in

«Schwule Bauern wollen nicht unbedingt ins Fernsehen»

Marco, bald beginnt die neue Staffel «Bauer, ledig, sucht …». Worauf dürfen wir uns dieses Jahr besonders freuen?
Das müsste man eigentlich die langjährigen Zuschauer*innen fragen, auf was sich sich denn immer wieder aufs Neue freuen? Ein Grund zum Einschalten ist für mich sicherlich unser 200. Bauer, der mit seinen 80 Lenzen auch der älteste Bauer auf der Suche nach der grossen Liebe ist, den wir je hatten. Martin ist ein passionierter Jäger und mit seinem Nidwaldner Dialekt ein einmaliger Charakter.

Die Sendung feiert dieses Jahr ihr 10-jähriges Bestehen. Was macht «Bauer, ledig, sucht …» so erfolgreich?
Das Format bringt mit den schönen Bildern eine gehörige Portion Nostalgie und heile Welt mit, wonach sich anscheinend nicht wenige sehnen. Mit den Irrungen und Wirrungen der Suche nach der grossen Liebe verfügt «Bauer, ledig, sucht …» aber auch über dramatische Elemente. Die Sendung ist quasi der Fortsetzungsroman am Fernsehen, bei dem man die Entwicklung des Helden oder Antihelden Woche für Woche mitverfolgen kann.

Hat sich die Suche nach Hofdamen/Hofherren mit der Langlebigkeit dieser Serie erschwert?
Die Bauern gehen uns nicht aus! Glücklicherweise sind unsere Paare der letzten zehn Jahre eine gute Werbung. Es kommt auch vor, dass es ehemalige Teilnehmende sind, die ihre Freund*innen zum Mitmachen überzeugen. Ich möchte nicht von einem Schneeballsystem reden – das hat ja eine negative Konnotation – aber so etwas in der Art gibt es schon.
Manchmal habe ich aber den Eindruck, dass die guten Hofdamen allmählich schwerer zu finden sind. Wir wollen ja, dass eine Frau sich meldet, weil sie sich wirklich für den Bauern interessiert und nicht einfach nur ins Fernsehen will.

Du sprichst es an: Aus der Sendung sind bereits 17 Hochzeiten, 11 Verlobungen und 23 Babys hervorgegangen – eine deutlich bessere Bilanz als beim Bachelor. Warum funktionierts bei euch?
Weil bei uns alle einen Master haben (lacht). Sorry, schlechter Witz. Der Bachelor ist ein Fun-Format, bei dem alle neben der Fernseherfahrung und dem Abenteuer auch zünftig Spass haben wollen. Das gab es bei uns auch schon bei den wirklich jungen Bauern, die jetzt nicht wirklich verzweifelt sind, weil sie noch nicht die Richtige gefunden haben. Aber allen anderen geht es wirklich um das Ziel, die richtige Partnerin, oder bei unseren Bäuerinnen den richtigen Partner, zu finden. Abgesehen davon gibt es auch rein rechnerisch eine Erklärung: Natürlich haben wir einfach viel mehr Bäuerinnen und Bauern pro Staffel.

marco fritsche
Marco: «Die Menschen in der Sendung nehmen die Suche nach der Liebe ernst.» (Bild: Njazi Nivokazi)

Dieses Jahr sind mit Sylvia und Pia auch zwei Bäuerinnen dabei. Sind alleinstehende Bäuerinnen eher eine Seltenheit als alleinstehende Bauern?
Es gibt schon mehr ledige Bauern als Bäuerinnen, definitiv. Aber wenn, dann sind es eben auch Macherinnen und keine «Huschelis» – das mögen ja nicht alle Männer, wie mir schon gesagt super. Ich finde das super und habe es auch immer gut mit «meinen» Frauen.

Hast du bei den Bäuerinnen einen Unterschied zu den Bauern bemerkt, etwa in der Art und Weise, wie sie ihren Hofherren empfangen?
Das ist wie bei den Männern auch eine Charaktersache. Aber Bäuerinnen wissen immer sehr genau, was sie sicher nicht wollen oder brauchen. Das habe ich gemeint mit «sie sind keine Huschelis.» Bei den Männern hatten wir durchaus schon «Huschelis» – aber da redet man wohl eher von «Knuschtis».

Es ist schon eine Weile her, dass ein schwuler Bauer bei der Sendung war. Gibt es einfach zu wenige oder scheuen sie das Rampenlicht?
Ich glaube es ist eine Kombination. Es gibt nicht viele schwule Bauern und die wollen dann auch nicht unbedingt ins Fernsehen. Das verstehe und respektiere ich.

Du selbst wohnst auf dem Land und pendelst in die Stadt. Möchtest du manchmal nicht einfach die Hektik der Stadt hinschmeissen und nur noch auf dem Land leben?
Ich lebe vor allem auf dem Land. Ausser du siehst Appenzell als urbanen Hotspot der Schweiz (lacht). Arbeitender Weise bin ich viel unterwegs, das stimmt. Und eine Nacht pro Woche schlafe ich fast immer bei meinem Mann in Zürich. Aber am Wochenende sind wir fast immer in Appenzell. Ich bin sowieso immer «deheem», wann immer ich mehr als einen Tag frei oder Vorbereitungszeit habe.

Vierzehn Staffeln «Bauer, ledig, sucht …»: Was motiviert dich nach all den Jahren, weiterhin den Verkuppler zu spielen?
Es ist halt schon immer wieder spannend, die neuen Bäuerinnen und Bauern kennen zu lernen und zu erfahren, weshalb sie immer noch auf der Suche nach der grossen Liebe sind. Auch nach zehn Jahren freue ich mich immer wieder auf die vielen Menschen vom Drehteam, mit denen man sich über die Jahre angefreundet hat. Es ist ja nicht so, dass ich mit der «GoPro» auf dem Kopf bei den Bauern zu Besuch bin. Da ist schon immer ein Team dabei, wenn auch immer ein kleines. Schliesslich habe ich meine Hütte im Appenzell noch nicht abbezahlt, aber es «besseret» (lacht).

Die vierzehnte Staffel von «Bauer, ledig, sucht …» beginnt am 12. Juli um 20:15 Uhr auf 3+.

Deutschland erklärt schwulen Flüchtling für unglaubwürdig

Ein echter Macho