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Lasst euch regelmässig testen!

Die Schweiz hat weltweit eines der besten Gesundheitssysteme. HIV-Positive sind hier in der Regel richtig therapiert und somit sogenannt #undetectable. Das heisst, sie sind nicht ansteckend und können den HI-Virus nicht auf andere übertragen. Nach und nach hat dies bei vielen Schwulen zu einer Verhaltensänderung hin zu «Sex ohne Gummi» geführt. Mit dem Markteintritt der PrEP (Präexpositionspophylaxe) hat sich diese Entwicklung noch verstärkt. Gerade auch hierzulande nehmen Schwule vermehrt PrEP. Das Medikament ist zwar offiziell nicht zugelassen und wird von der Krankenkasse nicht finanziert, Generika können jedoch zu erschwinglichen Preisen legal importiert werden. Die dazu nötige ärztliche Begleitung wird beispielsweise von den Checkpoints angeboten.

Kondome schützen nur bedingt vor STIs
Aber was ist mit den anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, wenn heute ein Grossteil der Schwulen Sex ohne Gummi praktiziert? Zuerst gilt es eines klarzustellen: Vor #undetectable und PrEP haben sich Schwule beim Sex Gummis übergezogen. Aber Syphilis, Chlamydien oder Tripper kann man sich auch ohne Analverkehr holen – was wir im Checkpoint Zürich immer wieder feststellen. Die neusten Zahlen zeigen zwar mehr STI-Infektionen (ohne HIV) bei Schwulen. Dies liegt aber hauptsächlich daran, dass sich in der Schweiz von Jahr zu Jahr wesentlich mehr Personen regelmässig testen lassen – unter anderem dank erfolgreichen Kampagnen.

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Auch ohne Anal­verkehr kann man sich mit Chlamydien, Tripper oder Syphilis anstecken.

Betrachtet man jedoch den Anteil an positiv Getesteten im Verhältnis zu allen Getesteten, dann sind die Infektionsraten klar rückläufig. Das hat damit zu tun, dass HIV-Positive und PrEP-Klienten regelmässig beim Arzt zur Kontrolle sind und sich testen lassen. Ob PrEP oder nicht: Jeder Schwule sollte sich ein- bis zweimal pro Jahr (zweimal bei mehr als zehn Sexpartnern) auf HIV und andere STI testen lassen.

#Undetectable = #Untransmittable (U = U)
Schwule sind über die Entwicklungen in der HIV-Prävention und -Therapie sowie über die Gefahren anderer STIs in der Regel gut informiert – aber lange nicht alle! Und ausserhalb der Community ist das Wissen darüber miserabel. In den vergangenen Monaten habe ich dies in verschiedenen Gesprächen in meinem Umfeld festgestellt. Einige wissen zwar, dass es HIV-Therapien gibt. Kaum jemand weiss aber, dass richtig Therapierte #undetectable und damit in keinem Fall ansteckend sind. Dass es mittlerweile auch eine HIV-Prophylaxe gibt, weiss von der Allgemeinbevölkerung eigentlich kaum jemand. Und noch weniger wissen, dass es neben HIV noch andere sexuell übertragbare Krankheiten gibt und wo bei diesen die Gefahren einer Ansteckung lauern.

Marcel Müller – Checkpoint Zürich.

Aufklärung tut Not!
Vermehrt wird erzählt, wer PrEP nehme, ficke verantwortungslos ohne Gummi und würde damit die Zahl der STI-Ansteckungen in die Höhe treiben. Dieses Unwissen, gepaart mit Vermutungen und eigenen Interpretationen, gibt ein falsches Bild von Schwulen und kann zu Ausgrenzungen führen. Dagegen müssen wir alle ankämpfen und unsere Freund_innen und Bekannten aufklären: Kondome schützen zwar beim Ficken recht gut vor Syphilis-, Chlamydien- oder Tripperinfektionen. Diese Krankheiten werden aber häufig auch beim Blasen und teilweise auch beim Küssen übertragen. Wer HIV-positiv und richtig therapiert ist, ist nicht ansteckend – auch beim Ficken nicht. Wer PrEP nimmt, ist gegen HIV ebenso gut geschützt wie mit einem Kondom.

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Text: Marcel Müller, Checkpoint ZH – checkpoint-zh.ch

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