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Studie zu Hassverbrechen gegen LGBTIQ in Sachsen geplant

Laut offizieller Statistik sind die Fälle von anti-queerer Kriminalität gering – kann das sein?

LGBTIQ in Sachsen
Martin Wunderlich, Fachstelle LAG Queeres Netzwerk Sachsen (Foto: Screenshot)

Jedes deutsche Bundesland entscheidet selbst, wie es die Vorgabe für die Erfassung von Hassverbrechen umsetzt – und wie genau Gewalt gegen LGBTIQ statistisch erfasst wird. Sachsen hat da Nachholbedarf.

Homophobie ist im Freistaat Sachsen weit verbreitet. Laut jährlich erstelltem „Sachsen-Monitor“ fand dort im Jahr 2017 jeder Dritte: „Eine sexuelle Beziehung zwischen Personen des selben Geschlechts ist unnatürlich“ – vier Prozent mehr als im Vorjahr. Aber was weiß man über  vorurteilsmotivierte Kriminalität gegen LGBTIQ-Menschen in Sachsen?

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Beispiel: Anfang 2018 wurden bei der Chemnitzer LGBTIQ-Anlaufstelle die Scheiben eingeschlagen

Das genaue Ausmaß wurde bisher nicht erforscht. Zwar werden im “Landesaktionsplan Vielfalt” der sächsischen Staatsregierung Straftaten, die zur Hasskriminalität gegenüber LGBTIQ gehören,  erfasst. Dazu gibt es eine Vorgabe des Kriminalpolizeilichen Meldedienst in Fällen politisch motivierter Kriminalität (KPMD-PMK). Jedes Bundesland entscheidet selbst, wie es die Vorgabe für die Erfassung von Hassverbrechen umsetzt – und wie genau Gewalt gegen LGBTIQ statistisch erfasst wird.

Anti-queere Straftaten im einstelligen Bereich
Wie die Fachstelle LAG Queeres Netzwerk Sachsen mitteilt, wies die KPMD-PMK-Statistik für Sachsen unter der Kategorie „sexuelle Orientierung“ 2 Straftaten im Jahr 2013 aus (Hasskriminalität insgesamt: 270), 4 Straftaten im Jahr 2014 (Hasskriminalität insgesamt: 430) und 14 Straftaten im Jahr 2015 (Hasskriminalität insgesamt: 1.166). Neuere Zahlen gibt laut Pressesprecher Martin Wunderlich seitdem nicht.

Das soll sich nun ändern: Gemeinsam mit dem Verein „Soziale Projekte in den neuen Bundesländern“ (SoPro) und der Hochschule Mittweida will die LAG Queeres Netzwerk Sachsen die erste wissenschaftliche Studie zu Gewalterfahrungen von LGBTIQ in Sachsen durchführen. Mit Hilfe dieser Daten können Betroffene besser unterstützt und geschützt werden.

Um dieses Vorhaben realisieren zu können hat der Dachverband der Interessenvertretungen von  LGBTIQ in Sachsen eine Crowdfunding Kampagne gestartet. Vom Fundingziel 6.500 Euro ist man derzeit noch weit entfernt. Bis zum 15. November 2018 kann man das Projekt unterstützen.

Projektlink: https://www.startnext.com/hasskriminalitaet-in-sachsen

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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