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Mazel Toy! Israel gewinnt den ESC

Die israelische Gewinnerin: Netta (Foto: Andres Putting)

Netta’s Song ist eine MeToo-Hymne – trotz oder genau wegen der Hühnertanzbewegungen und Geräusche. Mit den Zeilen wie «I am not your toy, you stupid boy» oder «The Barbie’s got something to say» hat sie das Rampenlicht erobert und die Sorgen vieler Frauen zusammengefasst.

Die Sängerin zeigt auch Flagge in Sachen Körperbild der heutigen Gesellschaft. «Ich feiere mich selbst, egal wie dick oder dünn ich bin, wie mein Haar aussieht, wie meine Stimme ist», sagt sie an der Pressekonferenz im Anschluss an ihren Sieg. «Ich muss einfach mich selbst sein, auf mich selbst hören.» Sie sprach auch über die Art und Weise, wie sie als Ikone für viele marginalisierte Gemeinschaften, insbesondere auch die LGBTIQ-Gemeinschaft, dargestellt wurde. «Die Menschen, die mich die ganze Zeit über aufgebaut und betreut haben, sind Teil dieser Gemeinschaft. Ich bin nichts ohne sie: die Energie, die Stimmung, das Glück. Ich werde für sie für den Rest meines Lebens auftreten.»

Netta sprach auch über die Momente, bevor sie merkte, dass sie gewonnen hatte. «Alles ist ein schwarzer Fleck. Ich erinnere mich an sechs ängstliche Männer, die neben mir sassen. Wir sassen einfach da und schrien und ich fragte mich, was los war.

Die beiden Komponisten, Doron Medalie and Stav Beger, wurden durch die #MeToo-Bewegung inspiriert. Die Botschaft für Netta und ihr Team ist klar: Das Erwachen weiblicher Kraft und sozialer Gerechtigkeit, eingehüllt in eine bunte, fröhliche Stimmung.

Wie wichtig die Botschaft ist, zeigen auch die diskriminiernden und sexistischen Kommentare online. Auch auf dem Mannschaft Facebookprofil äussert sich ein User: «Was für ein scheiss Song und die Alte sieht auch scheisse aus». Doch Netta gackert nicht nur, um uns über die Hühnergeräusche zum Lachen zu bringen, es ist ihre Art den Kritikern und Sexisten zu sagen, sie sollen sich zurückziehen. «Die Hühnergeräusche sollen die Stimmen eines Feiglings imitieren, jemand, der sich nicht korrekt gegenüber dir verhält und dich wie ein Spielzeug behandelt», wie sie der Presse sagt.

Unsportlich zeigten sich die ESC-Fans auch im Halbfinale neben der Bühne. Beim Verlassen der Bühne fällt Netta ein paar Stufen die Treppe herunter – deutlich zu hören die Buhrufe der «Fans». Ob diese Netta oder der laufenden Resultateverkündung geschuldet sind, ist unklar.

Für einen weiteren Schreckensmoment während der Liveshow sorgte übrigens ein Mann. Beim Song der britischen Künstlerin SuRie sprang er auf die Bühne und entriss der Musikerin ihr Mikrofon, bevor er von Sicherheitsleuten von der Bühne gebracht wurde. Die Sängerin hätte den Song am Ende der Show nochmals singen dürfen, verzichtete aber darauf, weil sie «stolz auf meinen ersten Auftritt war».

Doch ungeachtet politischer Weltlage freut sich Netta nun, den ESC wieder nach Israel zu bringen: «Es geht nichts über eine israelische Party, das wirst du nächstes Jahr herausfinden». Und verrät, was sie als erstes tun wird, sobald sie wieder Zuhause angekommen ist: «Hummus!»

In einer ersten Fassung spricht der Artikel davon, wie Netta von den Fans ausgebuht wurde. Diese Angaben waren u.U nicht vollends korrekt. Wir haben die entsprechende Passage angepasst.

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