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Geld für Sex

Ein Sexarbeiter erzählt …

Geld. Darum dreht sich meine ganze Geschichte. In meinem Heimatland hatte ich keine Perspektiven. Keine Möglichkeit, meiner Frau und meinen Kindern ein anständiges Leben zu bieten …

Deshalb kam ich in die Schweiz – alleine – und suchte einen Job. Ich suchte lange. Von den nicht enden wollenden Bestimmungen total überrumpelt und überfordert, dachte ich nach nur wenigen kleinen Hilfsarbeiten resigniert über eine Rückkehr nach. Der Gedanke an meine hoffnungsvoll wartende Familie lähmte mich.

Dies war der Startschuss für einen Job, den ich mir nie hätte vorstellen können.

Eines Tages – ich hatte mir soeben mit meinem letzten Geld etwas zu essen gekauft – erzählte mir ein Freund von einem lukrativen Job. Ohne Fragen zu stellen, fand ich mich plötzlich in einer Bar wieder, umkreist von älteren Herren, deren verstohlene Blicke sich überall auf meinem Körper einbrannten. Bevor ich überhaupt realisieren konnte, was gerade geschehen war, schlurfte ich aus einem Hotel, mit genug Geld in der Tasche, dass auch meine Familie davon profitieren konnte. Dies war der Startschuss für einen Job, den ich mir nie hätte vorstellen können. Ich arbeitete in verschiedenen Etablissements und hatte auch einige Stammkunden. Sex mit mir als Dienstleistung zu verkaufen, schien mir immer mehr der geeignete Weg zu sein, meine Familie zu Hause ernähren zu können.

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Köperliche Gewalt und Zahlungsverweigerung
Bald zeigten sich die Schattenseiten dieses Jobs. Mir wurde bewusst, dass meine Arbeit keinerlei Anerkennung genoss. Natürlich hatte ich mir schon gedacht, dass ich nicht die prestigeträchtigste Arbeit machte, aber etwas Respekt und vielleicht sogar ein bisschen Verständnis hätten auf jeden Fall nicht geschadet. Es kam immer öfter vor, dass mich meine Kunden nicht respektierten. Doch sie bezahlen für den Sex, nicht um mich zu besitzen. Die Konsequenzen bekam ich zu spüren.

Mir fiel es immer schwerer, den Respekt vor den Kunden und – noch gefährlicher – vor mir selber zu bewahren.

Einige Kunden wollten mich schlicht nicht für meine Dienstleistung bezahlen. Doch noch extremer wurde es, als ich nicht nur verbale, sondern auch körperliche Gewalt erfuhr. Dies trieb mich dazu, meine Arbeit und mich selber in einem stetig schlechteren Licht zu sehen. Mir fiel es immer schwerer, den Respekt vor den Kunden und – noch gefährlicher – vor mir selber zu bewahren. Dadurch ging ich auch grössere Risiken ein.

Mit Herrmann wieder die Kontrolle gefunden
An einem Abend lernte ich die Sozialarbeiter von Herrmann kennen. Endlich konnte ich mit jemandem sprechen, der keine Hintergedanken oder Erwartungen an mich hatte. Sie konnten mir wieder aufzeigen, wie wichtig mein Körper ist und dass ich selber entscheiden kann, was ich machen möchte und was nicht. Dadurch wurde mir auch bewusst, wie leichtfertig ich mit meiner Gesundheit umgegangen war. Dank ihnen habe ich eine Arbeitsbewilligung und kann legal arbeiten. Heute habe ich gelernt, mit meinem Job umzugehen. Alles, was ich mir noch wünsche, ist ein bisschen Anerkennung für mich und meinen Beruf, bei dem es eben doch nicht nur um Geld geht.

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Das Projekt Herrmann 
Das Angebot Herrmann der Zürcher Aids-Hilfe und des Checkpoint Zürich richtet sich an Sexarbeiter in Zürich und bietet gesundheitliche und psychosoziale Unterstützung – herrmann-zh.ch

Text: Daniel Hadorn (Leiter Herrmann) in Zusammenarbeit mit einem Sexarbeiter, der gerne anonym bleiben möchte.

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