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«Ich will weiterhin für eine politische Pride zusammenarbeiten»

Denis Kläfiger (Foto: zvg)

Denis, der Verein «Zurich Pride Festival» will dich an einer ausserordentlichen GV abwählen lassen, weil du nicht die Meinung des Vorstands teilst. Worüber habt ihr euch gestritten?
Ich will vor der Mitgliederversammlung nicht zu sehr ins Detail gehen. Die Kritik, die an der GV im Oktober zu den Vorgängen im Vorstand geäussert wurden, haben sich meines Erachtens bestätigt.
Ich habe versucht, das Ressort Politik zu verteidigen und habe auch einmal auf den Tisch gehauen. Danach wollte der Vorstand nichts mehr mit mir zu tun haben. Sämtliche Gesprächs- und Kompromissangebote stiessen auf taube Ohren. Man wollte mich zum Rücktritt drängen, während ich eine Zusammenarbeit weiterhin anbot. Weil ich von der GV als Ressortverantwortlicher Politik gewählt wurde, will mich der Vorstand von der GV wieder abwählen lassen.

Streitet ihr euch auch über das Ressort Politik?
Ja. Es ging eigentlich nur um das Ressort Politik und dabei auch lediglich um das Thema Motto und Finanzen der Politik.

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An der GV vom Oktober wurde deinem Ressort 10’000 CHF zugesprochen. Was möchte der Vorstand damit machen?
Ich wollte das Geld für Politik investieren, so wie es die GV auch wollte. Im Vorstand kam plötzlich die Diskussion auf, dieses Geld für eine zweite Bühne zu verwenden. Da musste ich klar und deutlich werden.

[perfectpullquote align="full" bordertop="false" cite="" link="" color="" class="" size=""]«Ich wollte das Geld für Politik investieren, so wie es die GV auch wollte. Im Vorstand kam plötzlich die Diskussion auf, dieses Geld für eine zweite Bühne zu verwenden.» [/perfectpullquote]

sprach davon, im Vorstand unter Druck gesetzt worden zu sein. Wird im Vorstand gemobbt?
Ja. Die Mechanismen erinnern mich tatsächlich an Mobbing. Ich möchte vor der GV aber nicht zu sehr ins Detail gehen.

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Was läuft deiner Meinung nach beim Vorstand schief?
Es gibt eine starke Bevorzugung der Vorstandsmitglieder, die für das Ressort Festival zuständig sind. Sie besetzen Ämter mit Verbündeten, die nicht von der GV bestätigt wurden, und wollen so Abstimmungen durchdrücken. Ich habe die Kritikfähigkeit vermisst.
Klar, ich habe mich am Schluss auch im Ton vergriffen – das habe ich aber eingeräumt und kann in der Zusammenarbeit passieren. Dem gegenüber wurde ich abgekanzelt, als ich an die geäusserte Kritik der letzten GV erinnerte. Die Kritik wurde nicht ernst genommen und im Gegenteil als unwahre «schmutzige Wäsche waschen» heruntergespielt.

Du hast mir am Telefon erzählt, dass ein OK-Mitglied dich noch vor deiner Wahl angesprochen und gefragt hat, ob du das Motto «Ending HIV» befürworten würdest. Wollte der Verein dich nur unterstützen, wenn du das Motto annehmen würdest?
Auch da möchte ich jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen. Aber ja, kurz vor meiner Bewerbung gab es Versuche aus dem Ressort Festival – sie wollten, dass ich mein Motto «Now or Never» für das Motto «Ending HIV» fallen lasse. Ich habe damals gesagt, dass ich mir die Details genauer anschauen werde. Als ich dann mehr Details dazu erfuhr, vor allem, dass Geld und eine Firma involviert ist, habe ich mich an der GV dagegen ausgesprochen. Das wurde nicht goutiert, obwohl die GV das auch so gesehen hat.

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Warum trittst du nich[/[/perfectpullquote]trong>
Weil ich durch die Mitgliederversammlung gewählt wurde, nach wie vor die Politik der Pride stärken will und diesen Umgang nicht in Ordnung finde – auch ich mache Fehler und bin hitzköpfig, wenn mir etwas am Herzen liegt. Innerhalb des Vorstandes kam das ein Mal vor, wofür ich mich entschuldigte. Aber ich kann zu Fehlern stehen, wollte weiterhin zusammen arbeiten, zu Gunsten der Pride. Wenn die GV findet, ich sei die falsche Person, dann respektiere ich das. Aber ich biete weiterhin die Zusammenarbeit für eine politische Pride an!

Wenn es nach dir ginge: Wie soll die ausserordentliche GV vom 19. Januar ausgehen, wie siehst du die weitere Zusammenarbeit mit dem Vorstand?
Ich hoffe, dass der Vorstand an der GV erkennt, dass die Politik an der Pride wichtig ist und ein Politikverwantwortlicher genauso dazu gehört, wie die Unterhaltung am Festival. In jedem Vorstand gehören Auseinandersetzungen dazu. Ich bin nach wie vor bereit, zusammenzuarbeiten und eine gemeinsame Lösung für eine starke, politische Pride zu finden. Wenn es nach mir ginge, wäre diese ausserordentliche GV gar nicht nötig geworden.

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