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Tschetschenien: «Tötet eure Kinder oder wir tun es für euch»

Bild: Screenshot YouTube

Zum ersten Mal zeigen sich verfolgte Schwule aus Tschetschenien, wenn auch versteckt hinter Kapuzenpullis und mit verzerrter Stimmer. Der Sender France24.com hat die Geflüchteten in einer geschützten Unterkunft besucht – an einem Ort, der zu ihrer Sicherheit geheim gehalten wird.

Einer der Betroffenen bestätigt eine systematische Verfolgung homosexueller Männer, wie von der «Novaya Gazeta» Anfang April erstmals vermutet wurde. «Es wird nichts dagegen unternommen, weil der Befehl, das Land von uns zu befreien, von oben kommt», sagt er gegenüber dem Fernsehsender.

Homosexuelle seien in Tschetschenien schon immer verfolgt worden, aber nie in einem solchen Ausmass. «Sie bringen Menschen um. Sie tun einfach, was sie wollen. Sie wissen, dass sie dafür nicht bestraft werden.»

Der Geflüchtete erzählt, wie die Sicherheitskräfte vermeintlich schwule Männer verhaften und in den Gefängnissen – gemäss neusten Berichten gibt es deren sechs – mit Elektroschocks und Essensentzug foltern. Wer sich wehrt, wird härter geschlagen. Abends werfen die Wärter ihre Essensreste in die Zelle. «Nicht, um uns zu füttern, sondern zu erniedrigen.»

Manchmal müssen sich die Gefangenen in Reih und Glied aufstellen, damit die Wärter sie dazu zwingen können, sich einen Frauennamen zu geben.

Die tschetschenischen Sicherheitskräfte kontaktieren die Eltern der Gefangenen und fordern sie auf, ihr Kind zu töten: «Entweder ihr macht das oder wir.» Es sei ein Weg, die Ehre mit Blut zu bereinigen. Ein Mann sei während zwei Wochen gefoltert worden, erzählt der Geflüchtete. «Ihr Sohn ist ein Homosexueller», hätten die Sicherheitskräfte den Eltern und den Brüdern gesagt. «Erledigt die Sache oder wir tun es für euch.» Darauf habe die Familie erwidert: «Das ist eine Familienangelegenheit, wir übernehmen das.»

Die Familie habe den Gefangenen mitgenommen und im Wald getötet und verscharrt, ohne richtiges Begräbnis.

«Wenn ich jemals nach Hause gehe, wird mich meine Familie töten», sagt der Geflüchtete zur Kamera.

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