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Journalistin der Badehaus-Razzia ist Managerin bei shnit aus Bern

Die Journalistin Mona Iraqi, die Dutzende Männer bei der gewaltsamen Verhaftung in einem Badehaus in Kairo gefilmt hat, ist Managerin beim Kurzfilmfestival shnit, das in Bern gegründet wurde. Festivalleiter Olivier van der Hoeven will keine Stellung zum Vorfall nehmen.

Am 7. Dezember 2014 wurden 33 Männer geschlagen, verhaftet und nackt aus einem Badehaus in Kairo abgeführt. Die Aktion wurde von Journalistin Mona Iraqi exklusiv gefilmt und unzensiert im regierungsfreundlichen Fernsehen ausgestrahlt (Mannschaft berichtete). «Mit Bildern decken wir die Höhlen der Gruppenperversionen im Herzen Kairos auf» postete sie live vor Ort auf ihrer Facebook-Seite.

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Menschenrechts- und LGBT-Aktivisten aus aller Welt protestierten gegen die erniedrigende Art und Weise, wie die Männer im Fernsehen vorgeführt wurden. Die Frankfurter Allgemeine schreibt von einer «Kampagne gegen die kleine Homosexuellenszene des Landes.»

Pikant: Mona Iraqi leitete im Oktober 2014 das shnit-Festival in Kairo und ist als «Playground»-Managerin auf shnit.org aufgeführt. Auf den Bildern der Festnahme ist sie zu sehen, wie sie die verhafteten Männer mit einem Smartphone filmt.

Die Stellungnahme von shnit zur Razzia in Kairo.
Die Stellungnahme von shnit zur Razzia in Kairo.

In einer Stellungnahme auf shnit.org, die mittlerweile wieder aktualisiert wurde, bekennt sich das Festival als stolz, schon lange Filme, Filmemacher und Zuschauer aus allen Lebensbereichen und jeglicher sexuellen Orientierung zu unterstützen.

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Einige Absätze weiter unten nimmt die Festivalleitung Mona Iraqi in Schutz. Nicht schwule Männer oder die «AIDS-Höhlen» Kairos seien Gegenstand der Filmaufnahmen gewesen (wie Iraqi auf Facebook postete), sondern Menschenhandel und Prostitution: «Die Szene wurde dokumentiert, um das menschenrechtswürdige Vorgehen der Polizei sicherzustellen» heisst es in der Stellungnahme.

Gegenüber der Mannschaft wollte Olivier van der Hoeven keine Stellung nehmen und verwies auf die aktualisierte Medienmitteilung.

Auf Twitter empören sich User über die vielsagende Stille des Berner Kurzfilmfestivals.

Gemäss einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa müssen sich 22 der verhafteten Badehausgäste wegen «sexueller Ausschweifungen» vor Gericht verantworten. Den Männern wird vorgeworfen, sich in einem Hamam genannten Dampfbad in Kairo regelmäßig zu homosexuellen Orgien getroffen zu haben. Neben den Besuchern seien gemäss der Nachrichtenseite «Al-Masry al-Youm» auch die vier Betreiber angeklagt. Der Prozess soll diesen Sonntag beginnen.

Bilder: Al Kahera Wal Nas

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