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Homosexuelle Arbeitsgruppen: Mit neuem Namen zu mehr Inklusion

Die Bezeichnung «Homosexuelle Arbeitsgruppen» hat ausgedient. In Basel und Zürich haben die Vereine ihren Auftritt entsprechend angepasst, in Bern wird darüber nachgedacht.

Die Community wächst. Anders als in vergangenen Jahrzehnten spricht man nicht mehr nur von Schwulen und Lesben, sondern auch von trans Menschen, Bisexuellen und Intersexuellen. In den letzten Jahren haben zudem asexuelle, nicht-binäre und genderfluide Personen an Sichtbarkeit zugelegt. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, haben die Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel (habs) im März 2017 eine Namensänderung beschlossen. Neu heissen sie «habs queer basel».

Das «Denken geöffnet»
«Seit der Gründung vor mehr als 45 Jahren haben wir erkannt, dass die Menschen vielfältiger sind, als Modelle es vorgeben», sagt Thomas Huber von habs queer basel. «Die Geschlechtlichkeit ist nicht einfach binär und das Begehren nicht einfach hetero- oder homosexuell. Wir haben unser Denken geöffnet.»

Die Community sieht heute ganz anders aus, als das noch in der Gründungszeit der Arbeitsgruppen der Fall war. Weibliche Mitglieder waren eher selten und man beschäftigte sich vordergründig mit dem Finden der schwulen Identität. Viele Mitglieder der ersten Stunde hatten sich bereits in den Sechzigerjahren engagiert, unter anderem in Bürgerrechtsbewegungen sowie in Antikriegs-, Student*innen- oder feministischen Gruppen. Bürgerliche Werte und Lebensformen wie Patriarchat, Ehe, Familie und Religion wurden in Frage gestellt, wenn nicht entschieden abgelehnt. Im Gegensatz zur heutigen Forderung nach der Öffnung der Ehe kam zu jener Zeit eine staatliche Anerkennung von schwulen Lebensgemeinschaften und damit eine Annäherung an heterosexuelle Lebensformen nicht in Frage.

Trotzdem wurde 1987 die habs-Arbeitsgruppe «Initiative schwule Ehe» gegründet. «Wohl zum Teil auch aus Trotz», so Huber, «denn dem Anliegen schlug aus der restlichen Schweiz Widerstand entgegen.» Anderschume/Kontiki, die damals führende Schwulen­zeitschrift in der Deutschschweiz, habe sogar ein privat bezahltes Inserat abgelehnt, das die Initiative einer Ehe für Homo­sexuelle vorstellen wollte.

In den Achtzigerjahren rückte gemäss Huber erstmals die Vielfalt ins Bewusstsein der Homo-­Emanzipationsbewegung. Er spricht von einer «trans-Befreiung und Gender-Emanzipations-­Be­we­gung», zu deren Urheber*innen Feministinnen, trans Menschen und auch Schwule zählen.
In Anbetracht dieser Vielfalt will der Verein heute eine Politik betreiben, die für bessere Rechte und gesellschaftliche Anerkennung der Menschen aus dem Spektrum «queer» einsteht. «Denn es wäre verantwortungslos, nicht für unsere Rechte zu kämpfen», so Huber.

Die Arbeit ist «buchstaben­übergreifend»
In Zürich beschloss die HAZ an der ausserordentlichen GV im November 2017 nicht eine offizielle Namensänderung, sondern einen neuen Claim, der mit der Veröffentlichung der neuen Website einherging. Zugunsten von «HAZ – Queer Zürich» wurde die Ausschreibung «Homosexuelle Arbeitsgruppen» fallen gelassen, da «die Bezeichnung unsere Arbeit nicht repräsentiert», so Geschäftsführer Hannes Rudolph. «Wir haben Angebote, Gruppen und Mitglieder in den Bereichen bi und trans. Wir haben Gruppen, die buchstabenübergreifend arbeiten.» Zudem werde das Wort «homosexuell» noch oft als ausschliesslich «schwul» interpretiert. «Queer Zürich signalisiert die Vielfalt und die Zielgruppen, die in den HAZ vorhanden sind.»

Zieht Bern nach?
In Bern ist man bei einer Namensänderung noch nicht angekommen, denke aber «tatsächlich darüber nach», wie Daniel R. Frey von den Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern (HAB) gegenüber der Mannschaft verrät. Überhaupt sind die Berner*innen dieser Tage mit einer Neuorganisation des Vorstands, der Vereinsstruktur und des -angebots beschäftigt.

Nach einer Kürzung öffentlicher Gelder hat die HAB im letzten Jahr ihr Angebot anpassen müssen. Zugunsten der Stelle ihres Psychologen wurde die monatlich erscheinende «gayAgenda» Anfang 2017 eingestellt. «Zusammen mit der Aids-Hilfe Bern und der Insel sind die HAB Teil der LGBT+Helpline und des Checkpoint Bern», sagt Frey. «Daher ist die professionelle Aufrechterhaltung der HAB-Beratung sehr wichtig.»

Am 16. Mai stimmten die Mitglieder an der Mitgliederversammlung über die neuen Statuten des Vereins ab und legten so das Grundgerüst für eine Neuausrichtung, darunter eine Entschlackung der Vereinsstrukturen. Für «emotionale Themen», darunter die Namens­änderung, will man sich gemäss der Website der HAB «die nötige Zeit nehmen».

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