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Kirche unterm Regenbogen: Zuwachs beim CSD

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Es ist eine Premiere beim Berliner CSD: Mit einem eigenen Truck für etwa 140 Personen nimmt die Evangelische Kirche morgen an der Pride Parade teil. Transparente mit der Aufschrift Trau Dich! machen darauf aufmerksam, dass sich in der Evangelischen Kirche auch schwule und lesbische Paare gleichberechtigt trauen lassen können. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat 2016 die Trauung von heterosexuellen und homosexuellen Paaren kirchenrechtlich gleichgestellt. „Schon seit Jahren beteiligen sich kirchlich Engagierte wie etwa der Ökumenische Arbeitskreis Homosexuelle und Kirche am Christopher-Street-Day“, erklärte Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, die als Schirmherrin der Aktion vorsteht, „Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr mit einem eigenen Truck mit klarer Botschaft als Evangelische Kirche in Berlin gut vertreten sind.“

Mehrere Medien hatten im Vorfeld berichtet, dass beim Umzug von dem Lastwagen Kondome mit dem Luther-Zitat „Für Huren* und Heilige*“ verteilt würden. Dies wurde aber von der EKBO richtiggestellt: Man habe zwar über das Verteilen von Präservativen und Gleitgel in der Vorbereitungsgruppe diskutiert, dies aber schließlich verworfen, weil das Thema Ehe für alle im Vordergrund stehe.

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Eingetragene Lebenspartnerschaften wurden in Berlin 2016 bei kirchlichen Trauungen mit heterosexuellen Ehepaaren gleichgestellt. 

Beim Motzstraßenfest ist die Evangelische Kirche schon seit einigen Jahren vertreten. Den ersten Schritt auf schwule und lesbische Paare machte man in Berlin bereits 2002, als man auch ihre Partnerschaften zu segnen begann. Diese Segnungsgottesdienste unterschieden sich anfangs aber deutlich von den Traugottesdiensten für Mann und Frau und mussten auch zunächst nicht in die Kirchenbücher eingetragen werden. Im vergangenen Jahr war die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz nach Hessen und Nassau, der rheinischen Kirche und Baden bundesweit die vierte Mitgliedskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Eingetragene Lebenspartnerschaften bei kirchlichen Trauungen mit heterosexuellen Ehepaaren gleichstellte. Viele andere EKD-Landeskirchen sehen gesonderte Gottesdienste für Homopaare vor, nur in Württemberg sind noch gar keine Segnungen möglich.

Unter dem Leitsatz «Keine Diskriminierung von Homosexuellen» feiern dreissig Gemeinden aus den Berner Kirchen den Tag der Menschenrechte.

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[perfectpullquote align="full" cite="" link="" color="" class="" size=""]Es ist erstaunlich und erschreckend,  wie uninformiert viele sind[/perfectpullquote]

[/perfectpullquote]r Brodt-Zabka, der selber mit einem Pfarrer verpartnert ist und auch morgen auf dem Truck mitfährt, berichtet im Gespräch mit der Mannschaft, dass bei allen Liberalisierungen, die in der EKBO unternommen wurden, immer noch Schwule und Lesben ihren Austritt aus der Kirche damit erklären, dass sie die Kirche ganz grundsätzlich für reaktionär hielten und deren „mittelalterliche Positionen“ zum Thema gleichgeschlechtliche Liebe als Grund angeben. Da würde oft alles in einen Topf geworfen und nicht mal zwischen evangelischer und katholischer Kirche unterschieden. „Es ist erstaunlich und erschreckend,  wie uninformiert viele sind“, so Pfarrer Brodt-Zabka.

Umgekehrt gebe es aber auch regelmäßig Kirchenmitglieder, die mit ihrem Austritt drohten, weil sie mit der Gleichstellung von Homopaaren nicht einverstanden seien – oder weil ihnen die Kirche nicht mehr konservativ genug sei. Hier habe man es häufig mit Formulierungen zu tun, die der Sprache der AfD sehr ähnlich sei, etwa wenn von „linksgrünversifften“ Tendenzen in der Kirche die Rede sei, so der für Gemeinschaftsaufgaben im Kirchenkreis Berlin Stadtmitte zuständige Pfarrer.

CSD-Gottesdienst mit verschiedenen Religionen

Auch heute Abend lädt der Kirchenkreis wie in den Vorjahren um 18 Uhr zu einem multireligiösen Gottesdienst in die St. Marienkirche nahe Berlin Alexanderplatz ein. Predigen wird Rabbinerin Sharon Kleinbaum aus New York. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat sein Kommen zugesagt. Seyran Ates, Begründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, Rabbiner Walter Homolka und Superintendent Bertold Höcker repräsentieren jeweils ihre Glaubensrichtungen. Kooperationspartner sind der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) und die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. „Es geht uns allen darum, zu zeigen, was die verschiedenen Religionen positiv zur Identitätsbildung von LGBT-Personen beitragen können“, sagt Mit-Initiator Superintendent Bertold Höcker, „wir sind offen für unterschiedliche Glaubensrichtungen.“

Evangelische Kirche
Carmen Prasse (l.) & Anita Gimbel-Blänkle von der hessen-nassauischen Kirchenverwaltung hissen 2016 die Fahne zum Darmstädter CSD (Foto: EKHN)

Auch in Stuttgart,  wo eine Woche später die CSD-Parade stattfindet, hat die Kirche einen großen Schritt auf die LGBTI-Community zu gemacht – und umgekehrt. Für die Schirmherrschaft hat man die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold gewonnen. „Auch in der Kirche wurden Lesben, Schwule und Menschen mit geschlechtlicher Thematik ausgeschlossen oder verachtet“, hatte Arnold erklärt. „Viele lesbische Christinnen und schwule Christen mussten sich verstecken oder ihre Sexualität verleugnen. Nicht wenige haben deshalb die Kirche verlassen. Das tut mir sehr leid.“ Aber es bewege sich etwas, so die Schirmherrin. Gegen Vorurteile und Verschweigen, gegen das Weggucken und die Doppelmoral fänden sich viele Unterstützerinnen und Unterstützer in vielen Teilen der Gesellschaft und damit auch der Kirche.“ Von konservativer Kirchenvertretern wurde Arnoldt für ihre Solidarisierung mit dem CSD kritisiert.

[perfectpullquote align=[perfectpullquote align="full" cite="" link="" color="" class="" size=""]und Liebesgemeinschaft von Frau und Mann als prinzipiell lebenslange Verbindung mit der grundsätzlichen Offenheit für die Weitergabe von Leben.[/perfectpullquote]
Die Evangelische Kirche [/perfectpullquote]u, die 2013 als erste Evangelische Landeskirche die Traugottesdienste komplett für Homopaare öffnete, hisste im Vorjahr zum Christopher Street Day in Darmstadt am Gebäude der Kirchenverwaltung eine Regenbogenflagge. Zudem beteiligte sich die EKHN aktiv am Programm des Darmstädter CSD.

In der Katholischen Kirche ist man noch weit von einer solchen Annäherung entfernt. So hatte die Deutsche Bischofskonferenz vor der Entscheidung im Bundestag zur Eheöffnung seine starken Vorbehalte erklärt. Die Ehe sei „die Lebens- und Liebesgemeinschaft von Frau und Mann als prinzipiell lebenslange Verbindung mit der grundsätzlichen Offenheit für die Weitergabe von Leben“, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx. Man bedauere, dass „dieser Ehebegriff aufgelöst werden soll und damit die christliche Auffassung von Ehe und das staatliche Konzept weiter auseinandergehen“.

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