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Es geht ein schwuler Mann zum Arzt …

Krux an der Sache: Der Hausarzt weiss nicht, dass sein Patient schwul ist und deshalb eine Hepatitisimpfung besonders wichtig ist. Er weiss nichts von den Sexualpraktiken, die seinem Patienten Spass machen, er weiss nicht, dass die Zunge des Mannes ganz andere Körperregionen erreicht als nur den eigenen Nasenspitz.

Es ist wichtig, dass man als Patient selbstbewusst auftritt und die Sachen anspricht, die einem für ein glückliches Leben wichtig sind, auch wenns peinlich ist.

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Liebe machen
Sogar in der Beratungspraxis im Checkpoint machen wir die Erfahrung, dass klare Worte gescheut werden. So wird von «Liebe machen» gesprochen, statt von Ficken. Im weniger niederschwelligen Umfeld einer Arztpraxis wird dies noch häufiger vorkommen. Gut möglich, dass der Arzt unter Zeitdruck nicht genau nachfragt, was ihn wiederum auf falsche Fährten führen kann.

Doch geht es nicht nur darum, was ich sexuell mache, sondern auch in welchem Zustand und unter welchen Umständen ich Sex habe. Wie oft und mit wie vielen Männern? Bin ich betrunken? Gehe ich unter Einfluss von Alkohol  und Drogen unbewusst Risiken ein? Lasse ich mich innerhalb einer Gruppe zu ungeschütztem Sex verleiten? Wie steht es mit meiner psychischen Gesundheit?

Der Sprechstundenstress
Studien aus den USA zeigen, dass Ärzte ihren Patienten durchschnittlich 18 Sekunden Zeit geben, ihre Geschichte zu schildern, bevor sie sie unterbrechen. Auch in der Schweiz wird die zur Verfügung stehende Zeit immer knapper. Neben der sterilen Atmosphäre in der Praxis und der Totenstille im Wartezimmer sorgt das empfundene Machtgefälle zwischen Arzt und Patient für noch mehr Einschüchterung. Da vergisst man gerne, was einem zuvor unter den Nägeln brannte. Dagegen kann PART helfen: Prepare, Ask, Repeat und Take Action oder auf gut Deutsch: Vorbereiten, Fragen, Wiederholen und Handeln.

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Es ist wichtig, dass man als Patient die Sachen anspricht, die einem für ein glückliches Leben wichtig sind, auch wenns peinlich ist.

Vorbereiten lohnt sich: Mach eine Liste mit den Dingen, die du wissen willst. Wir verbringen oft viel Zeit damit, Sachen selber im Internet zu recherchieren. Am besten bringst du diese Infos ausgedruckt oder halt auf dem Smartphone abgespeichert zur Konsultation mit, damit der Arzt versteht, wovon du sprichst.

Aufgrund der knappen Zeitressourcen empfiehlt es sich, das wichtigste Anliegen zuerst zu formulieren. Hierbei könnte es hilfreich sein, sich vorgängig zu überlegen, was einem besonders wichtig ist, einen stört oder man nicht tun kann, aber gerne möchte.

Allenfalls kann man eine Begleitung mitbringen, mit der man nach dem Arztbesuch alles nochmals rekapituliert.

Frage direkt, auch wie du in Zukunft dein Risiko verringern könntest, ohne deine Vorlieben aufgeben zu müssen. Frage auch, was eine Nichtbehandlung zur Folge hätte. Wiederhole, was du begriffen hast, damit du sicher bist, alles richtig verstanden zu haben – und natürlich muss am Schluss des Arztbesuchs klar sein, welches die nächsten Schritte sind. Sag klar, wenn du Zweifel hast oder mit dem Vorgehen nicht einverstanden bist.

Arzt und Patient haben nicht immer die gleichen Behandlungsziele. Der Arzt ist vielleicht zufrieden mit den guten Laborwerten. Das ist durchaus in deinem Interesse, aber dir schlagen die Gewichtszunahme oder der ständige Durchfall als Nebenwirkung des Medikaments aufs Gemüt. Das ist ebenso wichtig und muss ausgesprochen werden. Denn nur ein zufriedener Patient wird längerfristig auch therapietreu bleiben.

Text: Roger J. Fontana und Hans Peter Waltisberg (Checkpoint Zürich)

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