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Ein Leben, um den Eltern zu dienen

Die 68-jährige Mutter ist taubstumm, der 84-jährige Vater nach zwei Herzinfarkten fast vollständig gelähmt. Die beiden schauen auf ein hartes Leben zurück, geprägt von Armut und Feldarbeit in der zentralchinesischen Provinz Henan, und harren in einer heruntergekommenen Baracke den Winter aus. Ihr Sohn Yao macht in Peking Karriere und schickt monatlich sein ganzes Gehalt nach Hause – abzüglich der Kosten, die er zum Leben braucht. Damit finanziert der jüngste Sohn nicht nur den Ruhestand und die medizinische Betreuung seiner Eltern, sondern unterstützt auch die Familie seines Bruders und seiner Schwester.

Yao macht sich zum chinesischen Neujahrsfest auf den beschwerlichen Weg in die ländliche Provinz. Mit dabei ist der Regisseur Jordan Schiele, der den Besuch des jüngsten Sohnes dokumentarisch festhält. Kein anderes Thema dominiert die Neujahrsfestlichkeiten so sehr wie Yaos Singledasein. Die Eltern wollen den Mittdreissiger verheiratet sehen, und zwar so schnell wie möglich. Sollte nämlich sein Vater sterben, so darf Yao während vier Jahren keine Hochzeit feiern – so will es die Dorftradition. Doch Yao ist schwul und will nicht heiraten. Um die nörgelnde Familie bei der Stange zu halten, organisiert er einen Videoanruf mit einer guten Freundin.

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In eindrücklichen Schwarzweissbildern lässt Regisseur Jordan Schiele zwei Welten aufeinanderprallen: die Trostlosigkeit und Armut der alternden Bevölkerung auf dem Land und die im Wirtschaftsboom der Grossstädte lebende Generation von heute. Aufnahmen im wackligen Handkamera-Stil lassen uns an der Nähe zwischen Eltern und Sohn teilhaben, nur um uns anhand von statischen Aufnahmen wieder an die klaffende Schere zwischen ihren Lebensrealitäten zu erinnern. Mal körnig im düsteren und verschmutzten Elternhauses, mal im grellen Licht der eiskalten Schneelandschaft verschafft uns Schiele einen Einblick in ein für uns im Westen eher schwer nachvollziehbares Familienbild, in dem Ehe, Tradition und Fortbestand der Gemeinschaft über den Bedürfnissen des Individuums stehen.

«The Silk and the Flame» ist im Rahmen der Berlinale noch am 24. Februar um 17 Uhr im CineStar 7 zu sehen und ist im Rennen für einen Teddy Award in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm».

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