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Stefanie Heinzmann: «Der Begriff Homo-Ehe ist peinlich!»

Am Berner Gurtenfestival spricht Stefanie Heinzmann mit der Mannschaft übers Erwachsenwerden und dass ihre Heimat bei LGBT-Themen ruhig noch etwas lernen kann.

Heiss hier am Gurtenfestival. Macht dir die Hitze was aus?
Nein, ich liebe es. Alles ist sweaty und nass. Ich mag die Hitze.

Du hast dein neues Album «Chance of Rain» veröffentlicht. Wie unterscheidet es sich zu seinen Vorgängern?
Meine Musik hat sich mit mir zusammen weiterentwickelt und ist moderner und erwachsener geworden. Wir haben vermehrt auch mit Elektro-Sounds gearbeitet und alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die 2015 bietet. Trotzdem liebe ich Soul und Funk, davon werde ich nie wegkommen.

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In den USA wirst du als die neue Joss Stone gehandelt. Wie gehst du mit solchen Vergleichen um?
Sie zählt zu meinen grössten Idolen, was Stimmen angeht. Ein Vergleich mit Joss Stone ist natürlich ein unglaubliches Kompliment, auch wenn ich mich selber nicht mit ihr vergleiche. Ich finde, wir klingen schon sehr unterschiedlich. Mit 18 habe ich zwanghaft versucht, ihr nachzueifern, bis ich realisiert habe, dass das nicht funktioniert. Ich musste mich selber finden.

Das war im ständigen Rampenlicht bestimmt nicht einfach.
Das hatte so früh angefangen, ich kannte nichts anders. Ich lege einen grossen Wert auf mein Privatleben. Ich hatte immer Freunde und Familienmitglieder, die hinter mir standen, mich aber auch hinterfragten. Ich bin auf eine gesunde Art erwachsen geworden. Heute fühle ich mich mega wohl in meiner Haut. Es hat aber doch sieben Jahre gebraucht.

«Chance of Rain» wird als dein persönlichstes Werk beschrieben.
Es enthält viele Geschichten, die ich verarbeitet habe und die mir sehr wichtig sind. Es sind Songs drauf, die ich für meine besten Freunde geschrieben habe. Oder wie es ist, sich selber zu finden, durch schlechte Zeiten zu gehen oder dass eben nicht alle Leute es toll finden, was man macht. Und trotzdem ist alles gut so, wie es ist.

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Du bist in die USA gegangen, um an deinem neuen Album zu arbeiten. Wagst du den grossen Sprung?
Das ist nicht mein Ziel. Amerika ist so weit weg und ein riesiger Musikmarkt. Ich bin eher heimatverbunden. Alleine in Europa gibt es noch so viele Länder, die man bespielen kann. Aber zu einer USA-Tournee würde ich bestimmt nicht nein sagen.

Du bist an mehreren Festivals unterwegs diesen Sommer. Wie entspannst du dich?
Dort wo ich gerade kann. Jetzt mache ich etwas Promo, danach bleiben mir vier Stunden bis zum Konzert. Ich setze mich wahrscheinlich noch etwas in die Sonne und lese ein Buch.

Die Walliser sind ein super liebes Volk, aber gerade bei diesen Themen könnten sie ruhig etwas lernen.

Du kannst vor deinem Konzert abschalten?
Auf jeden Fall. Vor allem mit diesem entspannten Umfeld hier auf dem Gurten. Meine Freunde, Familie und meine Eltern sind hier.

Du bist Walliserin. Im Wallis hat dieses Jahr die Pride stattgefunden, obwohl LGBT-Rechte bei den lokalen Politikern keinen leichten Stand haben. Bekommst du da etwas mit?
Nein, ich bin zu wenig im Wallis, für dass mich die Politik dort interessiert. Die Walliser sind etwas engstirnig, was vermutlich an der Lage liegt. Sie sind ein super liebes Volk, aber gerade bei diesen Themen könnten sie ruhig etwas lernen.

In den USA und Irland ist die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet worden. Denkst du, das auch die Schweiz bald nachzieht?
Das muss kommen! Schon nur der Begriff «Homo-Ehe» finde ich peinlich. Das ist doch einfach ein Bund zwischen zwei Menschen und fertig. Man spricht ja auch nicht von der «Hetero-Ehe». Der liebe Gott liebt alle gleich.

Wäre die Ehe etwas für dich?
Ich weiss es nicht. Grundsätzlich ist die Ehe ein sehr altes Konzept. Nur zu heiraten, damit man es getan hat, finde ich uninteressant. Dazu müsste ich schon den Mann finden, mit dem ich mein Leben verbringen will. Dann wäre das ein schönes Siegel. In einer Beziehung verändert sich grundlegend etwas, wenn man sich als «Mann und Frau» bezeichnet, oder eben als «Mann und Mann» oder als «Frau und Frau».

Zurück zum Singen: Wärst du bei «The Voice of Switzerland» wieder dabei, falls es eine nächste Staffel gibt?
Eine gute Frage. Grundsätzlich ja, denn es hat einen Riesenspass gemacht. Schlussendlich ist es aber auch eine Terminfrage und wer alles dabei ist. Ich bin gespannt, ob die Anfrage wieder kommt.

LGBT-Delegation: Bye bye Washington! Hello, New York!

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