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«Das war erst der Anfang»

Im Mai fand in Hong Kong zum ersten Mal das «Asia-Pacific Rainbow Families Forum» (ARFF) statt. Organisiert worden war es von Bess Hepworth, Geschäftsleiterin der LGBTI-Organisation «Planet Ally», sowie von Maria von Känel, Geschäftsleiterin des Dachverbands Regenbogenfamilien und Initiantin des International Family Equality Day. Abgehalten im Bürogebäude des Medienunternehmens Bloomberg, zog das zweitätige ARFF über 250 Gäste aus Ländern wie China, Thailand, Japan, Fidschi, Singapur und Hong Kong an.

Die Teilnehmenden konnten nicht nur zahlreichen Vorträgen und Podiumsdiskussionen beiwohnen, sondern sich auch mit Gleichgesinnten austauschen. «Der Anlass stiess auf grossen Anklang», sagt Maria von Känel. «Das Forum bot vielen gleichgeschlechtlichen Eltern und ihren Kindern den Raum und die Möglichkeit, über ihre Erfahrungen und ihren teilweise schwierigen Alltag zu sprechen.» Das habe die Familien sichtbar gestärkt.

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Die beiden Organisatorinnen des ersten Asia-Pacific Rainbow Families Forum: Maria von Känel (l.) und Beth Hepworth.

Unterstützt wurde das ARFF auch von prominenter Seite: Vitit Muntarbhorn, der UN-Experte für Gewalt und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Genderidentität, wendete sich per Videobotschaft an die Teilnehmenden. «Er betonte, dass die Anerkennung, der Schutz und die Nicht-Diskriminierung der Familienvielfalt sehr wichtig seien und bedankte sich bei uns für die Organisation des Events», erzählt von Känel. «Eine derartige Anerkennung ist sehr schön!»

Einblicke in den Alltag anderer
Nebst den persönlichen und oftmals berührenden Gesprächen mit anderen Regenbogeneltern zählt Maria von Känel die Länderberichte zu den Highlights der Veranstaltung. «Wir erfuhren viel über die Lebensrealitäten gleichgeschlechtlicher Eltern und ihrer Kinder in den asiatischen Staaten.» In China zum Beispiel sei es aufgrund der staatlichen Internetzensur nicht einfach für die Familien, untereinander Kontakte zu pflegen. «Aber sie haben ihre Mittel und Wege gefunden», sagt von Känel. «So treffen sich zum Beispiel einmal pro Jahr bis zu 800 LGBTIQ, um sich gegenseitig zu helfen und zu ermutigen.»

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Schleppender Gesetzgebungsprozess
Auch in Thailand sind LGBT-Menschen – und Regenbogenfamilien insbesondere – noch benachteiligt. Mit dem «Gender Equality Act» erliess das südostasiatische Land vor zwei Jahren zwar ein Gesetz, das Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität verbietet. Gleiche Rechte geniessen thailändische LGBT dadurch aber noch nicht. Seit drei Jahren befindet sich ein Gesetzesentwurf in der Pipeline, der die eingetragene Partnerschaft einführen würde. Laut Aktivistinnen und Aktivisten zeigt das von der Militärjunta kontrollierte Parlament aber keine Anzeichen, das Gesetz endlich zu verabschieden. «Die Vorlage ist weiterhin unter den Kampfstiefeln der Junta eingeklemmt», schrieb die thailändische Newsplattform prachatai.org Ende Mai. Und selbst wenn das Gesetz in Kraft träte, die Benachteiligung von Regenbogenfamilien wäre damit noch nicht beendet. «Das Recht gleichgeschlechtlicher Paare auf Adoption zum Beispiel ist in der vorgesehenen Version des Erlasses nicht enthalten», sagt LGBT-Aktivistin Matcha Phorn-In, die ebenfalls am Forum zugegen war. Matcha leitet die NGO Building the Future of Youth, zusammen mit ihrer Partnerin hat sie eine Tochter. «Unsere Familie ist rechtlich nicht abgesichert – es besteht keine Garantie, dass meine Tochter bei meiner Frau bleiben könnte, sollte mir etwas zustossen.» Dementsprechend setzt sie sich gemeinsam mit engagierten Mitstreitenden für eine Anpassung des Gesetzesentwurfes ein.

Nähe dank Outing
Die Schilderungen eines Schwulenpaares aus Singapur machten ebenfalls Eindruck. Beide Männer waren vor ihrem Coming-out verheiratet gewesen und hatten mit ihren Ex-Frauen Kinder grossgezogen. «Einer der Väter erzählte, dass er seinen Kindern seit seinem Outing viel näher sei», so Maria von Känel. «Das Coming-out half ihm, zu sich und seinen Gefühlen zu stehen – das baute auch die Distanz ab, die zuvor zwischen ihm und seinen Kindern bestanden hatte.»

Neuauflage in Planung
Der Erfolg der ARFF-Premiere zeigte dem Organisationskomitee, dass ein Bedürfnis nach solchen Veranstaltungen besteht. Dementsprechend ist bereits das nächste Asia-Pacific Rainbow Families Forum geplant, stattfinden soll es in Tokio oder Taipeh. «Nach dem Anlass realisierten wir, dass dies erst der Anfang war», so Maria von Känel. «Wir freuen uns schon auf die nächste Auflage.»

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