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«Alan Turing ist ein Nationalheld»

Alan Turing ist für Benedict Cumberbatch ein Volksheld. Beim Dreh zu «The Imitation Game» ging dem Briten das Schicksal des schwulen Mathe-Genies so nahe, dass er weinen musste. Aktuell sei die Geschichte bis zum heutigen Tag, findet er.

Als Sherlock Holmes wurde Benedict Cumberbatch (38) zum internationalen Star. In «The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben» ist er wieder als Superhirn zu sehen, diesmal als schwuler Mathematiker und Code-Knacker Alan Turing.

Obwohl das Genie nach Meinung von Historikern einen entscheidenden Beitrag zum Sieg der Alliierten über die Nazis im Zweiten Weltkrieg leistete, wurde er nach dem Krieg als Homosexueller verhaftet und in den Suizid getrieben. Mit der Deutschen Presse-Agentur und anderen Medien sprach er über die bewegende Geschichte des Alan Turing.

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Herr Cumberbatch, hat Sie diese Geschichte wütend gemacht?
Sehr wütend. Als ich das Drehbuch gelesen hab, war ich amüsiert und fasziniert, entgeistert, verwirrt, wütend und sehr traurig. Als ich die letzten Szene gespielt habe, gab es ein paar Einstellungen, bei denen ich nicht aufhören konnte, zu weinen. Das war nicht gespielt, nicht gut gespielt, sondern mir wurde klar, dass ihm das wirklich passiert ist, dass diese Ungerechtigkeit wirklich jemandem widerfahren ist.

Heute können wir uns so etwas nicht mehr vorstellen…
Nicht? Es ist 60 Jahre her. Es ist barbarisch sich vorzustellen, dass es jetzt hier passieren würde, in unserer westlichen Demokratie. Aber in der Wiege der Demokratie, Griechenland, ist während der Sparmassnahmen die Partei «Goldene Morgenröte» aufgestiegen. Männer und Frauen wurden öffentlich verprügelt, weil sie homosexuell sind. Russlands Haltung zu Homosexualität – das ist irgendwie beängstigend. Es ist keine Geschichtsstunde. Es ist leider und erstaunlicherweise aktuell und wichtig zu sehen, dass Menschen in Zeiten von Armut, Nationalismus oder Faschismus Minderheiten zu Sündenböcken machen.

Erst Sherlock Holmes, jetzt Mathegenie – sind Sie der Schauspieler, den man für hochintelligente Charaktere bucht?

Einer von vielen! Ich lehne es ab, das die ganze Zeit zu machen. Wenn ich spüre, dass an einem Charakter etwas besonders ist, dann mache ich es, intelligent oder nicht. Ich habe dumme Menschen gespielt, ich habe lustige Menschen gespielt, ich habe korrupte Menschen gespielt, ich habe Helden gespielt und Mischungen aus alledem. Die Aussergewöhnlichen ragen heraus. Die, die über unseren Verstand gehen, ragen heraus.

 Ein Philosoph, ein Kriegsheld und eine Schwulenikone.

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Haben Sie die Mathematik und die Wissenschaft im Film verstanden?
Nur sehr wenig. Ich habe es natürlich so gut wie möglich versucht, um den Momenten gerecht zu werden, wenn sie in der Geschichte sehr wichtig sind. Ich bin kein Ingenieur, ich habe keinen Doktor in reiner Mathematik. Wie bei so vielem, was er ist, muss ich so tun, als wäre ich es. Ich war nicht dazu berufen, ein Mathe-Hirn zu sein.

Fühlen Sie eine Verantwortung, Filme zu machen, die eine Debatte auslösen?

Geschichten, die wichtig zu erzählen sind, haben einen grossen Reiz für mich als Schauspieler. Aber nicht, um Kontroversen auszulösen, sondern um Leuten Geschichten zu erzählen, die sie sonst vielleicht nicht kennen würden. Dieser Mann ist ein Nationalheld, er sollte mit Isaac Newton und Darwin genannt werden als einer der grössten Wissenschaftler, die wir je hatten. Ein Philosoph, ein Kriegsheld und eine Schwulenikone. Dafür sollte er auf Titeln von Geschichtsbüchern und wissenschaftlichen Büchern sein, und weiss Gott sogar auf Banknoten.

Interview: Britta Düysen und Teresa Dapp

Benedict Cumberbatch (38) ist ein britischer Film-, Fernseh- und Theater-Schauspieler, der als Sherlock Holmes in der BBC-Serie «Sherlock» international berühmt geworden ist. Zu seinen bekannten Rollen gehören ausserdem Julian Assange in «Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt», die Stimme des Drachen Smaug in der «Hobbit»-Trilogie sowie Plantagenbesitzer William Ford in «12 Years a Slave». Er ist verlobt mit der Theaterregisseurin Sophie Hunter, die beiden erwarten ihr erstes Kind.

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