Zagnoli (Foto: Instagram)

Die Illustratorin gehörte nach dem Eklat 2013 zu den ersten, die sich einem Boykott anschlossen. In Italien verkauft Barilla neben Teigwaren auch Backwaren. Und so weigerte sich Zagnoli während mehrerer Jahre, Produkte aus dem Haus Barilla zu kaufen, darunter auch Mehl und Kekse.

Barilla
Letztes Jahr nahm der Konzern Kontakt mit Zagnoli auf und bat sie, für die Sonderausgabe eine Illustration zu kreieren. Darauf reichte sie ihr Design mit den beiden Frauen ein. «Ich dachte, sie würden das Design niemals akzeptieren. Stellen Sie sich vor, sie taten es!», sagte Zagnoli bei der Pasta World Championship gegenüber den Medien. Auf Instagram schrieb sie: «Während ich in meiner Küche protestierte, hat Barilla grosse Fortschritte gemacht.»

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🍝? @barilla #pastaworldchampionship The first time i met with the team at Barilla, i immediately addressed the infamous statements that came out in 2013 about gay couples. I also told them that after that i was so disappointed that i stopped buying their products (not just pasta but flour, cookies, snacks…) for many years. What i didn’t know was that while i was protesting in my kitchen, Barilla made significant progress radically redefining its Code of Ethics and adjusting its internal policies to ensure greater inclusion and enhance the respect for different sexual orientations, gender equality, rights of the disabled, and multicultural and intergenerational issues. It now collaborates with different foreign organisations that support the rights of LGBT communities (Catalyst, Parks, ValoreD, Human Rights Campaign, GLAAD, The Tyler Clementi Foundation, The 30% Club); it supports associations that promote LGBT rights and events against homophobia such as, for example, Spirit Day, the largest campaign against bullying and for the inclusion of LGBT youths promoted by the American GLAAD; it promotes and actively participates in local meetings with LGBT communities. Barilla also scored 100% in the Human Rights Campaign Annual Corporate Equality Index from 2015 to 2018. I took this assignment because i was free to express my personal point of view through my illustrations and i’m glad i had such a big platform to do so. I hope corporations, big/small brands and people will learn from their mistakes and educate themselves to make this world a better place.

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In der Tat hat der Konzern seine Unternehmensrichtlinien überarbeitet, um ein inklusiveres Arbeitsumfeld für Menschen unterschiedlicher Orientierungen und Geschlechtsidentitäten zu schaffen. Auf dem Equality Index, einer Rangliste LGBTIQ-­freundlicher Unternehmen, erreicht Barilla seit 2015 jährlich die Bestnote mit 100 %.

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