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Wieland Speck: «Hollywood interessiert uns nicht so sehr»

Der langjährige Leiter der Sektion Panorama, Wieland Speck, über seine Nachfolger, die Diskussion ums Kosslick-Erbe und warum „Weekend“ nie bei der Berlinale lief.

Aus der Sektion Panorama in der Berlinale ist einst der Teddy Award hervorgegangen: Die Idee setzte ab 1987 der damalige Leiter der Sektion Manfred Salzgeber gemeinsam mit seinem späteren Nachfolger Wieland Speck in die Tat um. Nun gibt’s eine erneute Zäsur: Speck hat im Sommer die Leitung an Paz Lázaro, Michael Stütz und Andreas Struck abgegeben. Ein Abschied von der Berlinale ist das aber nicht. Seit 1992 ist er im Auswahlgremium für den Wettbewerb der Berlinale und das bleibt so.

Wieland, Deine Nachfolge ist geregelt. Die von Berlinale-Chef Dieter Kosslick steht als nächstes an, dessen Vertrag im April 2019 ausläuft.
Und die Diskussion um seine Nachfolge läuft ja schon. Da zerreißen sich Leute das Maul über Dinge, von denen sie wirklich keine Ahnung haben. Dass das ein sehr komplexer weltweiter Betrieb ist, sieht man aus der deutschen Perspektive nicht so. Da hoffe ich nur, dass es sich verfestigt, dass man dann echte Filmpersonen an der Spitze hat, die sich auch international auskennen und nicht erst mit learning by doing anfangen, was peinlich wäre.

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Wir sind ein riesiger Werkzeugkasten für die gesamte Industrie

Was ist Deine Vorstellung von einem Berlinale-Chef oder einer Chefin. Was muss man mitbringen, außer dass er oder sie für Film brennt?
Wichtig ist nicht nur, dass jemand für Film brennt – da laufen viele brennende Leute durch die Gegend, die das nicht schaffen würden. Man muss auch nicht für Film brennen: Man muss kapieren, wie Festivals funktionieren und was die verschiedenen Funktionen von Festivals sind. Wir sind ein riesiger Werkzeugkasten für die gesamte Industrie. Bis auf die ganz fette Hollywoodindustrie, die uns nicht so interessiert, weil wir alternativ ausgerichtet sind, nicht auf der Seite des Mainstream stehen. Das steckt immer noch im Herzen der Berlinale, auch wenn alle immer über den Wettbewerb und und seine Oscar-Probleme reden.

Du hast Deine Nachfolger schon seit Jahren aufgebaut. Ist Dir die Übertragung der Leitung nach 25 Jahren trotzdem schwer gefallen?
Das ist mir gar nicht schwergefallen. Wenn Herr Kosslick geht, gibt es eine neue Leitung. Es war mir wichtig, dass Panorama zu dem Zeitpunkt stabil läuft und kein Wackelzahn ist. Deshalb war es vernünftig, den Wechsel jetzt zu machen.

Du hast aber nicht zufällig Lust, Kosslick zu beerben?
Nee, das ist zu spät. Da hätte es mehrere Möglichkeiten gegeben in den letzten 17 Jahren. Ich bin ja auch nur zwei Jahre jünger als Kosslick, das wäre dann kein Generationswechsel. Nicht dass es unbedingt einer sein muss, aber von meiner Warte aus habe ich gerade einen vollzogen. Und das finde ich auch sehr gut. Das Neue Panorama ist jetzt um die 40 Jahre alt, und ich bin Mitte 60. Und ich finde das sehr gut. Wenn du immer fürs Junge, Neue zuständig bist, was ja in meinem Fall auch akzeptierterweise so war, dann muss man irgendwann sagen: Da muss jetzt ein Wechsel passieren. Das haben wir gemacht. Wenn Kosslick geht, kommt ja mit Sicherheit jemand, der nicht nur 3 Jahre jünger ist.

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Ins Panorama kommen 100.000 Leute in elf Tagen

Alle drei sind ehemalige Mitarbeiter von Dir.
Ich war ja selbst 11 Jahre Mitarbeiter von Manfred Salzgeber, bevor ich das Programm übernahm. Es ist wichtig, dass man wirklich drinsteckt in der Materie und dass die Leute einen kennen. Dass man die Geschichte kennt, die so ein Programm hat. Es ist eine sehr nachhaltige Arbeit. Wir haben uns das Vertrauen des Publikums über die Jahre erarbeitet. Ins Panorama kommen 100.000 Leute in elf Tagen, und davon stimmen tatsächlich 30.000 für den Publikumspreis. Das sind schon ziemliche Mengen an Menschen, das muss man erstmal erreichen dass die einem vertrauen, die Filme sind ja alle unbekannt und neu! Wir sind eine Marke, und um die nicht zu zerstören – was ja dumm wäre, aber schnell passiert -, muss ich gucken, dass die Nachfolger, die jetzt anfangen, wissen was sie tun. Und das tun sie eben auch.

 

Wieland Speck
Szene aus dem Film „Weekend“ (2011)

Von den Filmen, die Du in vergangenen Wochen und Monaten gesehen hast – gibt es da schon einen Favoriten oder zwei?
Nee, da steckt man jetzt so drin, dass man das gar nicht sagen kann. Natürlich freue ich mich schon auf ein paar Titel, die mir als sicher erscheinen, aber auch da kann immer noch etwas passieren. Man glaubt es immer erst, wenn man das Programm gedruckt in den Händen hält.

Wenn man so viele Filme sichtet, kann es schonmal passieren, dass man einen übersieht oder nicht auswählt, der dann ein großer Erfolg wird. War es im Jahr 2012 falsch, „Weekend“ nicht fürs Panorama auszuwählen?
Ja, das kann schon sein. Der kam sehr spät. Das weiß ich noch, da habe ich hinterher auch nachgebohrt, wie so was zustande kommt. Es gibt einfach immer irrsinnig viele kleine Details, die bei so einer Auswahl zum Tragen kommen. Ich habe den damals erst im Januar gesehen, das Programm war fast schon fertig. Andererseits kann man sich durchaus beruhigen und sagen: Gute Filme finden ihren Weg, und das hat „Weekend“ natürlich wunderbar geschafft. Aber ich würde Dir recht geben: Der Film hätte uns gut zu Gesicht gestanden.

Ein ausführliches Interview über die neue Panorama-Leitung und die Aufgaben, die Wieland Speck weiterhin hat, steht in der nächsten Mannschaft. Hier geht’s zum Abo!

Mannschaft ist 2018 erstmals Teddy-Medienpartner und verleiht mit dem Readers‘ Award einen eigenen Preis. Der 32. Teddy Award findet am 23. Februar 2018 im Haus der Berliner Festspiele statt. Hier gibt’s die Tickets!

Kriss Rudolph

Geschrieben von

Kriss Rudolph lebt mit seinem Hund Mompa in Berlin. Bei MANNSCHAFT ist er als Online-CvD und als Chefredakteur der deutschen Print-Ausgabe tätig.

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