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Keine Torte für Schwule und Lesben

«Zu heikel» sei eine Hochzeitstorte mit einem gleichgeschlechtlichen Figurenpärchen – entschied eine Konditorei in der Ostschweiz.

Immer wieder überrascht die Schweiz mit ihrer grundsätzlichen Offenheit gegenüber Lesben und Schwulen, obwohl viele das Land als verschlossen und konservativ sehen. Ein neues Beispiel zeigt nun aber erneut, dass die Gräben zwischen den einzelnen Regionen in der Schweiz in Sachen Offenheit gegenüber LGBT immer noch tief sein können.

Wie eine Ostschweizer Tageszeitung berichtete, wollte die Leiterin der Fest- und Hochzeitsmessen St.Gallen und Zürich, Maja Stuber, einen Flyer für LGBT-Menschen gestalten, um sie zur Hochzeitsmesse zu locken.

Für diese Aktion wollte Stuber einen Flyer gestalten lassen. «Mir war klar, dass sich gleichgeschlechtliche Paare nicht angesprochen fühlen, wenn wir nur mit heterosexuellen Partnern werben.», so Stuber. Das Motiv für den Flyer wäre einfach gewesen: Eine Hochzeitstorte mit Figürchen des gleichen Geschlechts obendrauf.

«Die St.Galler Konditorei, die ich dafür anfragte, war alles andere als begeistert»

sagt Stuber zum «Tagblatt». «Mit so etwas wolle sie auf keinen Fall in Verbindung gebracht werden.» Auch bei weiteren Gesprächen mit potenziellen Ausstellern stiess sie immer wieder auf Ablehnung, sobald sie das Thema ansprach. «Ich war doch etwas überrascht, dass für viele Ostschweizer dieses Thema immer noch heikel ist und sie nicht gerne darüber reden.»

Dass die Ostschweizer*innen konservativer in Sachen LGBT sind, überrascht indes viele Schwule und Lesben nicht. Viele «flüchten» in die nahe Grossstadt Zürich.

Die Zeitung frägt auch bei offiziellen Stellen nach. Dort erhärtert sich der Eindruck, dass St. Gallen & Co. kein Eldorado für Schwule und Lesben ist. 2017 wurden in der Stadt St. Gallen 374 Ehen geschlossen und lediglich 6 eingetragene Partnerschaften vollzogen. Der ehemalige Leiter des Zivilstandsamts St. Gallen, Willy Zimmermann, führt das im «Tagblatt» darauf zurück, dass die grosse Mehrheit der gleichgeschlechtlichen Paare ihre Verbindung nicht an die grosse Glocke hängen möchten und sagt: «Ich hatte den Eindruck, dass die Registrierung der eingetragenen Partnerschaft ein grosser Schritt für diese Paare ist, da sie sich so ‹outen› müssen.» Ein ganz anderes Bild zeigt sich hingegen bei gleichgeschlechtliche Paare in Zürich.

«Hier erleben wir oft, dass diese Paare genauso feiern wie die Heterosexuellen»

sagt Irène Imhof, Teamleiterin des Zivilstandsamts ­Zürich. «Die eingetragene Partnerschaft wird meist zelebriert wie eine Hochzeit, also auch in festlichen oder speziellen Lokalitäten wie etwa im Masoala-Regenwald des Zoos Zürich, in der Weinschenke des Hotels Hirschen oder im Zunfthaus zur Waag.» Die Zürcher*innen sind offener, das belegt auch die Statistik: 2017 gab es in der Stadt Zürich 2248 Eheschliessungen und 124 eingetragene Partnerschaften. Das sind im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen rund dreimal so viel wie in St. Gallen.

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