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§175-Opfer Wolfgang Lauinger ist verstorben: Er konnte nicht rehabilitiert werden

In der Nacht zum 20.12.2017 verstarb Wolfgang Lauinger, Träger des Bundesverdienstkreuzes, in Frankfurt am Main. Lauinger wurde 99 Jahre alt – damit war er einer der ältesten überlebenden Opfer des „Schwulenparagraphen“ 175. Ausgerechnet er bekam keine Entschädigung für die Verfolgung in der Bundesrepublik: Das zuständige Bundesamt für Justiz hatte seinen Antrag abgelehnt.

Grund: Das im Sommer verabschiedete Entschädigungsgesetz für die in der Bundesrepublik verfolgten schwulen Männer galt nicht für ihn. Nach seiner mehrmonatigen Untersuchungshaft 1950 wurde er nämlich freigesprochen – eine Entschädigung steht aber laut Gesetz denen zu, die tatsächlich verurteilt wurden. Lauinger ist Protagonist einer Doku des Filmemachers van-Tien Hoang über die Frankfurter Homosexuellenprozesse Anfang der 1950er.

Kai Klose, hessischer Staatssekretär und Bevollmächtigter für Integration und Antidiskriminierung (Grüne), erklärte zum Tod Lauingers in Wiesbaden:

„Der Tod Wolfgang Lauingers macht mich tief betroffen. Heute haben wir einen Bürger verloren, der sein eigenes Schicksal zum Anlass nahm, sich bis ins höchste Alter mit aller Kraft für die Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer des Unrechtsparagraphen 175 StGB einzusetzen. Er hat unserer Demokratie einen wichtigen Dienst erwiesen.“

Es beschämt mich, dass es nicht gelungen ist, ihn zu rehabilitieren

Klose weiter: „Es beschämt mich, dass es dem Rechtsstaat trotz des endlich beschlossenen Gesetzes nicht gelungen ist, ihn vor seinem Tod zu rehabilitieren und für seine Untersuchungshaft zu entschädigen.“

Wolfgang Lauinger
Der Filmemacher Van-Tien Hoang (re) mit Lauinger (Foto: Van-Tien Hoang)

Wolfgang Lauinger habe sich in einer Lebensphase, in der viele Menschen sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, entschieden, seine Biographie öffentlich zu machen. Als sogenannter „Halbjude“ als Swingkid und als schwuler Mann sei seine Vita von Jugend an geprägt von Freiheitswillen und Widerstand gegen Konventionen gewesen. „Lauinger war in der Lage, den Wert von Demokratie und Menschenrechten anhand seines Lebensweges authentisch zu vermitteln. Er legte großen Wert darauf, damit junge Menschen zu erreichen, was ihm in außergewöhnlicher Weise gelang“, so der Grünen-Politiker. Für dieses zutiefst demokratische, soziale und pädagogische Engagement erhielt Lauinger im Jahr 2008 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

„Sein persönlicher Mut, seine Widerstandskraft, sein feiner Humor und seine ausgeprägte Menschenfreundlichkeit beeindruckten viele Menschen und auch mich sehr. Es berührt mich, dass unser letztes Zusammentreffen im November am Rande der Ausstellungseröffnung zu den Opfern des ehemaligen § 175 StGB in Hessen stattfand. Ich bin ihm dankbar dass er an dieser Veranstaltung im Hessischen Landtag im Wissen darüber teilnahm, dass sein Antrag auf Rehabilitierung gerade abgelehnt worden war“, erklärte Klose am Mittwoch.

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