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Angst ist ein schlechter Ratgeber …

Es ist zwar ratsam, auf der Strasse vor einem heranbrausenden Offroader zurückzuweichen. Es ist umsichtig, einen Bogen um eine Horde Hooligans zu machen, und es ist vernünftig, die Safer-Sex-Regeln zu beachten. Viele Menschen plagen sich aber mit Ängsten, die vor allem energieraubend sind und wenig sinnvoll. Nehmen derzeit Ängste zu? Man braucht im Jahr 2016 ein dickes Fell, um zuversichtlich und froh zu bleiben.

Psychologie der Angst
Angstreaktionen sind evolutionsbiologisch basale Vorgänge, die unser Überleben sichern sollen, indem sie blitzschnell den Kampf- oder Fluchtmodus aktivieren. In der Not bleibt keine Zeit für Abwägungen. Da wir im Alltag meist nicht kämpfen oder flüchten können, äussern sich Ängste oft als Anspannung und Stress. Unser Organismus hat ein sehr stabiles Gedächtnis für angstbesetzte Erlebnisse. Den zuständigen Hirnarealen reicht oft ein nur ungefähr ähnlicher Reiz in einer aktuellen Situation, um sekundenschnell aktiv zu werden. Deshalb können uns auch jahrealte Ängste noch bedrängen. Ängste haben ausserdem die Tendenz, sich auszuweiten, Vermeidungsverhalten kann die Folge sein oder übermässiges Kontrollverhalten (bekannt als Zwänge).

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Erhöhte Verletzlichkeit LGBT
Schwule Männer und andere LGBT-Menschen leiden nachweislich gehäuft unter psychischen Belastungen, auch unter Ängsten. Die Etablierung von Selbstwert, Selbstsicherheit und Selbstwirksamkeit war und ist bei vielen LGBT-Jugendlichen bedroht durch mangelnde Unterstützung, heteronormativen Druck und homophobe Diskriminierung und Gewalt. Das prägt. Das Fell wird weniger dick. Und Prägung heisst immer auch ganz konkret: neuronale Netzwerke im Gehirn. Wenn ein Jugendlicher lernt, sein gefühltes Anderssein zu verbergen aus Angst vor Spott oder Gewalt, wenn er seine Wünsche und Pläne hemmt und gängelt, wenn er seine erotischen Impulse unterdrückt, bahnt das nach und nach neuronale Muster. Dazu gehören abwertende Gedanken, Angst- und Schamgefühle und körperliche Anspannung.

[perfectpullquote align="full" cite="" link="" color="" class="" size=""]«Ängste zu haben, ist normal, es gilt aber nicht als besonders chic.»[/perfectpullquote]

[/perfectpullquote] der Folge diese Muster oft auch aktiviert, wenn keine Bedrohung mehr besteht. Ängste zu haben, ist normal, es gilt aber nicht als besonders chic. Sich ihnen zu stellen, kostet Überwindung. Die Unterscheidung zwischen angemessenen und irrationalen Ängsten, eine gelassene oder gar humorige Einschätzung dazu und vor allem die Fähigkeit, die körperlichen Stressreaktionen zu regulieren, gehören in die psychologische Behandlung von Ängsten. Selbstverständlich auch die Befriedung von alten, einverleibten Angstmustern. Es lohnt sich, ein paar Beratungsstunden dafür in Anspruch zu nehmen, damit du die Angst steuerst und nicht sie dich.

Der Autor Stephan Dietiker arbeitet als Psychotherapeut im Checkpoint Zürich. Beratungen und Therapien bieten auch seine Kollegen, der Psychiater László Ürögi und der Psychologe Hannes Rudolph an – mycheckpoint.ch/de/zh

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