in

Zu Besuch in Paris: Queere Jugendliche auf LGBTIQ-Spuren

Paris ist die Stadt der Liebe. Aber gilt das auch für LGBTIQ-Jugendliche? Das queere Kölner YouTube-Projekt anyway.tv ist dieser Frage nachgegangen und hat eine zweiseitige Antwort gefunden. „Queere Menschen sind in Paris sehr sichtbar. Dennoch ist der Rechtsruck in Frankreich spürbar. Und gerade für Jugendliche fehlt es an Unterstützung“, sagt Léon (18) von anyway.tv.

Er und andere Jugendliche haben fünf Tage lang in Paris recherchiert, Interviews geführt und gedreht. Herausgekommen ist eine Sendung, die einen Blick in das queere Viertel Marais wirft, schwule Küsse vorm Eiffelturm testet und dem einzigen LGBTIQ-Jugendtreff einen Besuch abstattet.

Mehr als 12,5 Millionen Menschen leben im Großraum Paris. Ein queerer Jugendtreff mit Sozialarbeitern, wie er mittlerweile in vielen Großstädten Deutschlands zu finden ist, fehle allerdings, wie die Jungfilmer feststellten. „MAG Jeunes LGBT“ heißt die einzige queere Jugendgruppe in Paris. Sie werde ehrenamtlich geleitet, berichtet das anyway.tv-Team. Obwohl MAG schon seit 33 Jahren existiert, verfüge der Treff nur über ein kleines Ladenlokal in verbesserungswürdigem Zustand, das kaum mehr als 20 Personen fasse.

Eigentlich bräuchte es bei einer so großen potenziellen Zahl queerer Jugendlicher viel mehr Angebote

„Ich fand es erschreckend, dass eine so große und reiche Stadt hier nicht mehr tut“, sagt Nachwuchsreporter Finn. „Eigentlich bräuchte es bei einer so großen potenziellen Zahl queerer Jugendlicher viel mehr Angebote – und das nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in der Vorstadt.“ Dort nämlich sei ein Coming-out oft noch schwerer: Einerseits weil es mancherorts besonders elitär und konservativ sei, andererseits weil einige Vororte stark durch weniger liberale kulturelle Einflüsse geprägt seien.

Wer dem entfliehen will, den zieht es ins Marais. Das jüdische geprägte Viertel zwischen Rathaus und Centre Pompidou ist für seine kleinen Boutiquen, Bars, Cafés und queeren Diskos bekannt. „Man kann es mit dem Nollendorfplatz in Berlin oder der Schafenstraße in Köln vergleichen“, sagt Max von anyway.tv. „Sehen und gesehen werden, flirten und gemeinsam feiern – das ist dort möglich. Nur an Bars für lesbische und bisexuelle Frauen mangelt es.“ Die Bar „La Mutinerie“ 5 Minuten vom Marais entfernt, sei eine der wenigen, die sich an ein queeres, weibliches Publikum richtet.

Australien will Diskriminierung queerer Schüler verbieten

«Plaire, aimer et courir vite» kommt in die Schweizer Kinos!