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Hedwig von … wer? – Bus der «Demo für alle» ignorieren!

Seit Samstag tourt er wieder, der „Bus der Meinungsfreiheit“ der erzkonservativ bis homophob ausgerichteten Demo für alle. „Bus der Stimmungsmache“ wäre das passendere Wort, denn die Organisatoren polemisieren gegen Vielfalt und Aufklärung im Unterricht. Lehrpläne mit dem Ziel, Homophobie abzubauen und eine offene, respektvolle Gesellschaft zu schaffen, werden von Hedwig von Beverfoerde und den evangelikalen Christen um sie herum als „übergriffiger Sex-Unterricht“ verleumdet.

Es gehe im Kern darum, die „natürlichen Schamgrenzen der Kinder und Jugendlichen zu überwinden und zu durchbrechen“, heißt es auf dem demofueralle.blog. Mit solchen Argumenten ist man ganz auf Linie der AfD, die immer wieder gegen „Frühsexualisierung“ hetzt.

In acht Städte will man diesmal einfallen. Den Anfang macht Regensburg am Samstag. Dort hat sich am Mittag auch Gloria von Thurn und Taxis gezeigt, die auf Seiten der „Demo für alle“ ist. Auch eine Gegendemonstration wurde dort organisiert. Da nähmen aber keine Regensburger teil, sagte die 58-Jährige gegenüber der Zeitung Mittelbayerische.

Am Sonntag zieht der Bus weiter nach Dresden. Die Abschlusskundgebung der Rundreise ist am Samstag, den 15. September in München geplant.

Religiös doktrinär eingefärbter Unsinn, dessen Befürworter an den Grundlagen unserer Demokratie genauso wenig Interesse haben, wie an der Gleichberechtigung aller Menschen

Auch Berlin will man ansteuern. Die LGBTIQ-Akitivisten von Enough is Enough rufen zur Gelassenheit auf. Die Vielfalt-Gegner „versuchen, ihre Homophobie, Transphobie und generelle Menschenfeindlichkeit unter das, wahrscheinlich wie immer wenig interessierte, hauptstädtische Volk zu bringen“, heißt es in ihrem Appell. Das klappe immer dann besonders gut, wenn man ihnen dabei Aufmerksamkeit schenkt. In Form von Gegenprotesten zum Beispiel, die dann wieder Medien anzögen, die die Protestler*innen fotografieren und filmen. „Und gleich danach die Thesen der Fundamentalchristen verbreiten, weil sie ja erklären müssen, wogegen da überhaupt protestiert wird. Gegen nichts, was die allergrößte Mehrheit der Deutschen nicht als das erkennen würde, was es ist: religiös doktrinär eingefärbter Unsinn, dessen Befürworter an den Grundlagen unserer Demokratie genauso wenig Interesse haben, wie an der Gleichberechtigung aller Menschen, der Gleichstellung der Frau oder den Naturgesetzen.“

Da man kein Interesse daran habe, dass diese kruden „Gedanken“ ständig medial multipliziert werden, wolle man es dieses Mal dadurch verhindern, indem wir das mediale Spiel von Aufmerksamkeit durch Gegenaufmerksamkeit einfach nicht mehr mitspielen. Frei nach dem Motto: Stop making stupid (oder jedenfalls: hateful) people famous!

„Frau Beverfoerde wird gegen die Nachmittagszeit mit drei Dutzend tiefreligiösen Fortschrittsfeinden in der Mitte von Berlin herumstehen und dabei erbärmlich aussehen. Und wir lassen sie einfach!“, empfehlen Enough is Enough.

Die meisten Kinder seien um diese Zeit ohnehin noch in Kindergärten, Krippen oder Schulen und müssten vor Beverfoerde und ihrer „Demo für Alle“ also nicht direkt geschützt werden. Die meisten Erwachsenen müssten arbeiten. „Die potentielle Angriffsfläche auf die Gehirne der Berliner*innen durch den Unsinn, den Beverfoerde mündlich und schriftlich in die Welt bläst, ist also absolut gering“, schreiben die Aktivisten.

An die Hauptstadt-Medien, die über den „Stuss-Bus“ (O-Ton Enough is Enough) berichten wollen, richten sie die Frage: „Warum genau ist das eure Sendezeit, eure Spalten eure Nachrichtenminuten wert? Stellt euch vor: Es ist Schwachsinn, und keiner geht hin. Warum ist das eine Nachricht? Was passiert eigentlich, wenn man diejenigen, die auf eure Aufregung zählen, um sich medial multiplizieren und so viel größer machen zu lassen, als sie eigentlich sind, einfach nicht beachtet? Nichts. Wäre das nicht schön?“

Stattdessen fordernt sie auf, darüber zu berichten, dass die Schüler*innen in Berlin mit den neuen Bildungsplänen hervorragend über geschlechtliche Vielfalt und sexuelle Orientierung aufgeklärt werden, und dass „auch in Kindergärten hervorragende Arbeit zum Thema Sensibilisierung für Vielfalt“ geleistet werde.

Darum rufe man alle Berliner*innen, Organisationen, Initiativen und Verbände auf, sich unserer Nicht-Präsenz anzuschließen und am 10. September dem Hass-Bus in der Hauptstadt keine Aufmerksamkeit durch Gegenproteste zu schenken.

Man kann es auch als eine Art Schonung von Ressourcen betrachten. Es werden andere, größere Kämpfe kommen, die die Community kämpfen muss.

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