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«Präsident Trump will die Rechte aller Amerikaner, einschliesslich LGBTIQ, schützen.»

Im Juni veranstaltete US-Botschafter McMullen ein Dinner für die LGBTIQ-Community

US-Botschafter Edward McMullen empfing Vertreter*innen der Schweizer LGBTIQ-Community in seiner Residenz in Bern. (Bild: Jazzmin Dian Moore)

Der neue US-Botschafter für die Schweiz und Liechtenstein, Edward McMullen, lud im Juni Verteter*innen der Community in seine Residenz ein. Für die Gäste steht der herzliche Empfang im starken Kontrast zu den Entwicklungen in den USA.

Im Dezember 2017 trat Edward «Ed» McMullen sein Amt als US-amerikanischer Botschafter für die Schweiz und Liechtenstein in Bern an. Die Erwartungen der Schweizer Community an den republikanischen Gesandten von US-Präsident Donald Trump dürften niedrig gewesen sein, hatte die Administration doch mit Negativschlagzeilen und Zurücksetzungen von LGBTIQ-Rechten für Aufmerksamkeit gesorgt, darunter dem Ausschluss von trans Menschen aus dem Militär und einer Stärkung der Religionsfreiheit gegenüber dem Diskriminierungsschutz. Mit der Wahl von Mike Pence als Vizepräsident, der sich als Gouverneur gegen die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen eingesetzt hatte, befürchteten viele LGBTIQ-­Menschen weltweit einen Rückschlag für den Fortschritt vergangener Jahre.

Es verblüffte mich, dass ein Vertreter der Trump-­Administration den direkten Kontakt zur LGBTIQ-Community sucht.

Umso erstaunter waren Schweizer Vertreter*innen der Community, als im Mai 2018 eine Einladung der US-Botschaft in ihre Briefkästen flatterte. Der neue Botschafter höchstpersönlich lud sie – den Autor dieses Artikels inbegriffen – zu einem Dinner in seiner Residenz ein, «in celebration of pride month».

Ein Dinner in der Residenz
«Ich war sehr überrascht», erinnert sich Henry Hohmann, der im Frühjahr als Co-Präsident von Transgender Network Switzerland TGNS zurücktrat. «Es verblüffte mich, dass ein Vertreter der Trump-­Administration den direkten Kontakt zur LGBTIQ-Community sucht.»

Auch Dragqueen Jazzmin Dian Moore, die einen US-amerikanischen Vater hat, war von der Einladung «sehr überrascht». Sie sei sehr unsicher gewesen, wie willkommen sie als Aktivistin und als nichtweisse Person in Amerika unter Trump noch sei.

Das Dinner fand im Juni kurz vor der Zurich Pride statt, die US-Botschaft hatte während des ganzen Monats neben der US-Flagge die Regenbogenfahne gehisst. Zu den elf Gästen gehörten unter anderem Maria von Känel vom Dachverband Regenbogenfamilien, Peter Sahli von PinkCop, Theres Bachofen von der Lesbenorganisation LOS und der finnische Botschafter Timo Rajakangas mit seinem Partner. Nach einem Empfang im Salon servierte die Küche ein Dreigangmenü, gefolgt von Kaffee im Lesezimmer. Dabei war McMullen stets bemüht, mit möglichst allen Gästen ins Gespräch zu kommen.

Auch dieses Jahr wehte während dem ganzen Pridemonat Juni vor der US-Botschaft in Bern die Regen­bogenfahne.

In einer kurzen Ansprache vor dem Dinner bekräftigte der Botschafter das Engagement der USA, alle Menschen ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität willkommen zu heissen und ohne Vorbehalte zu behandeln. Keine Selbstverständlichkeit, wie McMul­len mit einer kurzen Anekdote unterstrich. Nachdem die US-Botschaft die Regenbogen-Flagge vor der Botschaft gehisst hatte, gab es vereinzelte Personen, die ihr Unverständnis darüber ausdrückten. «Ich erwiderte ihnen, dass die gegenwärtige Administration für das Leben, die Freiheit und das Streben nach Glück aller Amerikaner*innen einsteht, da zählen auch LGBTIQ-­Menschen dazu», sagte der Botschafter. Er nutze solche Gelegenheiten gerne, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. «Denn Menschen können von einem solchen Austausch lernen.»

Zu Beginn des Abends lag gemäss Jazzmin Dian Moore eine gewisse Anspannung und Unsicherheit in der Luft. Spätestens bei der Rede des Botschafters seien diese dann verpufft. «Er betonte die Offenheit der ganzen Botschaft gegenüber LGBTIQ-Themen und sagte uns ihre Unterstützung zu», sagt sie.

Nicht alle Republikaner teilen die gleichen Ansichten.

Kein Kommentar zur Innenpolitik
In einem Interview mit der Mannschaft, das einige Wochen nach dem Empfang in der Botschaft stattfand, ruft McMullen zu weniger Schwarz-Weiss-Denken auf, was die LGBTIQ-Freundlichkeit der US-amerikanischen Politlandschaft angeht. «Nicht alle Republikaner teilen die gleichen Ansichten, dasselbe gilt auch für die Demokraten», sagt der Botschafter. «Ich habe keine Freund*innen, die nicht an die rechtliche Gleichstellung von LGBTIQ-Menschen glauben.»

