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HIV und Aids – die Uhr tickt weiter

Religiöse, kulturelle und politische Hürden verhindern wirkungsvolle Programme. Menschen mit HIV werden geächtet, verfolgt, erhalten keine Behandlung.

Weltweit haben sich 2017 1,8 Millionen Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert. Fast eine Million Menschen sind an Aids gestorben. In Russland sterben jeden Tag 80 Menschen an Aids, knapp ein Prozent der Bevölkerung ist mit dem Virus infiziert. Und es werden immer mehr. Genauso wie in Ägypten, Marokko, Algerien, im Iran und Sudan. Betroffene erhalten keinen Zugang zu Medikamenten und werden als Kriminelle behandelt, von der Gesellschaft ausgeschlossen, Regierungen verhindern Aufklärung und blenden das Thema aus.

von Max Winiger

Eigentlich könnten sich die Verantwortlichen der weltweiten Programme gegen HIV und Aids gratulieren: Im letzten Jahr wurden fünfeinhalb Mal mehr HIV-Infizierte mit Medikamenten behandelt als vor zehn Jahren. Die Zahl der Aids-Todesfälle sank von 2010 bis 2017 um einen Drittel. In den meisten Ländern sinkt die Zahl der Neuinfektionen. Vor allem in Ost- und Südafrika – hier leben mehr als die Hälfte aller weltweit HIV-positiven Menschen – konnte die Zahl der Neuinfektionen seit 2010 um einen Drittel gesenkt werden. Die Zahl der Aids-Toten sank um 42 Prozent. Und dennoch können die gesteckten Ziele nicht erreicht werden:

  • Es wird nicht gelingen, bis 2020 die Zahl der Neuinfektionen und der Todesfälle auf je eine halbe Million zu reduzieren
  • Das UNAIDS-Ziel, die Neu-Infektionen bei Kindern noch in diesem Jahr auf null zu bringen, ist vollends Illusion: 2017 haben sich 180’000 Kinder mit dem Virus infiziert. Weltweit gibt es rund drei Millionen HIV-infizierte Kinder. Allein im letzten Jahr starben gemäss UNICEF 130’000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren an Aids.

Bemühungen der letzten zehn Jahre scheitern

Man könnte nun sagen, dass es eben ein bisschen länger geht, bis HIV und Aids ausgemerzt sind. Aber das ist Augenwischerei. Denn es tickt eine gefährliche Uhr: wenn die Entwicklung in Osteuropa und Zentralasien, im Nahen Osten und in Nordafrika nicht gestoppt werden kann, drohen die Bemühungen der letzten zehn Jahre zu scheitern. Aids wird sich wieder stärker verbreiten. Nicht nur werden Dutzende von Milliarden an Geldern für Informationskampagnen und Therapieprogramme verpuffen. Es werden auch enorme Kosten für die Behandlung anfallen, denn nach wie vor ist HIV nicht heilbar.

Kein Gemüse vom Ladenbesitzer mit HIV

Dank moderner Therapien kann das Virus im menschlichen Körper in Schach gehalten werden, es ist nicht mehr übertragbar. HIV-positive Menschen können heute weitgehend normal leben. Aber es braucht Aufklärung, die Stigmatisierung Betroffener muss weiter bekämpft werden. Selbst bei uns wissen noch immer viele Menschen nicht, dass HIV heute nicht mehr ansteckend ist, sofern eine infizierte Person richtig therapiert wird. Auch bei uns werden noch immer Menschen mit HIV ausgeschlossen. Das Misstrauen ist noch immer spürbar. Kommen dann noch religiöse, kulturelle und politische Ächtung dazu, haben Menschen mit HIV keine Chance mehr. In Ägypten beispielsweise würden 80 Prozent der befragten Frauen kein Gemüse kaufen von einem Ladenbesitzer mit HIV.

Trump will Emergency Plan-Budget kürzen

Selbst in unserer westlichen, hochentwickelten und aufgeklärten Welt werden die bisherigen Bemühungen in Frage gestellt: die Trump-Administration will das Jahresbudget des «President’s Emergency Plan for AIDS Relief» (Pepfar) um fast ein Viertel kürzen. Eine Milliarde US-Dollar sollen eingespart werden. Das Programm wurde vom ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush lanciert und hat massgeblich zum bisherigen Erfolg bei der Aids-Bekämpfung in Afrika beigetragen. Immerhin: bis heute haben Kongress und Senat den Kürzungsversuch von US-Präsident Trump abgelehnt.

Gemeinsam gegen Stigmatisierung

Mit der Website www.embrace-life.ch leistet das Pharmaunternehmen Gilead einen Beitrag und will die Information und Aufklärung rund um das Thema HIV und Aids unterstützen. Denn noch immer ist die HIV-Infektion eine chronische Erkrankung. Betroffene Menschen leben mit ihrer Krankheit, setzen sich jeden Tag damit auseinander. Sie haben ein Recht darauf, in die Gesellschaft integriert zu sein.

Weitere Informationen über die Kampagne von Gilead finden Sie hier.

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