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PrEP-Vorstoss im Parlament

Die Interpellation fordert den Bundesrat auf, Stellung zu beziehen zu der sogenannten Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP). Durch die Einnahme von PrEP-Medikamenten können HIV-Neuansteckung wirksam verhindert werden.

Die Interpellation wirft unter anderem die Frage auf, ob der Bundesrat Anstrengungen für einen kostengünstigeren Zugang zu PrEP Medikamenten unternimmt. «Durch günstigere PrEP-Medikamente kann viel Leid sowie kostenintensive Behandlungen von HIV-infizierten Menschen vermieden werden», sagt Interpellant Angelo Barrile. «Wichtig ist aber auch, dass PrEP-Medikamente nur unter ärztlicher Begleitung eingenommen werden.».

«Die HIV-Neuinfektionen verharren in der Schweiz auf relativ hohem Niveau. So haben sich im Jahr 2016 542 Menschen neu mit dem Virus angesteckt. 49% betreffen Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Diese erschreckenden Zahlen zeigen, dass die bisherige Präventionsstrategie des Bundes nicht ausreicht.», schreibt Pink Cross, der Schweizer Dachverband der Schwulen, in seiner Mediemitteilung. Bereits 2016 hat die Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit (EKSG) vom Bund gefordert, den Einsatz der HIV Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) zu prüfen und für bestimmte Risikogruppen zu ermöglichen.

«Die Möglichkeiten der Bekämpfung von HIV waren noch selten so gut wie heute», sagt René Schegg von Pink Cross. «Die Forschung hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und die Politik ist aufgefordert, darauf im Rahmen einer erweiterten Präventionsstrategie zu reagieren.» so Schegg weiter.

Schweizer Aids-Hilfe erfreut
Auch die Schweizer Aids-Hilfe unterstützt den Vorstoss. «Die PrEP ist erwiesenermassen ein funktionierendes Präventionsmittel für eine gewisse Gruppe innerhalb der schwulen Community. Wir unterstützen daher jeden Beitrag einer Organisation, die eine konstruktive Diskussion ermöglicht.», sagt Andreas Lehner, Stv. Geschäftsführer und Programmleiter MSM. Die Aids-Hilfe Schweiz mache sich in sich in verschiedenen ausserparlamentarischen Gruppen stark für die PrEP und kümmere sich um die Informationsvermittlung rund um das Thema. Denn PrEP wirke nur, wenn sie richtig eingenommen würde. «Das bedingt die Begleitung durch einen Arzt oder eine Ärztin.», so Lehner.

Zahlen fehlen, Stigma bleibt
Wie viele Männer in der Schweiz PrEP einnehmen, ist unklar. Pink Cross spricht von «vielen» Männern, die Aids-Hilfe ist bei der Bezifferung vorsichtiger: «Wer in Dating-Apps schaut, kann schon auf diese Idee kommen. Allerdings wird der Eintrag «On PrEP» gerade auch von HIV-positiven Männern angewendet um einer Stigmatisierung zu entgehen. Denn HIV-Positive, die unter funktionierender Therapie stehen, sind nicht mehr ansteckend. Aber sehr wohl noch diskriminiert.», so der HIV-Experte.

Die Schweizer Aids-Hilfe geht zur Zeit von 500 Männern aus, die eine PrEP unter ärztlicher Überwachung einnehmen. «Um einen positiven Impact auf die HIV-Ansteckungszahlen zu haben, müssten rund 3’000 Männer in der Schweiz ein PrEP einnehmen. Deshalb ist ein niederschwelliger und kostengünstiger Zugang das Ziel.».

Kampagne der Schweizer Aids-Hilfe

Die Schweizer Aids-Hilfe sprach das Thema PrEP bereits bei ihrer «Securion»-Kampagne an und will 2018 eine neue Webseite zum Thema aufschalte.

Hinweis: In einer ersten Fassung der Medienmitteilung von Pink Cross schrieb der Verband von 69% Neuansteckungen bei MSM. Mittlerweile hat die Organisation die Zahl auf 49% korrigiert. Wir haben den Artikel angepasst.

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