Für den Vizepräsidenten Mike Pence hat McMullen nur gute Worte übrig. «Ich habe Mike Pence in den späten Achtzigerjahren als christlichen Mann mit einem grossen Respekt für andere Menschen kennen gelernt», sagt er. «Er wird oft von Organisationen mit politischen Absichten untergraben. Sie kennen den Mann nicht. Er ist ein guter Mensch voller Barmherzigkeit.»

US-Botschafter Edward McMullen ist seit den Achtzigerjahren mit Donald Trump befreundet und leitete seinen Wahlkampf in South Carolina. (Bild: Elizabeth Sher)

Im März 2018 ordnete Trump in einer Verfügung den Ausschluss von trans Personen aus dem US-Militär an. Liegen dem Präsidenten die Rechte von Schwulen, Lesben und Bisexuellen am Herzen, nicht aber diejenigen von trans Menschen? Der Botschafter möchte sich zu dieser Frage nicht äussern. «Darüber muss die Administration Auskunft geben», sagt er. «Ich bin der Botschafter für die Schweiz und Liechtenstein und habe in meiner Tätigkeit nicht mit dieser Angelegenheit zu tun. Daher kann ich hier keine Erkenntnisse liefern.» Nach dem Interview lieferte der Botschafter noch ein Statement nach: «Der Präsident hat klar gemacht, dass er die Rechte aller Amerikaner, einschliesslich der LGBTIQ-­Gemeinschaft, schützen will. Er unterstützt und respektiert LGBTIQ-Rechte weiterhin.»

Es wird klar: McMullen ist als Botschafter unterwegs, um den Präsidenten und dessen Administration zu repräsentieren. So offiziell die Einladung zum Dinner in der Residenz des Botschafters auch war, so demonstriert sie in erster Linie ein persönliches Bekenntnis McMullens zu LGBTIQ-Anliegen. Der Botschafter gibt sich bescheiden: «US-Botschaften auf der ganzen Welt haben ähnliche Events durchgeführt. Ich will die Community bloss wissen lassen, dass die US-Botschaft jeden einzelnen und jede einzelne der Community respektiert und mit ihnen den Pridemonat feiern möchte.»

Mehr zum Thema: Trump-Regierung will Trans-Menschen abschaffen.

Stark verankerte Vorgängerin
McMullen muss in Bern bezüglich LGBTIQ-­Themen in grosse Fussstapfen treten. Seine Vorgängerin Suzy LeVine pflegte einen guten Draht zur Community. Sie lief an der Zurich Pride in der ersten Reihe mit und forderte in einer Rede lautstark die Gleichstellung von LGBTIQ-Menschen. Sie unterstützte diverse Organisationen, etwa der Verein für LGBTIQ-­Polizist*innen, PinkCop, und organisierte 2015 ein dreiwöchiges Austauschprogramm für Expert*innen aus dem LGBTIQ-Bereich in den USA, darunter einen Journalisten der Mannschaft.

«Im Vergleich zu Suzy LeVine steht ihm eine schwierige Aufgabe bevor», sagt Henry Hohmann zur Mannschaft. «Wobei ich mich nicht erinnern kann, dass sie jemals zu einem Dinner mit LGBTIQ-Vertreter*innen in die Residenz geladen hat.» LeVine habe aktiv bei verschiedenen Projekten mitgewirkt und sei immer raus in die Community gegangen.

Sein Wissen und seine persönliche Meinung über LGBTIQ-Bedürfnisse sowie seine Offenheit haben mich sehr positiv überrascht.

Jazzmin Dian Moore sass während dem Dinner neben McMullen und habe mit ihm viele Gespräche führen können. «Sein Wissen und seine persönliche Meinung über LGBTIQ-Bedürfnisse sowie seine Offenheit haben mich sehr positiv überrascht», sagt sie. «Sie decken sich nicht mit den Äusserungen des Weissen Hauses.»

Am Dinner hätte Henry Hohmann viele Themen anschneiden wollen, darunter den Ausschluss von trans Personen aus dem US-Militär oder die hohe Zahl von Morddelikten an trans Frauen in den USA. Der Empfang schien ihm aber nicht der geeignete Ort dafür. «Ich sehe das Dinner als seinen persönlichen Beitrag und als Zeichen, dass es ihm ein Bedürfnis war, an den guten Kontakt anzuschliessen, den seine Vorgängerin pflegte», sagt er. «Richtig gut fände ich es, wenn der Botschafter nächstes Jahr an der Pride mitmarschiern würde.»

Für einen Besuch an der Zurich Pride 2019 ist Botschafter McMullen zu haben, vorausgesetzt sein voller Terminkalender lässt es zu. «Steht denn schon ein Datum fest?», will er wissen. «Please send me an invitation!»

Der vollständige Artikel über das Dinner in der US-amerikanischen Botschaft erschien in der Oktober-Ausgabe von Mannschaft Magazin. Hier gehts zum Abo Schweiz und Deutschland.

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